Dekubitus Wundheilungsphasen

Kategorien: Krankheiten, Medizinische Versorgung und Therapien

Dekubitus ist eine der häufigsten und schwerwiegendsten Komplikationen bei immobilen oder bettlägerigen Patient:innen. Die Erkrankung wird durch Druckgeschwüre an der Haut und den darunter liegenden Geweben verursacht und tritt auf, wenn der Druck auf die Haut höher ist als die Kapillarversorgung des Gewebes.

Die Phasen der Wundheilung spielen eine entscheidende Rolle bei der Behandlung und Vorbeugung dieser Erkrankung. Die Entzündungsphase, die Proliferationsphase und die Remodellierungsphase sind alle kritisch für die Bildung von Granulationsgewebe und die Regeneration von gesundem Gewebe.

In diesem Artikel werden wir uns eingehend mit den Phasen der Wundheilung bei Dekubitus befassen und Ihnen sämtliche notwendige Informationen zur Verfügung stellen, die für eine schnelle Genesung und Verhinderung von Komplikationen relevant sind. Wir werden uns auch damit beschäftigen, welche Verbandsmittel am besten geeignet sind, um die jeweilige Wunde zu behandeln.

Hinweis: Mehr zum Thema können sie in unserem Hauptartikel “Dekubitus” erfahren oder im Artikel zur Dekubitusprävention und Wundversorgung.

Nahaufnahme einer Hand einer älteren Person auf der ein Pflaster aufgetragen wurde

Ursachen von Dekubitus

Die häufigsten Ursachen der Entstehung von Dekubitus sind Druck, Reibung und Scherkräfte. Wenn der Druck auf die Haut höher ist als die Kapillarversorgung des Gewebes, kann dies zu einer Schädigung der Haut und des Gewebes führen. Zusätzlich können Reibung und Scherkräfte zu einer weiteren Schädigung der Haut und des Gewebes führen. Risikofaktoren für die Entwicklung von Dekubitus sind:

  •       Immobilität
  •       Inkontinenz
  •       Malnutrition
  •       Fortgeschrittenes Alter
  •       Fieber
  •       Diabetes
  •       Alkoholismus
  •       Rauchen

Foto einer älteren Dame, welche schlafend in ihrem Bett zuhause liegt

Phasen der Wundheilung bei Dekubitus

In diesem Abschnitt werden die Phasen der Wundheilung bei Dekubitus erläutert. Die Dauer der Wundheilung ist von verschiedenen Faktoren, wie der Einstufung der Wunde und dem Gesundheitszustand der oder des Betroffenen abhängig.

Phase 1: Exsudations- oder Entzündungsphase (Reinigungsphase)

Die erste Phase der Wundheilung bei Dekubitus ist die sogenannte Exsudations- oder Entzündungsphase. Bei der Bildung eines Dekubitus werden Gewebezellen beschädigt, was zu einer Entzündungsreaktion im betroffenen Bereich führt. Dies geschieht in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach der Schädigung. In dieser Phase werden weiße Blutkörperchen (Leukozyten) freigesetzt, um die schädlichen Bakterien und Fremdstoffe zu bekämpfen, die in die Wunde gelangt sind. Es wird auch eine Zunahme des Blutflusses in der Wunde beobachtet, um Nährstoffe und Sauerstoff zur Heilung der Wunde bereitzustellen. Die Entzündungsreaktion ist durch Schmerzen, Rötung, Schwellung und Hitze sowie der Bildung eines Wundsekretes gekennzeichnet. Diese Symptome sind Zeichen einer normalen Immunreaktion auf die Schädigung des Gewebes.

Die Behandlung in der Entzündungsphase zielt darauf ab, Entzündungen zu reduzieren und das Wundmilieu zu stabilisieren. Zu den häufig verwendeten Behandlungsmethoden gehören die Reinigung der Wunde, die Entfernung von abgestorbenem Gewebe und die Verwendung von feuchten Wundverbänden. Feuchte Wundverbände sind besonders nützlich in dieser Phase, da sie eine feuchte Umgebung aufrechterhalten, die das Wachstum von Bakterien hemmt und die Wundheilung fördert.

In einigen Fällen kann auch eine antimikrobielle Behandlung erforderlich sein, um das Wachstum von Bakterien in der Wunde zu hemmen.

Phase 2: Granulations- bzw. Proliferationsphase (Gewebsbildung)

Die zweite Phase der Wundheilung bei Dekubitus ist die Granulations- oder Proliferationsphase. In dieser Phase beginnen die Gewebezellen, sich zu vermehren und neues Gewebe zu bilden, um die Wunde zu schließen. Fibroblasten, Zellen, die Kollagen produzieren, wandern in die Wunde und beginnen, das neue Gewebe zu bilden. Blutgefäße werden auch gebildet, um das neue Gewebe mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. In dieser Phase beginnt somit die Bildung von Granulationsgewebe, das als Basis für die Regeneration des verlorenen Gewebes dient. Die Wundränder ziehen sich dabei zusammen und die Wundexsudation nimmt ab. Diese Phase kann mehrere Wochen dauern.

