Multiple Sklerose (MS)

Auf dem Bild sind zwei Frauen zu sehen, die auf dem Sofa sitzen und sich die Hände halten.
Kategorien: Krankheiten, Medizinische Versorgung und Therapien

Man sagt, dass das Leben erst dann seine wahren Farben zeigt, wenn man sich den größten Herausforderungen stellt. Für Millionen von Menschen weltweit ist das Leben jedoch zu einem unerbittlichen Kampf geworden – einem Kampf gegen eine komplexe Krankheit, die das zentrale Nervensystem angreift und die Grenzen der menschlichen Stärke auf die Probe stellt: Multiple Sklerose (MS).

Allein in Österreich sind ca. 12.500 Personen an Multipler Sklerose erkrankt. In der Regel tritt MS erstmals zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr auf und nur bei fünf Prozent zeichnet sich die Erkrankung schon im Kindes- und Jugendalter ab. Neuerkrankunken bei älteren Menschen treten glücklicherweise noch seltener auf [1].

Gemeinsam wollen wir im folgendem Artikel die Symptome und Auswirkungen von MS, insbesondere auf den Alltag älterer Menschen verstehen lernen. Wir werden uns mit den körperlichen Einschränkungen, dem Kampf gegen Erschöpfung und Muskelschwäche auseinandersetzen und die emotionalen Belastungen erkunden, die mit der Diagnose einhergehen.

Als Angehörige spielen Sie eine entscheidende Rolle im Leben eines bzw. einer MS-Betroffenen. Deshalb möchten wir Ihnen auch wertvolle Informationen und Ratschläge an die Hand geben, wie Sie Ihre Lieben bestmöglich unterstützen können. Vom Aufbau eines starken Unterstützungsnetzwerks bis hin zur Bewältigung von Pflegeherausforderungen – wir werden Ihnen praktische Tipps und Anleitungen geben, um Ihnen in Ihrem Alltag zur Seite zu stehen.

Hinweis: In unseren informativen Beiträgen “Multiple Sklerose Symptome” und “Multiple Sklerose Verlaufsformen” können Sie weitere Informationen über das Thema MS finden.

Was ist Multiple Sklerose (MS)?

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, zu dem das Gehirn und das Rückenmark gehören. Diese komplexe Krankheit kann sowohl Männer als auch Frauen in verschiedenen Altersgruppen betreffen, tritt jedoch häufiger bei jungen Erwachsenen auf. MS ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Nervengewebe angreift und Schäden verursacht.

Um besser zu verstehen, was bei MS im Körper passiert, ist es hilfreich, das Nervensystem genauer zu betrachten. Das zentrale Nervensystem besteht aus Milliarden von Nervenzellen, die Informationen zwischen Gehirn, Rückenmark und anderen Teilen des Körpers über elektrische Signale übertragen. Um die Nervenfasern zu schützen und die Signalübertragung zu erleichtern, sind sie von einer isolierenden Schicht namens Myelin umgeben. Bei Menschen mit MS greift das Immunsystem irrtümlich das Myelin an und verursacht Entzündungen. Dadurch entstehen nach einer gewissen Zeit Narben- oder sogenannte Skleroseherde im Nervengewebe, was zu einer Beeinträchtigung der Signalübertragung führt.

Die genaue Ursache von MS ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird allerdings angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren das Risiko für die Entwicklung von MS erhöht. Einige weitere Faktoren, die mit einem höheren Risiko in Verbindung gebracht werden, sind beispielsweise Rauchen, Vitamin-D-Mangel, bestimmte Virusinfektionen und die geografische Lage. In der Tat zeigt sich eine höhere Prävalenz von MS in gemäßigten Klimazonen wie Nordeuropa, Kanada und den nördlichen Teilen der USA im Vergleich zu tropischen Regionen.

Die Krankheit ist äußerst heterogen und verläuft bei jedem und jeder Betroffenen unterschiedlich. So können einige Menschen jahrelang mit milden Symptomen leben, während andere schneller einen schwereren Verlauf erleben.

Die Diagnose von MS kann eine Herausforderung darstellen, da die Symptome oft unspezifisch sind und auf andere Erkrankungen hinweisen können. In der Regel wird eine Kombination aus körperlicher Untersuchung, Anamnese, neurologischen Tests und bildgebenden Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt, um eine Diagnose zu stellen. Bei MS können typische MRT-Befunde wie Läsionen oder Narbenherde im Gehirn und Rückenmark beobachtet werden.

Es gibt verschiedene Formen von MS, die den Verlauf und die Symptome der Krankheit beeinflussen. Die häufigste Form ist die schubförmig remittierende MS (RRMS), bei der die Symptome in Schüben auftreten und sich dazwischen teilweise oder vollständig zurückbilden können. Es gibt jedoch auch andere Verlaufsformen wie die primär progrediente MS (PPMS), bei der sich die Symptome stetig verschlechtern, ohne deutliche Schübe und die sekundär progrediente MS (SPMS), bei der sich eine RRMS im Laufe der Zeit zu einer fortschreitenden Form entwickelt.

Obwohl es derzeit keine Heilung für MS gibt, stehen verschiedene Therapien zur Verfügung, um die Krankheit zu behandeln und die Symptome zu lindern. Medikamente wie Interferone, immunmodulatorische Medikamente und kortikosteroidhaltige Präparate können zur Kontrolle der Entzündungsreaktionen eingesetzt werden. Zusätzlich werden physiotherapeutische Übungen, Ergotherapie und logopädische Therapie eingesetzt, um die Funktionsfähigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Die Forschung im Bereich MS hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, und es wurden neue vielversprechende Therapien entwickelt. Ein Beispiel dafür ist die Immuntherapie mit sogenannten monoklonalen Antikörpern, die spezifische Komponenten des Immunsystems beeinflussen und Entzündungsreaktionen gezielt unterdrücken können.

Entscheidend ist außerdem, dass Menschen mit MS eine ganzheitliche Betreuung erhalten, die über die medizinische Behandlung hinausgeht. Unterstützung durch Psychotherapeut:innen, Sozialarbeiter:innen und Selbsthilfegruppen kann dazu beitragen, den Umgang mit der Krankheit zu erleichtern und den Betroffenen emotionalen und sozialen Halt zu geben.

Was sind die Symptome von MS?

