Stuhlinkontinenz

Kategorien: Krankheiten, Medizinische Versorgung und Therapien

Einleitung

Unkontrolliert Stuhl abzugeben ist ein Leiden, das in unserer Bevölkerung durchaus häufig vorkommt, jedoch aufgrund von Schamgefühlen verschwiegen und unzureichend besprochen wird. Dabei kann diese Erkrankung eine immense Belastung für Betroffene darstellen und der Weg zu einer passenden Behandlung wird durch das vorherrschende Stigma oft erschwert. Wir wollen in diesem Artikel etwas Aufklärungsarbeit rund um das Thema Stuhlinkontinenz leisten und hoffen, dass die hier gebotenen Informationen möglichen Betroffenen oder deren Angehörigen weiterhelfen können.

Was ist Stuhlinkontinenz?

Unter Stuhlinkontinenz versteht man den unwillkürlichen Verlust von Stuhl, bei dem die betroffene Person den Stuhlgang nicht mehr kontrollieren kann. Dies kann sowohl flüssigen als auch festen Stuhl betreffen und kann in verschiedenen Ausprägungen auftreten. Die Ursachen für Stuhlinkontinenz sind vielfältig und können unter anderem durch körperliche Schädigungen wie z.B. Hämorrhoiden oder einer Schließmuskelschwäche bedingt sein. Allerdings können auch psychologische Faktoren den Verdauungstrakt beeinflussen und somit eine große Rolle in der Entwicklung einer Inkontinenz spielen. [1]

Stuhlinkontinenz betrifft Menschen jeden Alters und Geschlechts, wobei ältere Menschen und Frauen insgesamt häufiger betroffen sind.  Die Dunkelziffer liegt vermutlich höher, da viele Betroffene ihre Beschwerden meist lange nicht mit einem Arzt oder einer Ärztin besprechen.

Stuhlinkontinenz beeinträchtigt den Alltag, die Psyche und die generelle Lebensqualität der betroffenen Personen oft sehr negativ. Doch es gibt verschiedene Möglichkeiten, um die Beschwerden zu lindern und ein höheres Komfortlevel zu erreichen. Im weiteren Verlauf dieses Artikels werden wir uns mit den Ursachen, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten von Stuhlinkontinenz auseinandersetzen. Weiters werden wir verschiedene Inkontinenzhilfsmittel genauer beleuchten und deren Anwendung kompakt und verständlich erklären.

Ursachen

Schwäche des Schließmuskels

Der Schließmuskel ist ein Muskel, der den Enddarm umgibt und für die Kontrolle des Stuhlgangs verantwortlich ist. Eine Schwäche in dieser Muskelpartie führt sehr häufig zu einer Stuhlinkontinenz. Wenn der Schließmuskel nicht stark genug ist, kann es dazu kommen, dass Stuhl unwillkürlich aus dem Darmaustritt. Eine tatsächliche Schädigung des Schließmuskels kann durch eine Verletzung während dem Geburtsprozess, durch eine Operationskomplikation oder durch eine Wunde im Zusammenhang mit einem Trauma entstehen.

Verstopfung oder Verengung des Enddarms

Eine weitere häufige Ursache für Stuhlinkontinenz ist eine Verstopfung oder eine Verengung des Enddarm-Bereichs. Verstopfungen können dazu führen, dass sich der Stuhl im Darm staut und dadurch der Druck auf den Schließmuskel erhöht wird. Wenn dieser Druck zu groß wird, kann es dazu kommen, dass der Muskel überfordert ist und Stuhl unkontrolliert aus dem Darm austreten kann.

Neurologische Erkrankungen

Bei Stuhlinkontinenz in Verbindung mit einer neurologischen Erkrankung sind die Nerven, die für die Kontrolle des Schließmuskels zuständig sind, geschädigt. Dadurch ist es für die betroffene Person schwer, den Stuhlgang zu kontrollieren. Zu den neurologischen Erkrankungen, die Stuhlinkontinenz verursachen können, gehören beispielsweise Parkinson, Multiple Sklerose oder das Erleiden eines Schlaganfalls.

