Stundenweise Pflege

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Stundenweise Betreuung kann von der ambulanten Pflege und der 24-Stunden-Pflege abgegrenzt werden. Sie bietet jenen Senior:innen Unterstützung, die ein wenig Hilfe im Alltag, aber noch keine großen pflegerischen Leistungen benötigen. Hierfür kommt eine Betreuungskraft für ein paar Stunden in der Woche zu den Personen nach Hause. Diese erhalten damit die nötige Hilfe und können noch weiter zu Hause wohnen bleiben. Gleichzeitig werden natürlich ebenso die Angehörigen der:des Betroffenen entlastet.

Beispiel 1:

Frau Westermann hat durch ihr Rheuma den Pflegegrad 1. Längere Wege fallen ihr zunehmend schwer. Außerdem steht ihre Waschmaschine im Keller. Deshalb entscheidet sich Frau Westermann  für eine stundenweise Betreuung. Zweimal in der Woche kommt daraufhin eine junge Frau zu Frau Westermann, kümmert sich um ihre Wäsche, begleitet sie zum Einkaufen und spielt mit ihr Gesellschaftsspiele.

Beispiel 2:

Herr Glasner ist dement und hat Weglauftendenzen entwickelt. Seine Tochter empfindet die permanente Pflege mittlerweile als sehr belastend und organisiert für einen Nachmittag in der Woche eine stundenweise Betreuung. So möchte sie den Umzug ihres Vaters in eine vollstationäre Einrichtung noch eine Weile hinauszögern.

Für wen ist die stundenweise Pflege geeignet?

Eine stundenweise Betreuung eignet sich besonders für Personen, die

  • noch kein hohes Pflegebedürfnis haben
  • weiterhin gern zu Hause wohnen möchten
  • Unterstützung im Haushalt benötigen
  • Begleitung zu Terminen und Behördengängen brauchen
  • sich Hilfe bei Einkäufen und Besorgungen wünschen
  • gern Veranstaltungen und Ausflüge besuchen
  • sonst vereinsamen würden

Welche Leistungen bietet die stundenweise Pflege?

Den genauen Umfang der Leistungen der stundenweisen Pflege sprechen Sie in der Regel individuell mit der Betreuungsperson ab. Prinzipiell sind aber folgende Bereiche möglich:

Grundpflege

Die Betreuungskraft hilft bei der Grundpflege mit der gewohnten Pflege- und Hygieneroutine. Sie kann beim Waschen und Ankleiden behilflich sein, bei der Mund- und Zahnpflege, beim Gang zur Toilette und bei Bedarf auch bei der Nahrungsaufnahme.

Haushalt

Eine Betreuungskraft ist kein Reinigungsservice und kümmert sich im Haushalt nur um die vereinbarten Bereiche. Dies können vor allem körperlich anstrengende Tätigkeiten wie die Wäsche, das Kochen und Abspülen oder Gartenarbeiten sein. Auch den Einkauf kann die Betreuungskraft erledigen oder die betroffene Person dorthin begleiten und dabei unterstützen. Sollte es Schwierigkeiten bei der Korrespondenz mit Behörden geben, leistet die Betreuungskraft auch hier Hilfestellung.

Freizeit und Gesellschaft

Zudem unterstützt eine Betreuungskraft nicht nur physisch, sondern leistet auch Gesellschaft. Je nachdem welche Aktivitäten Freude bereiten, geht sie mit der betroffenen Person spazieren oder unternimmt Ausflüge. Im Eigenheim hilft sie eher bei Kreuzworträtseln, Bastel- und Handarbeiten oder schaut gemeinsam mit der betroffenen Person alte Fotos an. Gerade bei alleinlebenden Senior:innen kann so einer Vereinsamung vorgebeugt werden.

Begleitung und Fahrdienste

Oft wird eine stundenweise Betreuung auch genutzt um Personen zu ärztlichen Untersuchungen oder bei Behördengängen zu begleiten. Hier ist es praktisch, dass diese Betreuungsform oftmals sehr flexibel einsetzbar ist.

Wichtig: Die Betreuungsperson übernimmt keine medizinischen Handlungen.

Welche Dienstleister für stundenweise Pflege gibt es?