Die Behandlung in der Proliferationsphase zielt darauf ab, das Wachstum von Granulationsgewebe zu fördern und eine vollständige Bedeckung der Wunde mit Epithelzellen zu erreichen. Zu den häufig verwendeten Behandlungsmethoden gehören die Verwendung von feuchten Wundverbänden, die lokale Anwendung von Wachstumsfaktoren und die Anpassung der Ernährung.

Feuchte Wundverbände sind auch in dieser Phase nützlich, da sie eine feuchte Umgebung aufrechterhalten, die das Wachstum von Granulationsgewebe und Epithelzellen fördert. Optimierte Ernährung ist auch ein wichtiger Faktor für die Wundheilung in der Proliferationsphase: Eine ausreichende Zufuhr von Proteinen, Vitaminen und Mineralien ist für die Bildung von neuem Gewebe und für eine optimale Wundheilung notwendig.

Phase 3: Remodeling- oder Epithelisierungsphase (Regeneration)

Die dritte und letzte Phase der Wundheilung bei Dekubitus ist die Remodeling-Phase. In dieser Phase wird das neu gebildete Gewebe in seiner Struktur und Festigkeit verbessert, um es widerstandsfähiger zu machen. Das Kollagen, das in der Proliferationsphase produziert wurde, wird hier neu ausgerichtet, um die Stabilität der Wunde zu verbessern. Außerdem werden Überreste von beschädigtem Gewebe abgebaut und entfernt, die Wunde vollständig verschlossen und Narbengewebe gebildet. Die Remodeling-Phase kann mehrere Monate dauern, je nach Größe und Schwere der Wunde.

Die Behandlung zielt darauf ab, die Bildung von neuem Gewebe zu unterstützen und die Bildung von Narbengewebe zu minimieren. Zu den häufig verwendeten Behandlungsmethoden gehören die Verwendung von Silikongelen und -folien, Massagetherapie und körperliche Aktivität:

Silikongele und -folien können helfen, die Bildung von Narbengewebe zu minimieren, indem sie eine feuchte Umgebung aufrechterhalten, die Kollagenbildung fördern und den Druck auf die Wunde reduzieren. Massagetherapie und körperliche Aktivität können auch die Bildung von neuem Gewebe fördern und die Heilung in der Remodeling-Phase verbessern. Massagetherapie kann helfen, die Durchblutung und die Kollagenproduktion zu fördern. Zusätzlich kann körperliche Aktivität die Bildung von neuem Gewebe ankurbeln und gleichzeitig den Druck auf die Wunde reduzieren.

Die untenstehende Tabelle gibt einen Überblick über die Dauer und Charakteristika jeder Phase der Wundheilung bei Dekubitus. Es ist wichtig zu beachten, dass die tatsächliche Dauer jeder Phase je nach Schweregrad der Wunde und anderen Faktoren variieren kann.

Wundheilungsphase Dauer Charakteristika Behandlungsmaßnahmen
Entzündungsphase Bis zu 1 Woche · Entzündungsreaktion

· Blutgerinnselbildung

·  Makrophagen- und Neutrophileninvasion

· Druckentlastung

· Infektionskontrolle

· Lokale Wundbehandlung

· Schmerz-management

Proliferationsphase 2-3 Wochen ·  Granulationsgewebebildung

·  Epithelialisierung

·  Kontraktion

·  Kollagenproduktion

· Feuchte Wundverbände

· Lokale Anwendung von Wachstumsfaktoren

· Optimierte Ernährung

Remodelingphase Mehrere Monate bis Jahre · Kollagenreifung und –umbau

· Rückbildung des Granulationsgewebe

· Anpassung an die funktionelle Belastung

· Verwendung von Silikongelen und –folien

· Massagetherapie

· Körperliche Aktivität

 

Illustration der drei Wundheilungsphasen beim Menschen

Fazit

Dekubitus ist eine häufige Erkrankung bei immobilen oder bettlägerigen Patient:innen und kann schwerwiegende Komplikationen verursachen. Die Kenntnis der Phasen der Wundheilung bei Dekubitus ist entscheidend, um eine angemessene Behandlung zu gewährleisten und die Bildung von Granulationsgewebe und die Regeneration von gesundem Gewebe zu fördern. Die Verwendung von speziellen Verbandsmitteln, die Vermeidung von Druck auf bestimmte Körperbereiche und eine angemessene Ernährung können zur Vorbeugung und Behandlung von Dekubitus beitragen. Es ist wichtig, dass Pflegekräfte, Ärzte und Ärztinnen, sowie Angehörige von Patient:innen die Anzeichen von Dekubitus früh erkennen und schnell handeln, um eine schnelle Genesung und Verhinderung von Komplikationen zu gewährleisten.