Die Symptome von MS können je nach betroffenem Bereich des zentralen Nervensystems stark variieren. Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk aus Gehirn, Rückenmark und Nerven, das für die Steuerung und Koordination verschiedener Funktionen im Körper verantwortlich ist. Wenn also das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Nervengewebe angreift, kann dies zu Entzündungen und Schädigungen führen, die sich in einer Vielzahl von Symptomen äußern können. In unserem Beitrag “Multiple Sklerose Symptome” können sie mehr über das Thema “Symptome der Multiplen Sklerose” erfahren.

Hier sind einige der häufigsten Symptome von MS:

  • Fatigue (Erschöpfung): Fatigue ist eines der häufigsten und belastendsten Symptome von MS. Es handelt sich um eine extreme Erschöpfung, die nicht durch Ruhe oder Schlaf gelindert wird. Die Betroffenen fühlen sich oft müde, erschöpft und haben Schwierigkeiten, ihre üblichen Aktivitäten durchzuführen.
  • Muskelschwäche und Koordinationsprobleme: MS kann zu Muskelschwäche und Koordinationsproblemen führen. Die Betroffenen können Schwierigkeiten haben, ihre Muskeln zu kontrollieren, was sich in Gangstörungen, Gleichgewichtsproblemen und fehlender Koordination äußern kann.
  • Sensibilitätsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein “Ameisenlaufen” in den Extremitäten sind häufige Symptome von MS. Diese Sensibilitätsstörungen können dazu führen, dass die Betroffenen Berührungen, Hitze oder Kälte anders wahrnehmen.
  • Sehstörungen: MS kann auch Auswirkungen auf das Sehvermögen haben. Doppelbilder, verschwommenes Sehen, eingeschränktes Gesichtsfeld oder Augenschmerzen können auftreten. Dies kann zu Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben wie Lesen oder Autofahren führen.
  • Probleme mit der Blasen- und Darmkontrolle: Viele Menschen mit MS leiden unter Blasen- und Darmstörungen. Dies kann sich in vermehrtem Harndrang, Harninkontinenz, Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder auch Verstopfung äußern.
  • Kognitive Beeinträchtigung: MS kann auch Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten haben. Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme, Schwierigkeiten beim Problemlösen und Verlangsamung des Denkprozesses können auftreten. Diese kognitiven Beeinträchtigungen können sich auf die Alltagsfunktionen und die Lebensqualität der Betroffenen auswirken.
  • Sprach- und Sprechstörungen: MS kann auch zu Sprach- und Sprechstörungen führen. MS-Betroffene können Schwierigkeiten haben, Wörter zu finden, flüssig zu sprechen oder ihre Gedanken verbal auszudrücken.
  • Schmerzen: Einige Menschen mit MS erleben chronische Schmerzen, die von anhaltenden Kopfschmerzen bis zu Muskel- und Gelenkschmerzen reichen können. Diese Schmerzen können den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle MS-Betroffenen alle Symptome erfahren und dass sich darüber hinaus die Symptome im Verlauf der Krankheit verändern können. Einige Menschen können Phasen der Remission erleben, in denen die Symptome vorübergehend abklingen oder sich verbessern. Andere können wiederum eine stetige Verschlechterung erfahren.

Wie entsteht MS?

Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe und vielschichtige neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Die genaue Ursache von MS ist noch nicht vollständig verstanden, aber Forscher:innen haben wichtige Erkenntnisse über die Entstehung dieser Krankheit gewonnen. In diesem Abschnitt werden wir uns eingehend mit den Mechanismen befassen, die zur Entstehung von MS führen.

Die Rolle des Immunsystems

Eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von MS spielt das Immunsystem. Bei MS kommt es zu einer fehlerhaften Immunantwort, bei der das Immunsystem das eigene Nervengewebe angreift und Entzündungen verursacht. Normalerweise schützt das Immunsystem den Körper vor Infektionen und Krankheiten, indem es fremde Substanzen wie Bakterien oder Viren bekämpft. Bei MS richtet sich das Immunsystem jedoch gegen die Schutzschicht des eigenen Nervengewebes, das sogenannte Myelin.

Die Bedeutung des Myelins

Myelin ist eine fetthaltige Substanz, die die Nervenfasern im zentralen Nervensystem umhüllt und ihnen eine isolierende Schutzschicht verleiht. Diese Schicht ermöglicht eine schnelle und effiziente Weiterleitung von Nervenimpulsen. In der MS-Entwicklung kommt es zu einer Entzündungsreaktion, bei der das Myelin geschädigt wird. Die Folge sind Läsionen oder Narben im Nervengewebe.

Entzündung und Narbenbildung

Die Entzündungsreaktion im Nervengewebe bei MS wird als autoimmun bezeichnet, da das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Gewebe angreift. Sie führt zur Freisetzung von entzündlichen Molekülen und Zellen, die das Myelin zerstören. Dieser Prozess kann zu Schwellungen und Verengungen der Blutgefäße führen, was die Durchblutung beeinträchtigt, und die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Nervengewebes behindert.

Die Schädigung des Myelins führt dazu, dass die Nervenimpulse nicht mehr effizient weitergeleitet werden können. Dies kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, wie beispielsweise Muskelschwäche, Koordinationsprobleme oder Sensibilitätsstörungen.

Neben der Schädigung des Myelins können die Entzündungsprozesse bei MS auch direkte Auswirkungen auf die Nervenzellen haben. Die Nervenzellen oder Neuronen sind für die Weiterleitung von elektrischen Impulsen verantwortlich, die Informationen im Körper transportieren. Durch die Schädigung des Myelins und der Nervenzellen selbst kann es zu einer Unterbrechung oder Verlangsamung der Nervenimpulse kommen.

Neurodegeneration

Im Verlauf der Erkrankung kann es zu einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen kommen, was als Neurodegeneration bezeichnet wird. Die genauen Mechanismen, die zu diesem Prozess führen, sind noch nicht vollständig verstanden. Forscher:innen vermuten jedoch, dass neben der entzündlichen Reaktion auch andere Faktoren, wie oxidativer Stress oder mitochondriale Dysfunktion, eine Rolle spielen könnten. Die Neurodegeneration kann zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der kognitiven und motorischen Funktionen führen.