Schwäche der Bauchmuskulatur

Die Bauchmuskulatur spielt eine wichtige Rolle bei der Kontrolle des Stuhlgangs. Wenn die Bauchmuskulatur geschwächt ist, kann es schwieriger sein, Stuhl zurückzuhalten. Eine Schwäche der Bauchmuskulatur kann durch einen Mangel an körperlicher Aktivität oder durch eine Schädigung im Bauchbereich verursacht werden.

Chronische Erkrankungen

Eine weitere mögliche Ursache für Stuhlinkontinenz ist eine Schädigung des Darms durch chronische Erkrankungen wie Morbus Crohn. Diese Erkrankungen können den Darm so stark schädigen, dass es zu einer Fehlfunktion des Schließmuskels kommt.

Alter

Stuhlinkontinenz tritt insgesamt bei älteren Menschen häufiger auf als bei jüngeren Generationen. Dies liegt daran, dass mit zunehmendem Alter die Muskel- und Nervenfunktionen im Körper nachlassen, was auch den Schließmuskel betreffen kann.

Symptome – Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Stuhlinkontinenz äußert sich vorrangig durch unkontrollierten Stuhlabgang, aber auch unfreiwilliges Entweichen von Gasen oder Schleim ist möglich. Schwierigkeiten, rechtzeitig die Toilette zu erreichen, insbesondere bei plötzlichem, starkem Drang, sind typisch. Betroffene können zudem eine verminderte Analempfindlichkeit erleben, was zu einem Gefühl des Toilettenbedarfs führt, auch wenn der Darm nicht voll ist. Verstopfungen und Blähungen können weitere Anzeichen sein, manchmal begleitet von Schmerzen oder Druckgefühl im Analbereich. Bei Verdacht auf Stuhlinkontinenz ist eine ärztliche Untersuchung wichtig, um eine passende Behandlung einzuleiten.

Hier sind einige Anzeichen, die darauf hinweisen, dass man professionelle medizinische Hilfe  in Anspruch nehmen sollte:

  • Stuhlinkontinenz tritt häufiger auf und verschlechtert sich mit der Zeit
  • Schwierigkeiten beim Entleeren des Darms (z.B. Verstopfung)
  • Blut im Stuhl
  • Schmerzen oder Unbehagen im Rektum oder Anus
  • Plötzliche und starke Bauchschmerzen
  • Gewichtsverlust ohne ersichtlichen Grund
  • Veränderungen im Stuhlgang (z.B. Durchfall oder Verstopfung)

Darüber hinaus sollten Menschen, die älter als 50 Jahre sind oder ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs vorweisen, regelmäßige Früherkennungstests für Darmkrebs einplanen. [2]

Sollten Sie eine Stuhlinkontinenz bei sich vermuten, ist das Dokumentieren der auftretenden Symptome in einer Art Symptom-Tagebuch ratsam, da solche Beobachtungen bei der Diagnose hilfreich sein können.

Fachärzte und Fachärztinnen für gastrointestinale Erkrankungen oder Gastroenterolog:innen können die Symptome untersuchen, um die Ursache der Stuhlinkontinenz festzustellen und eine geeignete Behandlung empfehlen zu können.

Was versteht man unter Proktolog:innen?

Fachärzte oder -ärztinnen, die sich auf Erkrankungen des Enddarms, Anus und des Beckenbodens konzentrieren, werden als Proktologen oder Proktologinnen beschrieben. Da Stuhlinkontinenz häufig auf Probleme in diesem Bereich zurückzuführen ist, können Proktolog:innen bei der Diagnose und Behandlung helfen.

Die Fachärzte und Fachärztinnen verfügen über spezielle Kenntnisse in der Anatomie und Funktionsweise des Enddarms und jener des Beckenbodens. Je nach Schweregrad und Ursache der Stuhlinkontinenz können Patient:innen konservative, aber auch operative Behandlungen angeboten werden.