Glossar

Begriff Definition
Dekubitus Druckgeschwür an der Haut und den darunter liegenden Geweben
Proliferationsphase Phase der Wundheilung, in der sich neues Gewebe bildet
Remodeling-Phase Phase der Wundheilung, in der das neu gebildete Gewebe gestärkt und umstrukturiert wird
Kapillarversorgung Blutversorgung durch Kapillargefäße
Reibung Kraft, die auf die Haut ausgeübt wird, wenn sie an einer anderen Oberfläche reibt
Scherkräfte Kraft, die auf die Haut ausgeübt wird, wenn sie entlang einer anderen Oberfläche gleitet
Immobilität Unfähigkeit, sich zu bewegen oder die Position zu wechseln
Malnutrition Mangelernährung
Exsudationsphase erste Phase der Wundheilung, in der das Wundgebiet gereinigt wird
Leukozyten weiße Blutkörperchen, die eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen
Wundmilieu Umgebung der Wunde, einschließlich der Feuchtigkeit, des pH-Werts und der Bakterienpopulation

Hinweis
Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine medizinische Beratung dar. Obwohl wir uns bemühen, genaue und aktuelle Informationen zur Verfügung zu stellen, übernehmen wir keine Haftung für jegliche Fehler oder Auslassungen in diesem Artikel oder für Handlungen, die aufgrund dieser Informationen getroffen werden. Wir empfehlen, sich immer von einem qualifizierten Arzt/ einer qualifizierten Ärztin oder Pflegepersonal beraten zu lassen und jegliche Entscheidungen bezüglich der Gesundheit oder Pflegebedürfnisse einer Person nur auf Grundlage einer individuellen Beratung und Diagnose zu treffen.


FAQ

1. Kann Dekubitus geheilt werden?

Ja, Dekubitus kann geheilt werden, wenn er frühzeitig erkannt und angemessen behandelt wird. Eine schnelle Behandlung in der Entzündungsphase und die Verhinderung von Komplikationen können zur Heilung von Dekubitus beitragen.

2. Wie lange dauert es bis ein Dekubitus heilt?

Die Dauer der Heilung von Dekubitus hängt von der Schwere der Erkrankung und der Wirksamkeit der Behandlung ab. Leichte Fälle können innerhalb von Wochen heilen, während schwere Fälle mehrere Monate oder sogar Jahre benötigen können.

3. Kann Dekubitus durch Bewegung verhindert werden?

Ja, Bewegung kann dazu beitragen, die Entwicklung von Dekubitus zu verhindern, indem sie den Druck auf die Haut reduziert. Eine angemessene Bewegung, insbesondere bei bettlägerigen oder immobilen Patient:innen, kann dazu beitragen, die Durchblutung zu verbessern und den Druck auf bestimmte Körperbereiche zu reduzieren.

4. Welche Art von Verband sollte bei Dekubitus verwendet werden?

Die Wahl des richtigen Verbands hängt von der Phase der Wundheilung ab. In der Entzündungsphase können antimikrobielle Wundauflagen oder Hydrokolloidverbände verwendet werden, um die Wunde sauber und feucht zu halten. In der Proliferationsphase können Alginate, Hydrogele oder Schaumstoffverbände verwendet werden, um die Bildung von Granulationsgewebe zu fördern. In der Remodeling-Phase können Silikonverbände oder feuchtigkeitsspendende Verbände verwendet werden, um das Wachstum von gesundem Gewebe zu unterstützen. Mehr zum Thema “Wundversorgung” könnt ihr im Artikel “Dekubitus Wundversorgung” erfahren.

5. Kann Dekubitus bei Menschen mit hohem Risiko verhindert werden?

Ja, es gibt verschiedene Möglichkeiten, Dekubitus bei Menschen mit einem hohen Risiko zu verhindern. Eine regelmäßige Überprüfung der Haut und eine angemessene Umlagerung, insbesondere bei immobilen Patient:innen, können dazu beitragen, den Druck auf bestimmte Körperbereiche zu reduzieren. Die Verwendung von speziellen Matratzen und Kissen, die den Druck reduzieren, sowie eine angemessene Ernährung und Hygiene können auch zur Verhinderung von Dekubitus beitragen. Mehr zum Thema “Vorbeugung” könnt ihr im Artikel “Dekubitus Vorbeugung” erfahren.

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