Genetische und Umweltfaktoren

Es gibt auch Hinweise darauf, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle bei der Entstehung von MS spielen. Studien haben gezeigt, dass das Risiko, an MS zu erkranken, bei Menschen mit bestimmten genetischen Varianten erhöht sein kann. Diese genetischen Veränderungen können die Reaktion des Immunsystems beeinflussen und das Risiko für autoimmun bedingte Erkrankungen wie MS erhöhen.

Darüber hinaus scheinen Umweltfaktoren wie Vitamin-D-Mangel, Rauchen, Infektionen und Stress das Risiko für die Entwicklung von MS zu beeinflussen. Diese Faktoren können das Immunsystem beeinträchtigen und das Gleichgewicht zwischen entzündlichen und regulierenden Mechanismen stören.

Welche Arten der Multiplen Sklerose gibt es?

Multiple Sklerose kann verschiedene Formen und Verläufe annehmen. Es ist daher von großer Bedeutung, die verschiedenen Arten von MS zu verstehen, um die jeweiligen Symptome zu erkennen, die Behandlung anzupassen und die Herausforderungen, die mit jeder Form einhergehen, bestmöglich zu bewältigen. In diesem Abschnitt werden wir daher einen Überblick über die verschiedenen Arten von MS geben. In unserem Beitrag “Multiple Sklerose Verlaufsformen” können sie mehr über das Thema “Verlaufsformen von Multiple Sklerose” erfahren.

Die untenstehende Tabelle gibt einen Überblick über die Verlaufsformen der MS:

Verlaufsform Beschreibung Merkmale
Schubförmig-remittierend (RRMS)
  • Häufigste Verlaufsform
  • Schübe von neurologischen Symptomen, gefolgt von teilweiser oder vollständiger Besserung
  • Kein oder nur minimales Fortschreiten der Behinderung zwischen den Schüben
  • Plötzlicher Beginn von Symptomen
  • Phasen mit wenig oder keiner Krankheitsaktivität
  • Unvorhersehbare Schubaktivität und Symptomverschlechterungen
Sekundär-progredient

(SPMS)

  • Beginnt oft als RRMS und entwickelt sich im Laufe der Zeit weiter
  • Schübe werden seltener, stattdessen schreitet die Behinderung langsam voran
  • Zunehmende Behinderung und Symptome über die Zeit hinweg
  • Schubaktivität nimmt ab und wird durch kontinuierlichen Verlauf der Krankheit ersetzt
Primär-progredient

(PPMS)

  • Von Beginn an fortschreitender Verlauf ohne Schübe
  • Symptome nehmen im Laufe der Zeit stetig zu
  • Langsames Fortschreiten der Behinderung ohne Phasen der Besserung
  • Keine klar definierten Schubaktivitäten
Schubförmig-progredient (PRMS)
  • Seltene Verlaufsform
  • Kombination aus Schüben und kontinuierlicher Verschlechterung
  • Fortschreitende Behinderung mit zusätzlichen Schüben von Symptomverschlechterungen

Schubförmig-remittierende MS (RRMS)

Die schubförmig remittierende MS ist die häufigste Form der Erkrankung und betrifft etwa 85% der Menschen mit MS [2]. Bei RRMS treten plötzliche Schübe oder Exazerbationen auf, bei denen neue Symptome auftreten oder das Wiederauftreten alter Symptome erfolgt. Diese Schübe können Wochen oder Monate dauern und werden oft von Zeiten der Remission oder Besserung der Symptome gefolgt. Während der Remissionsphasen können die Betroffenen fast symptomfrei sein und ein (relativ) normales Leben führen.

Sekundär-progrediente MS (SPMS)

Bei einigen Menschen mit schubförmig remittierender MS (RRMS) kann die Erkrankung im Laufe der Zeit fortschreiten und in eine sekundär progrediente MS übergehen. In dieser Form der MS nehmen die Symptome allmählich zu und es gibt weniger oder keine Phasen der Remission mehr. Die Krankheitsprogression kann schrittweise oder schubartig erfolgen. Es ist wichtig, den Übergang von RRMS zu SPMS rechtzeitig zu erkennen, da dies wichtige Auswirkungen auf die Behandlungsmöglichkeiten haben kann.

Primär-progrediente MS (PPMS)

Etwa 10-15% der Menschen mit MS haben eine primär progrediente MS [3]. Im Gegensatz zur RRMS entwickelt sich die PPMS allmählich, ohne ausgeprägte Schübe oder Remissionsphasen. Die Symptome verschlechtern sich im Laufe der Zeit kontinuierlich. Diese Form der MS tritt oft bei älteren Menschen auf und betrifft häufig das Rückenmark und die unteren Extremitäten. Die Behandlung der PPMS konzentriert sich auf die Symptomlinderung und die Verbesserung der Lebensqualität.

Schubförmig-progrediente MS (PRMS)

Die schubförmig-progrediente oder progressive-relapsing MS ist eine seltene Form der Erkrankung, bei der eine kontinuierliche Verschlechterung der Symptome von Beginn an besteht, jedoch mit gelegentlichen Schüben oder Verschlimmerungen. Anders als bei der PPMS können die Schübe bei PRMS nicht vollständig remittieren, sondern zu einer fortschreitenden Beeinträchtigung führen. Diese Form der MS betrifft nur eine kleine Anzahl von Menschen und erfordert eine individuelle Betreuung und Behandlung.

Zusätzlich zu den verschiedenen Verlaufsformen gibt es auch atypische Formen der MS, die weniger häufig auftreten und spezifische Symptome oder Merkmale aufweisen können. Dazu gehören beispielsweise die Marburg-Variante, das Devic-Syndrom oder die tumefaktive MS. Diese atypischen Formen erfordern oft eine genaue Diagnose und spezialisierte Behandlungsansätze.

Der Verlauf der MS kann sich von Person zu Person unterscheiden. Einige Menschen können über viele Jahre eine stabile Form der Erkrankung haben, während andere schnellere Fortschritte oder häufigere Schübe erleben. Es gibt auch Fälle, in denen sich der Verlauf der MS im Laufe der Zeit ändert, beispielsweise von RRMS zu SPMS. Es ist daher bei einer MS-Erkrankung besonders wichtig, regelmäßige ärztliche Untersuchungen und eine enge Zusammenarbeit mit dem Behandlungsteam zu pflegen, um den individuellen Verlauf der Krankheit zu überwachen und die richtige Behandlungsstrategie zu entwickeln.