Im Rahmen einer Untersuchung werden Proktolog:innen in der Regel zuerst eine Anamnese durchführen und die betroffenen Personen zu ihren Symptomen und Vorerkrankungen befragen. Anschließend folgen meist eine körperliche Untersuchung und eine Enddarmspiegelung, um mögliche Ursachen der Stuhlinkontinenz zu erkennen. Je nach Befund kann daraufhin eine weiterführende Diagnostik notwendig sein.

Bei der Behandlung von Stuhlinkontinenz können Proktologen und Proktologinnen je nach Ursache verschiedene Therapien einsetzen. Dazu gehören unter anderem konservative Maßnahmen, wie beispielsweise Verhaltens- und Ernährungstherapie und Beckenbodentraining. Elektrostimulation, Biofeedback und medikamentöse Therapie ist ebenfalls möglich. In schweren Fällen kann auch eine operative Therapie erforderlich sein, wie etwa eine Enddamm- oder Analkanalrekonstruktion, eine Schließmuskelplastik oder ein künstlicher Schließmuskel. Genauere Informationen bezüglich der non-invasiven (konservativen) und invasiven (operativen) Behandlungsoptionen bieten wir in einem Folgekapitel.

Diagnose

Wenden wir uns noch einmal genauer dem Prozess der Diagnostik bei Stuhlinkontinenz zu. Eine korrekte Diagnose ist entscheidend für die Bestimmung der entscheidenden Faktoren bei der Krankheitsentwicklung, sowie für die Auswahl der richtigen Behandlungsmöglichkeiten.

Es gibt verschiedene Methoden, mit denen eine Stuhlinkontinenz diagnostiziert werden kann. Die Diagnose hängt oft von der genauen Natur der Stuhlinkontinenz ab, die vorliegt. Hier listen wir einige Methoden auf, die zur Diagnose von Stuhlinkontinenz verwendet werden:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Ärzte und Ärztinnen führen eine detaillierte Anamnese durch, um Symptome, medizinische Geschichte und Medikamenteneinnahme zu erfassen. Es folgt eine körperliche Untersuchung, einschließlich der Überprüfung des analen Schließmuskels und der digitalen rektalen Untersuchung des Enddarms.
  • Stuhlproben: Zur Diagnose werden Stuhlproben analysiert, um Infektionen, Entzündungen und Blut im Stuhl auszuschließen, was auf Erkrankungen wie Darmkrebs hindeuten kann.
  • Anorektale Manometrie: Dieses Verfahren misst Druckverhältnisse im Analkanal und Schließmuskel. Eine Sonde mit Sensoren wird eingeführt, um Muskelreaktionen zu messen, was Aufschluss über die Schließmuskelfunktion und Nervenstörungen gibt.
  • Defäkographie: Dieses radiologische Verfahren analysiert die Bewegungen von Enddarm und Anus während des Stuhlgangs. Ein Kontrastmittel wird eingeführt und mittels Röntgen oder MRT untersucht, um Veränderungen wie Vorwölbungen oder Verengungen zu identifizieren.
  • Analelektromyografie (EMG): EMG misst die elektrische Aktivität im analen Schließmuskel. Eine Nadel mit Sensor misst elektrische Impulse, die auf einem Monitor angezeigt werden, um Nervenschäden und die Schließmuskelfunktion zu bewerten.
  • Proktoskopie und Rektoskopie: Bei diesen Verfahren wird ein Endoskop in den Enddarm eingeführt, um visuelle Untersuchungen durchzuführen. Sie helfen, Veränderungen im Enddarm zu erkennen, die Stuhlinkontinenz verursachen können.

Wie gesagt, hängt die Wahl der Diagnosemethode bei Stuhlinkontinenz von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Schwere der Symptome, der individuellen Krankheitsgeschichte der Patient:innen und der Verfügbarkeit von spezialisierten Diagnose- und Behandlungszentren.