Stundenweise Betreuung wird von verschiedenen Dienstleistern angeboten:

ambulanter Pflegedienst

Manchmal bieten ambulante Pflegedienste neben ihren pflegerischen Leistungen zusätzlich auch eine stundenweise Betreuung an.

überregionale private Anbieter

Es gibt einige private Anbieter, die ihre Vielzahl an Leistungen in ganz Österreich anbieten. Dieses ausgiebige Leistungsspektrum liegt häufig darin begründet, dass es sich bei ihnen um große Firmen handelt. Ein genauer Vergleich zwischen Anbietern lohnt sich somit besonders im Hinblick auf die Kosten.

organisierte Nachbarschaftshilfe

Organisierte Nachbarschaftshilfe wird in Österreich oftmals im Gemeindeverband oder durch Kirchen angeboten. Die Nachbarschaftshelfer:innen können im Haushalt , bei Gängen zum Arzt oder zur Ärztin, sowie beim Einkaufen unterstützen. Sie übernehmen aber keine pflegerischen Aufgaben. Ihr Unterstützungsangebot umfasst eben eine nachbarschaftliche Hilfe in Form von kleinen Haushaltstätigkeiten oder Transportmöglichkeiten. Dementsprechend sind sie für Betroffene mit dementiellen Erkrankungen nur bedingt geeignet.

ehrenamtliche Besuchsdienste

Bei ehrenamtlichen Besuchsdiensten unterstützen Helfer:innen die Betroffenen bei Haushaltstätigkeiten, verbringen Zeit mit ihnen, lesen vor usw. Sie sind oft geschult und haben eine hauptberufliche Tätigkeit im pflegerischen oder medizinischen Bereich. Da es sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelt, sind die Leistungen für die betreute Person kostenlos. Diese Form der stundenweisen Pflege ist allerdings in Österreich damit auch recht selten nutzbar.

In welchen Bereichen kann eine stundenweise Pflege unterstützen?

Prinzipiell ist es möglich, dass die stundenweise Betreuungsperson Aufgaben der Grundpflege übernimmt, im Haushalt hilft, für Beschäftigung und Gesellschaft in der Freizeit sorgt und Begleitung und Fahrdienste anbietet.

Welcher dieser Bereiche besonders in Anspruch genommen werden möchte, ist dabei der betroffenen Person überlassen. Wenn diese zum Beispiel noch keinerlei Grundpflege benötigt, werden diesbezüglich auch keine Aufgaben vereinbart.

Wer kann stundenweise Pflege ausführen?

Die Betreuungskraft muss keine diplomierte Pflegekraft sein. Sie sollte aber gern mit älteren Menschen arbeiten, psychisch belastbar, zuverlässig und verschwiegen sein. Hauswirtschaftliche Erfahrungen und ein Führerschein können ebenfalls sehr nützlich sein. Achten Sie auf jeden Fall darauf, dass die Chemie zwischen Betreuungskraft und betreuter Person stimmt. Nur so kann sich auf lange Sicht ein Vertrauensverhältnis entwickeln.

Wo kann stundenweise Pflege stattfinden?

Sofern keine Ausflüge oder Termine anstehen, findet die stundenweise Pflege regulär im häuslichen Umfeld statt.

Welche Vorteile hat stundenweise Pflege?

Wenn noch keine oder nur eine niedrige Pflegebedürftigkeit vorliegt, bestehen einige Vorteile, wie beispielsweise:

  • Die 1:1-Betreuung ist ein großer Pluspunkt. Die Betreuungskraft kann zu einer echten Bezugsperson werden, denn häufig ist sie mehr als nur Alltagshelfer:in.
  • Die Leistungen einer stundenweisen Pflege ist sehr flexibel. So können diese individuell, je nach Bedarf, auch abgeändert werden. Zudem sind Betreuungskräfte meist auch zeitlich anpassungsfähig, sodass kurzfristige Arztbesuche oder andere Erledigungen möglich sind.
  • Stimmt das Verhältnis zwischen Betreeungsperson und der:dem Betroffenen, kann die Betreuung einen positiven Effekt auf den gesundheitlichen  Zustand der betroffenen Person haben.
  • Einige Betreuer:innen sind speziell für die Arbeit mit Demenz- und Schlaganfallpatient:innen geschult.
  • Pflegende Angehörige können durch die stundenweise Betreuung für einige Zeit entlastet werden.