Wie wird Multiple Sklerose diagnostiziert?

Die Diagnose von Multipler Sklerose (MS) kann eine herausfordernde Aufgabe sein. Die Symptome können vielfältig ausfallen und sich im Laufe der Zeit verändern, was die Identifizierung und Zuordnung zu einer bestimmten Erkrankung bzw. Verlaufsform erschwert.

In diesem Abschnitt werden wir einen detaillierten Einblick in den Diagnoseprozess von MS geben und aufzeigen wie moderne medizinische Techniken und Verfahren zur Gewissheit führen können. Dieses Wissen ist von großer Bedeutung, um eine frühzeitige Diagnose zu ermöglichen und eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Der erste Schritt bei der Diagnose von MS besteht in der ausführlichen Anamneseerhebung und körperlichen Untersuchung durch Neurolog:innen oder einer spezialisierten Ärztin bzw. einem spezialisierten Arzt. Die Ärztin oder der Arzt wird nach den auftretenden Symptomen fragen, wie sie sich entwickelt haben und wie sie den Alltag beeinflussen. Zudem wird eine gründliche körperliche Untersuchung durchgeführt, bei der die Reflexe, die Muskelkraft, die Koordination und das Gangbild überprüft werden.

Bildgebende Verfahren

Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) spielen eine entscheidende Rolle bei der Diagnose von MS. Das MRT ermöglicht es, hochauflösende Bilder des Gehirns und des Rückenmarks zu erstellen, um nach Anzeichen von Entzündungen und Läsionen zu suchen. Bei MS sind typischerweise multiple Läsionen im zentralen Nervensystem sichtbar, die durch Entzündungsprozesse entstehen. Das MRT kann außerdem helfen, andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Lumbalpunktion (Nervenwasseruntersuchung)

Bei der Lumbalpunktion wird eine Nadel in den unteren Rücken eingeführt, um eine kleine Menge des Nervenwassers (Liquor) zu entnehmen. Dieser Test kann dabei helfen, Hinweise auf entzündliche Prozesse im zentralen Nervensystem zu finden. Bei MS können erhöhte Spiegel bestimmter Proteine, wie z.B. der IgG-Antikörper, und das Vorhandensein von oligoklonalen Banden im Nervenwasser auf eine Immunreaktion hinweisen.

Elektrophysiologische Untersuchungen

Elektrophysiologische Untersuchungen, wie beispielsweise das Elektroenzephalogramm (EEG) oder die evozierten Potentiale, werden durchgeführt, um die Funktion des Nervensystems zu bewerten. Diese Untersuchungen messen die elektrische Aktivität im Gehirn und den Nervenbahnen und können Hinweise auf Veränderungen oder Störungen liefern. Bei MS können beispielsweise verzögerte oder abnorme Signale festgestellt werden.

Differentialdiagnose

Die Diagnose von MS erfordert auch eine sorgfältige Ausschlussdiagnostik, bei der andere mögliche Ursachen für die Symptome ausgeschlossen werden. Es gibt nämlich verschiedene andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie MS verursachen können, wie z.B. Lyme-Borreliose, Lupus, Vaskulitis oder Vitamin-B12-Mangel. Durch eine gründliche Untersuchung und den Ausschluss dieser Erkrankungen kann eine präzisere Diagnose gestellt werden.

McDonald-Kriterien

Die McDonald-Kriterien sind eine diagnostische Leitlinie, die von der Internationalen Multiple Sklerose Gesellschaft entwickelt wurde. Sie legen fest, welche klinischen Symptome, bildgebenden Befunde und zeitlichen Kriterien erfüllt sein müssen, um die Diagnose MS zu stellen. Die Kriterien wurden im Laufe der Zeit weiterentwickelt, um eine frühere und genauere Diagnose zu ermöglichen. Sie berücksichtigen sowohl klinische Symptome als auch bildgebende Befunde.

Verlaufskontrolle

Regelmäßige Verlaufskontrollen sind bei MS wichtig, um den Verlauf der Krankheit zu überwachen und die Behandlung bei Bedarf anzupassen. Wiederholte MRT-Untersuchungen, klinische Untersuchungen und funktionelle Tests können dabei helfen, die Krankheitsaktivität zu beurteilen und eventuelle Veränderungen festzustellen.

Insbesondere für ältere Menschen und deren Angehörige ist es wichtig, sich über den Diagnoseprozess von MS zu informieren, um besser zu verstehen, welche Schritte unternommen werden und welche Untersuchungen durchgeführt werden können. Dieses Wissen kann helfen, Ängste und Unsicherheiten abzubauen und die Betroffenen dabei unterstützen, aktiv an ihrer eigenen Gesundheit mitzuwirken. Die Diagnose von MS mag herausfordernd sein, aber mit den Fortschritten in der medizinischen Diagnostik kann eine sehr genaue Diagnose gestellt und eine adäquate Behandlung eingeleitet werden.

Zu welcher Ärztin bzw. zu welchem Arzt sollte man bei (Verdacht auf) Multiple Sklerose gehen?

Bei Verdacht auf eine Erkrankung wie Multiple Sklerose (MS) ist es entscheidend, die richtige Ärztin bzw. den richtigen Arzt aufzusuchen. Da MS in erster Linie eine komplexe neurologische Erkrankung ist, ist es ratsam, sich an eine Fachärztin bzw. einem Facharzt für Neurologie zu wenden. In diesem Abschnitt werden wir genauer betrachten, welche Rolle Neurolog:innen bei der Diagnose und Behandlung von MS spielen.

Die Bedeutung der Neurologinnen und Neurologen

Neurolog:innen sind spezialisiert auf die Diagnose, Behandlung und Betreuung von Erkrankungen des Nervensystems, zu dem auch Multiple Sklerose gehört. Sie verfügen über das erforderliche Fachwissen, um MS zu erkennen, den Krankheitsverlauf zu überwachen und eine angemessene Behandlung einzuleiten. Durch ihre Expertise können sie eine genaue Diagnose stellen, andere mögliche Ursachen für die Symptome ausschließen und die bestmögliche Behandlungsstrategie entwickeln.