Stethoskop

Non-invasive Behandlungsmöglichkeiten

Ernährungsumstellung

Eine Umstellung der Ernährung kann dazu beitragen, die Symptome der Stuhlinkontinenz zu lindern. Die Einnahme von ballaststoffreicher Nahrung in erhöhtem Maße kann helfen, die Verdauung zu regulieren und die Stuhlkonsistenz zu verbessern. Darüber hinaus kann die Vermeidung von alkoholischen und koffeinhaltigen Getränken sowie von fettigen oder stark gewürzten Lebensmitteln auch hilfreich sein.

Beckenbodenübungen

Beckenbodenübungen, auch Kegel-Übungen genannt, können dazu beitragen, die Muskeln des Beckenbodens zu stärken und die Kontrolle über den Darm zu verbessern. Diese Übungen beinhalten das Anspannen und Entspannen der Muskeln im Bereich des Beckenbodens, um eine verbesserte Kontrolle über den Stuhlgang zu ermöglichen.

 

Medikamente

Es gibt verschiedene Medikamente, die im Zuge der Behandlung von Stuhlinkontinenz verschrieben werden können. Antidiarrhoika können helfen, Durchfall zu vermeiden oder zu verringern, während Abführmittel bei Verstopfung helfen können und somit ein Überlaufen des Darms vermeiden. Darüber hinaus gibt es Medikamente, die speziell zur Behandlung von akuter Stuhlinkontinenz entwickelt wurden, wie zum Beispiel Lubiproston.

Medikamente

Elektrische Stimulation

Diese Methode kann sehr hilfreich bei der Stärkung der Muskeln des Beckenbodens und der Verbesserung der Kontrolle über den Darm sein. Ein kleines Gerät wird hierbei in den Anus eingeführt und elektrische Impulse werden ausgesendet, um die Muskeln des Beckenbodens zu stimulieren.

Biofeedback

Biofeedback-Training beinhaltet die Verwendung von speziellen Sensoren, um die Muskelaktivität im Beckenboden zu messen. Die Ergebnisse werden auf einem Bildschirm angezeigt, sodass die Person lernen kann, die Muskeln des Beckenbodens zu kontrollieren und zu stärken. Dies ist eine sehr interaktive Art der Behandlung und die zeitgleiche visuelle Darstellung der Muskelfunktion kann das Verständnis für diesen Teilaspektes von Inkontinenz bei Patient:innen erleichtern.

Pflegeprodukte

Es gibt eine Vielzahl von Pflegeprodukten wie Einlagen und Windeln, die dazu beitragen können, die Symptome der Stuhlinkontinenz zu lindern. Diese Hilfestellungen bieten Schutz vor den unangenehmen Folgen einer Inkontinenz-Episode und können das Selbstbewusstsein betroffener Personen erhöhen.

Invasive Behandlungsmöglichkeiten

Sakrale Nervenstimulation

Die erste invasive Behandlungsmethode bei Stuhlinkontinenz, die wir besprechen wollen ist die sakrale Nervenstimulation (SNS). Bei dieser Maßnahme wird ein kleines Gerät bei den Patient:innen implantiert, das elektrische Impulse an die sakralen Nerven im Becken sendet. Diese Nerven sind für die Kontrolle des Darmtrakts verantwortlich und eine regelmäßige Stimulation kann helfen, die Muskeln des Beckenbodens und des Schließmuskels zu aktivieren, um die Kontrolle über den Stuhlgang zu verbessern.

Reparatur des Schließmuskels

Eine weitere invasive Behandlungsmethode ist die operative Reparatur des Schließmuskels, die bei Verletzungen oder Schädigungen in diesem Bereich angewandt wird. Hierbei wird der defekte oder geschwächte Schließmuskel operativ repariert oder durch eine Schließmuskeltransplantation ersetzt. So ein Eingriff kann dabei helfen, die Kontrolle über den Stuhlgang wiederherzustellen.