Welche Nachteile hat stundenweise Pflege?

  • Oftmals reicht eine Betreuungsperson allein nicht aus und es sind mindestens zwei Betreuer:innen nötig. Durch den Wechsel kann sich unter Umständen keine Vertrautheit einstellen.
  • Es ist möglich, dass der Kontakt zu nur einer bzw. zwei Personen allein nicht ausreicht, um aktivierend auf die betreute Person zu wirken. In der teilstationären Tagespflege stehen Gruppenaktivitäten im Vordergrund, die oft begeisternd auf die teilnehmenden Senior:innen wirken und sie für zuvor abgelehnte Aktivitäten interessieren können.
  • Betreuer:innen dürfen keine medizinische Versorgung vornehmen. Bei hoher Pflegedürftigkeit eignet sich eine andere/umfangreichere Form der pflegerischen Unterstützung besser.

Wie sieht stundenweise Pflege bei Demenz aus?

Eine dementielle Erkrankung stellt einen massiven Einschnitt ins Leben der Betroffenen und ihren Angehörigen dar. Wird eine demenzerkrankte Person zu Hause gepflegt, ist eine zusätzliche Betreuung ab einem gewissen Punkt meist unerlässlich. Probleme die oftmals im Zuge einer Demenzerkrankung auftreten umfassen:

  • Verlust der räumlichen Orientierung. Vom Einkaufen oder vom Besuch beim Hausarzt oder der Hausärztin kann nicht mehr nach Hause zurück gefunden werden.
  • Auch das Zeitgefühl geht verloren. Die Betroffenen vergessen das Essen und Trinken. Dies kann zu einer Mangelernährung führen, die besonders im Alter gefährlich werden kann.
  • Die Senior:innen werden zu einer Gefahr für sich selbst und andere. Sie vergessen, dass sie einen Topf auf den Herd gestellt haben, lassen den Wasserhahn laufen oder verlassen die Wohnung, ohne wieder zurück zu finden.
  • Häufig kommt es zu Weglauftendenzen.
  • Der Tag-Nacht-Rhythmus wird gestört und viele Betroffene werden vermehrt nachtaktiv.

Treten diese Symptome geballt auf, muss die betroffene Person permanent beaufsichtigt werden. Dies kann für pflegende Angehörige unglaublich belastend sein und bis zu einem Burnout führen. Hier kann die stundenweise Betreuung für eine hilfreiche Entlastung sorgen.

Viele Betreuungskräfte sind auf dementielle Krankheiten wie beispielsweise Alzheimer spezialisiert. Sie begleiten eine Person auf ihrem Weg zum Supermarkt oder zu Terminen und sorgen dafür, dass sie auch wieder sicher zu Hause ankommt. Manchmal ist auch eine Betreuung in der Nacht möglich, was die Angehörigen bei fortgeschrittener Nachtaktivität besonders entlasten kann.

Welche Alternativen gibt es zu stundenweiser Pflege?

Je nachdem, wie stark pflegebedürftig jemand ist, gibt es einige Betreuungsmodelle, die als Alternative zur stundenweisen Pflege in Betracht kommen.

Liegt noch kein hohes Pflegebedürfnis vor, können Betroffene beispielsweise in ein betreutes Wohnen ziehen. Hierbei leben sie recht unabhängig in eigenen Wohnungen oder Zimmern und nutzen nur einige Räume gemeinschaftlich. Eine Betreuungsperson hilft zum Beispiel bei der Korrespondenz mit Behörden. Steigt das Pflegebedürfnis, können entsprechende pflegerische Leistungen hinzugebucht werden.

Die Tagespflege und Nachtpflege sind teilstationäre Angebote, die sich besonders lohnen, wenn eine pflegebedürftige Person von berufstätigen Angehörigen gepflegt wird oder aber alleine wohnt. Hier findet eine stundenweise Betreuung in einer Tagespflegeeinrichtung statt. Auch der Transport vom Zuhause zur Einrichtung wird organisiert. Durch den Kontakt zu anderen Senior:innen und die vielfältigen Freizeit- und Beschäftigungsangebote wird einer Vereinsamung vorgebeugt. Eine Nachtpflege empfiehlt sich vor allem für Personen, die besonders nachtaktiv sind.