Neben der medizinischen Versorgung spielen Neurolog:innen auch eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der MS-Patient:innen sowie deren Angehörigen bei der Bewältigung von MS. Sie bieten Informationen über die Erkrankung, klären über verschiedene Therapiemöglichkeiten auf und stehen als Ansprechpartner:innen für Fragen und Sorgen zur Verfügung. Durch ihre Erfahrung und ihr Fachwissen können sie wertvolle Ressourcen und Unterstützung anbieten, um den Umgang mit der Krankheit zu erleichtern und die Lebensqualität der Betroffenen auf einer individuellen Ebene zu verbessern.

Zusammenarbeit mit anderen Fachärztinnen und -ärzten

Die Behandlung von MS erfordert oft auch eine multidisziplinäre Herangehensweise. Neben Neurolog:innen kann es notwendig sein, mit anderen Fachärzt:innen zusammenzuarbeiten, um spezifische Symptome und Komplikationen zu behandeln.

Beispielsweise können Physiotherapeut:innen bei der Verbesserung der Beweglichkeit und der Stärkung der Muskulatur unterstützen, während Ergotherapeut:innen bei der Bewältigung von Alltagsaktivitäten behilflich sein können. Psycholog:innen können wiederum bei der Bewältigung von emotionalen und psychischen Belastungen helfen. Die enge Zusammenarbeit mit einem Team von Fachleuten gewährleistet eine umfassende Versorgung und eine ganzheitliche Behandlungsstrategie.

Welche Risikofaktoren gibt es bei Multipler Sklerose?

Die Ursachen von Multipler Sklerose sind noch nicht vollständig verstanden. Es wird angenommen, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle bei der Entstehung dieser neurologischen Erkrankung spielen. In diesem Abschnitt werden wir die verschiedenen Risikofaktoren und Einflussfaktoren betrachten, die mit der Entwicklung von MS in Verbindung gebracht werden. Das Verständnis dieser Faktoren ist insbesondere für ältere Personen und ihre Angehörigen wichtig, um präventive Maßnahmen zu ergreifen und das Risiko für MS zu minimieren.

Genetische Faktoren

Es gibt Hinweise darauf, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle bei der Entwicklung von MS spielt. Studien haben gezeigt, dass das Risiko für MS bei Menschen mit Verwandten ersten Grades, die an der Erkrankung leiden, erhöht ist. Es wird angenommen, dass mehrere Gene an der Entstehung von MS beteiligt sind, und Forschende arbeiten daran, die genetischen Zusammenhänge besser zu verstehen.

Eine Studie mit dem Titel “Genetic Risk and a Primary Role for Cell-Mediated Immune Mechanisms in Multiple Sclerosis” untersuchte die genetische Veranlagung für Multiple Sklerose und ihre Rolle bei der Krankheitsentwicklung. Die Forscher:innen identifizierten spezifische genetische Varianten, die das Risiko für MS erhöhen, und wiesen auf eine Hauptrolle von zellvermittelten immunologischen Mechanismen bei der Entstehung der Krankheit hin [4].

Umweltfaktoren

Verschiedene Umweltfaktoren wurden mit einem erhöhten Risiko für MS in Verbindung gebracht. Einige dieser Faktoren umfassen:

  • Vitamin-D-Mangel: Studien haben gezeigt, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut mit einem erhöhten MS-Risiko verbunden sein kann. Vitamin D wird hauptsächlich durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Menschen, die in Regionen mit weniger Sonnenlicht leben oder sich wenig im Freien aufhalten, könnten daher ein höheres Risiko tragen. Eine Studie mit dem Titel “Vitamin D and Risk of Multiple Sclerosis: A Mendelian Randomization Study” untersuchte den Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und dem Risiko für Multiple Sklerose. Die Forscher:innen fanden heraus, dass eine Supplementierung mit Vitamin D das Risiko für die Entwicklung von MS verringerte und somit eine schützende Wirkung haben könnte [5].
  • Rauchen: Das Rauchen von Zigaretten ist ein bekannter Risikofaktor für MS. Raucher:innen haben ein erhöhtes Risiko, an MS zu erkranken und einen schwereren Krankheitsverlauf zu haben. Es wird angenommen, dass die Inhaltsstoffe des Tabakrauchs das Immunsystem beeinflussen und zu Entzündungsreaktionen beitragen können. Eine Studie mit dem Titel “Cigarette Smoking and the Progression of Multiple Sclerosis” untersuchte den Zusammenhang zwischen Rauchen und dem Risiko für eine MS-Erkrankung. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Assoziation zwischen Rauchen und einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von MS, wobei langjähriges Rauchen das Risiko weiter erhöhen könnte [6].
  • Infektionen: Bestimmte Infektionen könnten das Risiko für MS erhöhen. Insbesondere das Epstein-Barr-Virus, das Mononukleose (Pfeiffer’sches Drüsenfieber) verursacht, wurde mit einem erhöhten MS-Risiko in Verbindung gebracht. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die genaue Rolle von Infektionen bei der Entstehung von MS zu klären.
  • Geografische Lage: MS tritt weltweit auf, zeigt jedoch geografische Unterschiede in der Prävalenz. Regionen mit höheren Breitengraden, wie Nordeuropa und Kanada, haben eine höhere MS-Häufigkeit. Es wird angenommen, dass dies auf den Einfluss von Umweltfaktoren wie geringerer Sonneneinstrahlung und damit verbundenem und zuvor beschriebenen Vitamin-D-Mangel zurückzuführen ist.
  • Lebensstilfaktoren: Ein gesunder Lebensstil kann dazu beitragen, das Risiko für MS zu verringern. Regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung und Stressmanagement können das allgemeine Wohlbefinden fördern und das Immunsystem stärken. Zwar kann eine gesunde Lebensweise das Risiko für MS nicht vollständig beseitigen, aber sie kann dazu beitragen, die allgemeine Gesundheit zu verbessern und das Risiko für verschiedene andere Krankheiten zu verringern.
  • Weitere Risikofaktoren: Neben den genannten Punkten gibt es auch andere potenzielle Risikofaktoren, die mit MS in Verbindung gebracht wurden, aber noch weiterer Forschung bedürfen. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Ernährungsfaktoren, wie ein hoher Konsum von gesättigten Fettsäuren und ein niedriger Verzehr von Omega-3-Fettsäuren, sowie bestimmte Umweltgifte und Toxine.