Darm- oder Enddarmresektion

Eine Darm- oder Enddarmresektion ist eine chirurgischer Maßnahme, bei der ein Teil des Darms oder des Enddarms entfernt wird. Die Notwendigkeit für diese Methode besteht meist bei bestimmten Erkrankungen wie Dickdarmkrebs oder Colitis ulcerosa, die unter anderem zu Stuhlinkontinenz führen können. Das Ziel ist hier ebenfalls eine Wiederherstellung der Kontrollfunktion über den Ausscheidungstrakt.

Es gilt zu beachten, dass invasive Behandlungsmethoden für Stuhlinkontinenz stets Risiken haben und möglicherweise unerwünschte Nebenwirkungen auslösen können. Aus diesem Grund ist es ratsam, alle möglichen Optionen sorgfältig mit einem Arzt, einer Ärztin oder Spezialist:innen für Stuhlinkontinenz zu beratschlagen, um die beste Behandlungsmethode für jeden Einzelfall zu finden.

Das Endziel der meisten invasiven Behandlungsmethoden bei Stuhlinkontinenz ist es, die Kontrolle über den Stuhlgang zu verbessern und das Leben der betroffenen Person in Folge zu erleichtern. Allerdings ist es erwähnenswert, dass sie grundsätzlich eher als letztes Mittel in Betracht gezogen werden sollten, nachdem andere konservative Behandlungsmethoden ausgeschöpft wurden.

Hilfsmittel

Es gibt diverse Hilfsmittel für Stuhlinkontinenz, die die Lebensqualität verbessern können:

Einlagen

Saugfähige Produkte für Unterwäsche, in verschiedenen Größen und Saugstärken. Ideal bei leichter bis mittelschwerer Inkontinenz. Einfache Anwendung mit Klebestreifen, regelmäßiges Wechseln notwendig.

Analstöpsel

Weiche Stöpsel aus Silikon oder Gummi, die den Analkanal abdichten. Verschiedene Größen für individuelle Passform, gründliche Reinigung nach Gebrauch erforderlich. Nicht für alle Patient:innen geeignet.

Analtampons

Zylindrische, saugfähige Objekte, die in den Anus eingeführt werden, um Stuhl aufzufangen. Einfache Anwendung und Entfernung, in verschiedenen Größen verfügbar.

Windelhosen

Unterhosen mit integrierter Einlage für mittelschwere bis schwere Inkontinenz. Verschiedene Größen, regelmäßiger Wechsel erforderlich.

Apps

Bieten Funktionen wie Stuhltagebücher, Medikamentenerinnerungen, Toilettensuche und Informationen zu Ernährung und Bewegung. Kein Ersatz für medizinische Beratung, aber nützliche Ergänzung.

Hilfsmittel bieten Unterstützung, können jedoch keine langfristige Lösung bieten. Es empfiehlt sich, auch andere Behandlungsmethoden zu erörtern und ärztliche Beratung einzuholen.

Ein Handy mit verschiedenen Apps.

Stuhlinkontinenz bei Kindern

Obwohl Stuhlinkontinenz am häufigsten bei Menschen höheren Alters auftritt und der Fokus dieses Artikels somit auf dem Inkontinenzleiden von Senior:innen liegt, wollen wir kurz auch über die Erkrankung bei Kindern sprechen.

Es gibt diverse Ursachen für Stuhlinkontinenz bei Kindern, darunter anatomische Abnormalitäten, neurologische Störungen, Störungen im Verdauungssystem und psychologische Faktoren wie Stress und Angstzustände.

Der Diagnose- und Behandlungsprozess ähnelt hier in vielerlei Hinsicht den Methoden, die bei Erwachsenen mit Stuhlinkontinenz angewandt werden – nur Probleme, die durch Alterungserscheinungen entstehen, müssen bei Kindern logischerweise meist nicht adressiert werden. Es ist von großer Wichtigkeit, dass Kinder und ihre Familien Unterstützung und Anleitung erhalten, um mit den psychologischen Auswirkungen von Stuhlinkontinenz umzugehen.