Auch bei der ambulanten Pflege kann die pflegebedürftige Person weiterhin in ihrem Zuhause wohnen. Eine Pflegekraft übernimmt hierbei pflegerische Aufgaben. Sie hilft aber nicht mit im Haushalt und ist auch nicht für soziale Belange zuständig.

Bei der 24-Stunden-Pflege findet die Pflege ebenso im Zuhause der pflegebedürftigen Person statt. Eine Pflegekraft bewohnt dabei ein Zimmer in der Wohnung oder im Haus. Sie übernimmt sowohl pflegerische Tätigkeiten als auch Haushaltsaufgaben. Dieses Modell eignet sich besonders bei einem hohen Pflegebedürfnis.

Sie können auch verschiedene Hilfsangebote kombinieren. So ist es zum Beispiel möglich, parallel zu einer stundenweisen Pflege noch einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch zu nehmen oder für einige Stunden in der Woche in eine Tagespflegeeinrichtung zu gehen.

Mit welchen Kosten ist stundenweise Pflege verbunden?

In Österreich müssen Sie eine stundenweise Betreuung ohne Pflegestufe selbst finanzieren. Liegt eine Pflegestufe vor, sollten Sie das Pflegegeld für die Betreuung nutzen. Es wird folgt gestaffelt (Stand Dezember 2023 [1]):

  • Pflegestufe 1: 175,00 Euro
  • Pflegestufe 2: 322,70 Euro
  • Pflegestufe 3: 502,80 Euro
  • Pflegestufe 4: 754,00 Euro
  • Pflegestufe 5: 1.024,20 Euro
  • Pflegestufe 6: 1.430,20 Euro
  • Pflegestufe 7: 1.879,50 Euro

1. Was ist die stundenweise Pflege?Die stundenweise Pflege bezieht sich auf eine Form der Betreuung und Unterstützung, bei der Pflegeleistungen nicht rund um die Uhr erbracht werden, sondern nach Bedarf und für einen bestimmten Zeitraum pro Tag oder Woche.

2. Welche Leistungen umfasst die stundenweise Pflege?

Sie umfasst verschiedene Leistungen der Grundpflege, wie Hilfe bei der Körperpflege. Weiters kann eine Betreuungsperson im Haushalt unterstützen, beim Medikamentenmanagement oder als Begleitung zu Arztterminen und sozialen Aktivitäten zur Seite stehen. Medizinische Pflege dürfen Betreuungspersonen jedoch nicht vornehmen. Zudem übernehmen sie auch nur Erledigungen im Haushalt, die nicht mehr von der betroffenen Person geleistet werden können.

3. Für wen ist die stundenweise Pflege geeignet?

Die stundenweise Pflege ist besonders geeignet für Menschen, die nur begrenzte Unterstützung benötigen und weiterhin in ihrer eigenen häuslichen Umgebung leben möchten. Dies kann ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Menschen mit Behinderungen einschließen.

4. Wie flexibel ist die stundenweise Pflege?

Meistens bietet sie eine hohe Flexibilität, da die Pflegezeiten an individuelle Bedürfnisse angepasst werden können. Sie kann je nach Notwendigkeit täglich, wöchentlich oder zu anderen festgelegten Zeiten erfolgen. Welche Bedingungen genau gelten, ist aber immer mit dem jeweiligen Dienstleistungsunternehmen zu klären.

5. Gibt es staatliche Unterstützung oder Finanzierungsmöglichkeiten für die stundenweise Pflege?

Für die Finanzierung einer stundenweisen Pflege wird vor allem das Pflegegeld relevant. Wie hoch dieses ausfällt, hängt von der ärztlich festgestellten Pflegestufe der:des Betroffenen ab.

6. Welche Alternativen gibt es zu stundenweiser Pflege?

Je nach Ausmaß des Pflegebedarfs einer Person kann ein betreutes Wohnen, eine Tages- oder Nachtpflegeeinrichtung, ein ambulanter Pflegedienst oder auch eine 24-Stunden-Betreuung besser den Bedürfnissen des:der Pflegebedürftigen entsprechen.


[1] Vgl. Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, “Höhe des Pflegegeldes”, oesterreich.gv.at, 19.01.2022 https://www.oesterreich.gv.at/themen/soziales/pflege/4/Seite.360516.html, 13.12.2023.

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