Die Entstehung von Multipler Sklerose wird durch eine komplexe Wechselwirkung von genetischen und Umweltfaktoren beeinflusst. Eine genetische Veranlagung allein reicht nicht aus, um die Entwicklung der Krankheit zu erklären. Umweltfaktoren wie Vitamin-D-Mangel, Rauchen und Infektionen spielen laut neuesten Erkenntnissen ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung von MS. Es ist somit entscheidend, sich der potenziellen Risikofaktoren bewusst zu sein und möglichst früh präventive Maßnahmen zu ergreifen, um das individuelle Risiko zu minimieren.

Wie läuft die Behandlung von Multipler Sklerose ab?

Die Behandlung von Multipler Sklerose zielt darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, Symptome zu lindern, das Wohlbefinden zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Krankheitsverlauf und individuellen Bedürfnissen zum Einsatz kommen können. In diesem Abschnitt werden wir einen Einblick in die bekanntesten Behandlungsmöglichkeiten geben.

Krankheitsmodifizierende Therapien

Krankheitsmodifizierende Therapien sind Medikamente, die darauf abzielen, das Fortschreiten der MS zu verlangsamen und die Schübe zu reduzieren. Diese Medikamente wirken auf das Immunsystem und beeinflussen den Verlauf der Erkrankung. Es gibt verschiedene Arten von krankheitsmodifizierenden Therapien, darunter Interferone, Immunsuppressiva und neuere Medikamente wie die sogenannten “Biologicals”. Der Einsatz dieser Medikamente erfolgt in enger Absprache mit Fachärzt:innen, um die individuelle Situation und ebenso mögliche Nebenwirkungen zu berücksichtigen.

Symptomatische Therapien

Symptomatische Therapien zielen darauf ab, die spezifischen Symptome von Multipler Sklerose zu behandeln und das Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern. Je nach den individuellen Bedürfnissen können verschiedene Therapieansätze eingesetzt werden. Einige häufige Symptome und ihre möglichen Behandlungsoptionen sind unten aufgezählt:

  • Fatigue (anhaltende Müdigkeit): Regelmäßige Pausen, körperliche Aktivität, gute Schlafhygiene und Energiemanagementstrategien können helfen, die Müdigkeit zu bewältigen.
  • Muskelspasmen und Spastizität: Physiotherapie, Bewegungsübungen und Muskelrelaxantien können die Muskelsteifheit reduzieren und die Beweglichkeit verbessern.
  • Kognitive Probleme: Kognitive Rehabilitation, Gedächtnistraining und Strategien zur Kompensation von Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen können eingesetzt werden, um die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern.
  • Depression und Angstzustände: Psychotherapie, Unterstützung durch Psycholog:innen sowie in einigen Fällen antidepressive Medikamente können bei der Bewältigung von Stimmungsproblemen herangezogen werden.

Fiktives Beispiel: Eine ältere Frau mit Multipler Sklerose leidet unter Fatigue und Muskelspasmen. Ihr behandelnder Arzt könnte eine Kombination aus körperlicher Therapie, Entspannungstechniken und gezielten Muskelübungen empfehlen, um die Fatigue-Symptome zu lindern und die Muskelsteifheit zu reduzieren. Zusätzlich könnte sie von einer unterstützenden Therapie wie beispielsweise kognitiver Rehabilitation profitieren, um ihre kognitiven Fähigkeiten zu verbessern und geübter mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen.

Rehabilitation und physikalische Therapie

Rehabilitationsmaßnahmen und physikalische Therapie können dabei helfen, die Funktionen des Körpers zu erhalten oder wiederherzustellen, die Mobilität zu verbessern, die Unabhängigkeit im Alltag zu fördern und somit die Lebensqualität zu steigern. Je nach den individuellen Bedürfnissen können verschiedene therapeutische Ansätze wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und neuropsychologische Therapie eingesetzt werden.

Fiktives Beispiel: Ein älterer Mann mit Multipler Sklerose hat Schwierigkeiten beim Gehen und bei der Feinmotorik. Sein Rehabilitationsplan könnte eine Kombination aus Physiotherapie, um seine Gangfähigkeit und Muskelfunktion zu verbessern, und Ergotherapie, um seine feinmotorischen Fähigkeiten zu trainieren und ihm im Alltag zu helfen, umfassen.

Unterstützung und Selbstmanagement

Die Unterstützung von Angehörigen und geübtes Selbstmanagement sind entscheidende Aspekte bei der Behandlung von Multipler Sklerose. Angehörige können eine wichtige Rolle spielen, indem sie emotionale Unterstützung bieten, bei der Organisation des Behandlungsplans helfen und bei Bedarf bei den täglichen Aufgaben unterstützen. Selbstmanagement beinhaltet im Gegensatz dazu das Erlernen von Bewältigungsstrategien, die es den Betroffenen ermöglichen, ihre Erkrankung aktiv zu managen und ein möglichst unabhängiges Leben zu führen. Es umfasst die richtige Medikamenteneinnahme, die Beachtung von Warnsignalen, den Umgang mit Stress und die Einhaltung eines gesunden Lebensstils.

Fiktives Beispiel: Eine ältere Frau mit Multipler Sklerose erhält Unterstützung von ihrer Tochter, die ihr bei der Organisation ihrer Arzttermine und Medikamenteneinnahme hilft. Gemeinsam haben sie auch Bewältigungsstrategien entwickelt, um mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen. Zusätzlich nehmen sie regelmäßig an Selbsthilfegruppen teil, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Insgesamt ist die Behandlung von Multipler Sklerose ein multidisziplinärer Ansatz, der verschiedene therapeutische Maßnahmen und Unterstützung umfasst. Die individuelle Behandlung wird in enger Zusammenarbeit mit einem Team von Fachleuten entwickelt, darunter Neurolog:innen, Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen, Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen, um die bestmögliche Versorgung und Unterstützung für ältere Personen mit Multipler Sklerose und deren Angehörige sicherzustellen. Durch eine umfassende Behandlung und Unterstützung können die Symptome gelindert, das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt und die Lebensqualität verbessert werden.

Welchen Einfluss kann MS auf die Pflegebedürftigkeit älterer Personen haben?