Eltern können helfen, indem sie ein offenes Gespräch mit ihrem Kind führen und ihm versichern, dass es nicht allein ist. Sie können auch die Ernährung ihres Kindes anpassen, um die Verdauung zu regulieren, und ihm bei der Durchführung eines Toilettentrainings behilflich sein. Das Kind zu kritisieren oder gar für Inkontinenz-Episoden zu bestrafen, ist keineswegs ratsam und kann stark negative Einflüsse auf den Gefühlshaushalt des Nachwuchses haben. Ermutigungen und Belohnungen beim Erreichen von Fortschritten sind die effektivste Umgangsform in Verbindung mit Stuhlinkontinenz bei Kindern.

Es ist essenziell, dass Eltern und Kinder mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin vertrauensvoll zusammenarbeiten können, um die bestmögliche Behandlung zu finden und eine positive Einstellung zu entwickeln, die das Selbstvertrauen des Kindes stärkt und ihm dabei hilft, ein normales Leben zu führen.

Physiotherapie

Physiotherapie ist eine nicht-invasive Behandlungsoption, die bei Stuhlinkontinenz gezielt helfen kann. Die Therapie konzentriert sich darauf, den Beckenboden und die umgebenden Muskeln zu trainieren und zu stärken, um die Kontrolle über die Stuhlausscheidung zu verbessern.

In der Regel wird die Therapie von spezialisierten und diplomierten Physiotherapeut:innen durchgeführt, die eine ausführliche Untersuchung durchführen, um den Zustand des Beckenbodens und der umliegenden Muskelgruppen beurteilen zu können. Anschließend wird ein individueller Trainingsplan erstellt, der auf die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Patient:innen zugeschnitten ist.

Zu den Übungen, die in der Physiotherapie häufig zur Stärkung des Beckenbodens verwendet werden, gehören beispielsweise Kegel-Übungen, bei denen die Patient:innen die Muskeln des Beckenbodens abwechselnd zusammenziehen und entspannen. Der Beckenbodenlift ist ebenfalls eine beliebte Übung, bei dem der Patient oder die Patientin versucht, den Beckenboden nach oben zu ziehen, als ob das Urinieren oder der Stuhlgang zurückgehalten werden sollte. Durch die konstante Wiederholung dieser Prozesse können die betroffenen Muskelgruppen stetig gestärkt und bei Bedarf schneller kontrolliert werden.

Neben diesen Übungen können auch biofeedbackgestützte Therapien eingesetzt werden. Wie bereits erwähnt, werden im Zuge von Biofeedback Sensoren am Körper der betroffenen Person angebracht, um ihr ein visuelles oder akustisches Feedback über die Muskulatur zu geben und somit die Behandlungsfortschritte zu beschleunigen.

Physiotherapie kann auch in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden wie Medikamenten oder Operationen eingesetzt werden, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Regelmäßigkeit, die bei der Arbeit mit den Physiotherapeut:innen an den Tag gelegt wird. Ebenso ist das disziplinierte Fortsetzen des Übungsprogramms zu Hause essenziell, um langfristige Verbesserungen erzielen zu können.

Physiotherapie kann ein sehr wichtiger Bestandteil der Behandlung von Stuhlinkontinenz sein, insbesondere bei Patient:innen, bei denen andere Behandlungsoptionen nicht geeignet sind oder aus anderen Gründen abgelehnt werden.

Physiotherapie

FAQ

1. Was ist Stuhlinkontinenz?

Stuhlinkontinenz bezeichnet den unkontrollierten Verlust von Stuhl, wobei die betroffene Person den Stuhlgang nicht mehr kontrollieren kann. Dies betrifft sowohl flüssigen als auch festen Stuhl und kann verschiedene Ursachen haben, darunter körperliche Schädigungen und psychologische Faktoren.

2. Wer ist von Stuhlinkontinenz betroffen und wie häufig ist sie?

Stuhlinkontinenz kann Menschen jeden Alters und Geschlechts betreffen, tritt jedoch häufiger bei älteren Menschen und Frauen auf. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch, da viele Betroffene zögern, ihre Beschwerden zu besprechen.