Wenn bei einer älteren Person Multiple Sklerose (MS) diagnostiziert wird, kann sich dies auf ihre Selbstständigkeit und ihre Pflegebedürfnisse auswirken. In diesem Abschnitt werden wir nun einen Blick auf den Einfluss von MS auf die Pflegebedürftigkeit werfen und Möglichkeiten aufzeigen, wie ältere Personen und ihre Angehörigen Unterstützung erhalten können, um mit den Herausforderungen der MS umzugehen.

Symptome und ihre Auswirkungen auf die Selbstständigkeit

MS kann wie bereits beschrieben eine Vielzahl von Symptomen verursachen, darunter motorische Einschränkungen, Fatigue (starke Erschöpfung), Kognitive Beeinträchtigungen und emotionale Veränderungen. Diese Symptome können die Fähigkeit einer Person, alltägliche Aktivitäten selbstständig auszuführen, beeinträchtigen. Es kann schwieriger werden, sich zu bewegen, sich anzuziehen, die persönliche Hygiene aufrechtzuerhalten oder den Haushalt zu führen:

  • Mobilitätseinschränkungen: MS kann die motorische Funktion beeinträchtigen und zu Problemen beim Gehen, Stehen und der Koordination führen. Dadurch kann die betroffene Person auf Unterstützung angewiesen sein, sei es bei der Fortbewegung im Haus oder beim Verlassen des Hauses. Hilfsmittel wie Rollstühle, Gehhilfen oder Treppenlifte können erforderlich sein, um die Mobilität zu verbessern und ein selbstständigeres Leben zu ermöglichen.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: MS kann auch kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration und Informationsverarbeitung beeinflussen. Dies kann sich auf die Fähigkeit auswirken, komplexe Aufgaben zu bewältigen und Entscheidungen zu treffen. In solchen Fällen kann eine gezielte kognitive Rehabilitation oder therapeutische Unterstützung hilfreich sein.
  • Fatigue (starke Erschöpfung): Fatigue ist ein häufiges Symptom bei MS und kann sich auf die körperliche und geistige Energie und Ausdauer auswirken. Die betroffene Person kann schnell müde werden und längere Ruhepausen benötigen. Es ist wichtig, genügend Erholungszeiten einzuplanen und Aktivitäten entsprechend zu planen, um eine Überforderung zu vermeiden.
  • Emotionale Belastung: Die Diagnose und der Verlauf von MS können auch emotional belastend sein. Angst, Depressionen und Stress sind häufige Begleiterscheinungen. Dies kann die Pflegebedürftigkeit verstärken und zusätzliche Unterstützung erfordern, sei es durch psychologische Betreuung oder den Austausch mit anderen Betroffenen im Kreise von Selbsthilfegruppen.

Einige Menschen mit MS können über viele Jahre hinweg eine hohe Selbstständigkeit aufrechterhalten, während andere möglicherweise früher auf umfassende Pflege angewiesen sind.

Unterstützungsmöglichkeiten in der häuslichen Pflege

Die häusliche Pflege kann eine wertvolle Unterstützung für ältere Personen mit MS darstellen. Pflegekräfte oder Angehörige können dabei helfen, den Haushalt zu führen, die persönliche Hygiene zu unterstützen und bei der Medikamenteneinnahme aufzupassen. Hilfsmittel wie Rollstühle, Gehhilfen und andere Mobilitätsgeräte können ebenfalls dazu beitragen, die Selbstständigkeit und Sicherheit zu verbessern.

Unterstützung durch Therapie und Rehabilitation

Therapie und Rehabilitation spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von älteren Menschen mit MS. Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und das Gleichgewicht zu verbessern, um die Mobilität zu fördern. Ergotherapie konzentriert sich auf die Verbesserung der alltäglichen Fähigkeiten und Hilfsmittelberatung, um den Alltag zu erleichtern. Sprechtherapie kann bei kognitiven und sprachlichen Beeinträchtigungen unterstützen.

Beispiel:

Eine ältere Frau namens Maria lebt alleine und hat seit einigen Jahren MS. Aufgrund ihrer motorischen Einschränkungen hat sie Schwierigkeiten, ihre Wohnung zu putzen und einzukaufen. Sie benötigt zunehmend Unterstützung bei diesen Aufgaben. Der Sohn von Maria engagiert eine Pflegekraft, die ihr regelmäßig bei der Hausarbeit und der persönlichen Hygiene hilft. Zudem werden einige Anpassungen in der Wohnung vorgenommen, um ihre Mobilität zu erleichtern. Maria nimmt außerdem regelmäßig an Physiotherapiesitzungen teil, um ihre Muskelkraft und Beweglichkeit zu verbessern. Sie nimmt auch an einer Ergotherapie teil, um ihre alltäglichen Fähigkeiten zu verbessern und den Umgang mit Hilfsmitteln zu erlernen.

Wer übernimmt die Kosten für die Behandlung von Multipler Sklerose?

In Österreich werden die Kosten für die Behandlung von Multipler Sklerose in der Regel von verschiedenen Stellen übernommen. Die medizinische Versorgung bei MS umfasst nämlich eine Vielzahl von Maßnahmen, darunter Medikamente, Therapien, Rehabilitation und unterstützende Maßnahmen:

Medikamente

Die Kosten für MS-Medikamente werden in der Regel von der Krankenversicherung übernommen. In Österreich gibt es verschiedene Krankenversicherungsträger, wie beispielsweise die Gebietskrankenkassen oder die Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen. Diese Versicherungen haben Verträge mit den pharmazeutischen Unternehmen über die Erstattung von MS-Medikamenten. Die genauen Modalitäten können je nach Versicherungsträger und individuellem Versicherungsvertrag variieren.

Therapien und Rehabilitation

Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und andere rehabilitative Maßnahmen sind wichtige Bestandteile der Behandlung von MS. Die Kosten für diese Therapien werden in der Regel ebenfalls von der Krankenversicherung übernommen. Die genaue Anzahl der Therapiesitzungen und die Dauer der Behandlung können von den individuellen Bedürfnissen und der ärztlichen Verordnung abhängen.

Hilfsmittel und technische Unterstützung

Bei Bedarf können Hilfsmittel wie Rollstühle, Gehhilfen oder andere technische Unterstützungsmittel erforderlich sein, um die Mobilität und Selbstständigkeit bei MS zu verbessern. Die Kosten für solche Hilfsmittel werden in der Regel ebenfalls von der Krankenversicherung übernommen. Es ist wichtig, dass ein ärztliches Rezept oder eine ärztliche Verordnung für diese Hilfsmittel vorliegt.

Pflegeleistungen

Bei fortgeschrittener MS kann es erforderlich sein, auf Pflegeleistungen zurückzugreifen. Die Kosten für professionelle Pflege oder die Unterstützung durch einen Pflegedienst werden in der Regel teilweise oder ganz von der Pflegeversicherung übernommen. Die genauen Bedingungen und Leistungen sind im österreichischen Pflegegeldgesetz geregelt.

Kostenbeteiligung

Es ist wichtig zu beachten, dass in Österreich für medizinische Leistungen und Medikamente in der Regel eine Kostenbeteiligung in Form von Selbstbehalten oder Rezeptgebühren vorgesehen ist. Diese Kostenbeteiligung variiert je nach Krankenversicherung und Versicherungsvertrag. Es können jedoch Befreiungen von der Kostenbeteiligung für bestimmte Personengruppen, wie z. B. Menschen mit einer dauerhaften Behinderung, gelten.

Es ist ratsam, sich bei Fragen zur Kostenübernahme und zum Versicherungsschutz an die zuständige Krankenversicherung oder der behandelnden Ärztin bzw. den behandelnden Arzt zu wenden. Diese können detaillierte Informationen zu den individuellen Leistungen und Bedingungen geben. Darüber hinaus können auch Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen eine wertvolle Quelle für Informationen und Unterstützung sein.

In Österreich gibt es verschiedene Gesellschaften, Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen, die sich speziell mit Multipler Sklerose befassen und Unterstützung für Betroffene und deren Angehörige bieten. Hier sind zwei bekannte Organisationen aus Österreich:

Österreichische Multiple Sklerose Gesellschaft
Währinger Gürtel 18-20

1090 Wien

Webseite: Österreichische Multiple Sklerose Gesellschaft (ÖMSG) (oemsg.at)

Telefon: 0800311340

Multiple Sklerose Gesellschaft Wien
Hernalser Hauptstraße 15–17

1170 Wien

Webseite: Leben mit Multipler Sklerose: Multiple Sklerose Gesellschaft Wien (msges.at)

Telefon: 014092669

Diese Organisationen bieten Informationen, Beratung, Unterstützung und Veranstaltungen für Menschen mit Multipler Sklerose und deren Angehörige. Sie setzen sich auch für die Interessen der Betroffenen ein und fördern die Forschung und Aufklärung über die Krankheit.

Hinweis

Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine medizinische Beratung dar. Obwohl wir uns bemühen, genaue und aktuelle Informationen zur Verfügung zu stellen, übernehmen wir keine Haftung für jegliche Fehler oder Auslassungen in diesem Artikel oder für Handlungen, die aufgrund dieser Informationen getroffen werden. Wir empfehlen, sich immer von einem qualifizierten Arzt/ einer qualifizierten Ärztin oder Pflegepersonal beraten zu lassen und jegliche Entscheidungen bezüglich der Gesundheit oder Pflegebedürfnisse einer Person nur auf Grundlage einer individuellen Beratung und Diagnose zu treffen.


FAQ

1. Was ist Multiple Sklerose (MS)?

Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem irrtümlicherweise die schützende Hülle um die Nervenfasern, die sogenannte Myelinscheide, angreift und beschädigt.

2. Welche Symptome sind typisch für MS?

Die Symptome von MS können vielfältig sein und reichen von Fatigue, Sehstörungen, Koordinationsproblemen bis zu motorischen Beeinträchtigungen. Die Krankheit kann unterschiedliche Bereiche des Körpers betreffen.

3. Gibt es eine Heilung für MS?

Derzeit gibt es keine Heilung für MS, aber es gibt verschiedene Therapien, die darauf abzielen, Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

4. Welche Risikofaktoren gibt es für die Entwicklung von MS?

Die genauen Ursachen von MS sind unbekannt, aber es gibt Hinweise darauf, dass genetische, Umwelt- und immunologische Faktoren eine Rolle spielen könnten.

5. Ist MS vererbbar?

Es gibt eine gewisse genetische Prädisposition für MS, aber die Vererbung ist nicht direkt. Das Risiko für MS ist erhöht, wenn Verwandte ersten Grades die Krankheit haben.

6. Wie verläuft der typische Krankheitsverlauf von MS?

Der Verlauf von MS ist bei jedem Patienten und jeder Patientin unterschiedlich. Manche Menschen haben schubförmige Verläufe mit Phasen der Verschlechterung und Remission, während bei anderen die Symptome allmählich fortschreiten.


Quellen

[1] Vgl. Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz,“Multiple Sklerose: Was ist das?”, gesundheit.gv.at, 18.07.2028, https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/gehirn-nerven/multiple-sklerose/was-ist-das.html, 24.01.2024.

[2] Vgl. Initiative Selbsthilfe Multiple Sklerose Kranker e. V. (MSK e. V.), “Unterschiedliche Verlaufsformen”, multiple-sklerose-e-v.de, n.d., https://www.multiple-sklerose-e-v.de/multiple-sklerose/verlaufsformen, 24.01.2024.

[3] Vgl. Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, “Multiple Sklerose: Verlauf”, gesundheit.gv.at,  18.07.2018, https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/gehirn-nerven/multiple-sklerose/verlauf.html, 24.01.2024.

[4] Vgl. International Multiple Sclerosis Genetics Consortium, Wellcome Trust Case Control Consortium 2, “Genetic risk and a primary role for cell-mediated immune mechanisms in multiple sclerosis”, Nature 476, 10.08.2011, https://doi.org/10.1038/nature10251, S. 214–219, 24.01.2024.

[5] Vgl. Mokry, L. E. et al., “Vitamin D and Risk of Multiple Sclerosis: A Mendelian Randomization Study”, PLoS medicine, 12(8), 25.08.2015,  https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1001866, 24.01.2024.

[6] Vgl. Hernán, M. A. et al., “Cigarette smoking and the progression of multiple sclerosis” Brain : a journal of neurology, 128(Pt 6), Juni 2005, https://doi.org/10.1093/brain/awh471, S. 1461–1465, 24.01.2024.

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