3. Welche sind die häufigsten Ursachen von Stuhlinkontinenz?

Zu den häufigsten Ursachen gehören Schwäche des Schließmuskels, Verstopfung oder Verengung des Enddarms, neurologische Erkrankungen, Schwäche der Bauchmuskulatur, chronische Erkrankungen und altersbedingte Faktoren.

4. Welche Symptome deuten auf Stuhlinkontinenz hin?

Typische Symptome sind unkontrollierter Stuhlabgang, unfreiwilliges Entweichen von Gasen oder Schleim, Schwierigkeiten, rechtzeitig die Toilette zu erreichen, verminderte Analempfindlichkeit, Verstopfungen, Blähungen, Schmerzen oder Druckgefühl im Analbereich.

5. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Stuhlinkontinenz?

Behandlungsmöglichkeiten umfassen Ernährungsumstellungen, Beckenbodenübungen, Medikamente, elektrische Stimulation, Biofeedback und Pflegeprodukte. Bei schweren Fällen können invasive Methoden wie sakrale Nervenstimulation, Reparatur des Schließmuskels und Darm- oder Enddarmresektion erforderlich sein. In der Regel ist eine Kombination von Behandlungen für beste Ergebnisse empfohlen.

Zusammenfassung

Stuhlinkontinenz ist ein weit verbreitetes Problem, das das Leben von Betroffenen stark und zutiefst negativ beeinträchtigen kann. Die Erkrankung an sich kann unterschiedliche Ursachen vorweisen. Neurologische Erkrankungen, muskuläre Schwächen, hormonelle Veränderungen, psychische Faktoren und Medikamente wie Antidepressiva können alle zu der Entwicklung einer Stuhlinkontinenz beitragen. Eine genaue Diagnose und Behandlung ist wichtig, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patient:innen so schnell wie möglich verbessern zu können.

Bei den Behandlungsmöglichkeiten für Stuhlinkontinenz wird zwischen nicht-invasiven und invasiven Maßnahmen unterschieden. Nicht-invasive Methoden, wie Ernährungsumstellungen, Veränderungen im Lebensstil, Beckenbodenübungen, Biofeedback und Elektrostimulationen stellen gute konservative Optionen dar.

Invasive Behandlungsmethoden wie Sakralnervenstimulation, Schließmuskel- und Darmoperationen können auch eine Alternative sein, wenn die nicht-invasiven Methoden nicht wirksam sind.

Betroffene sollten versuchen, offen und ehrlich mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin über ihre Symptome sprechen, um eine genaue Diagnose und eine geeignete Behandlung zu ermöglichen. Es kann auch hilfreich sein, sich von einem Proktologen, einer Proktologin oder Physiotherapeut:innen beraten zu lassen und die Unterstützung von Familienmitgliedern und Freunden in Anspruch zu nehmen.

Es gibt auch viele Unterstützungsgruppen, Online-Foren und Ressourcen, die Betroffenen helfen können, mit der Erkrankung umzugehen und das Stigma und die Schamgefühle zu reduzieren.

Obwohl es schwer sein kann, sich Anderen gegenüber zu öffnen, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass Stuhlinkontinenz eine medizinische Erkrankung ist, die keineswegs vereinzelt auftritt. Die Tatsache, dass es heutzutage viele verschiedene Behandlungsmöglichkeiten gibt, kann es bestimmt erleichtern, im Angesicht dieses unangenehmen Leidens eine positive Einstellung zu bewahren und Mut zu schöpfen.

Quellen:

[1] Helms, F. (2022). Stuhlinkontinenz. https://www.pflege.de/krankheiten/inkontinenz/stuhlinkontinenz/ (Abgerufen 10.01.2024)

[2] Sozialversicherung. (o. D.). Informationen zur Darmkrebs-Früherkennung. https://www.sozialversicherung.at/cdscontent/load?contentid=10008.742315&version=1611744229 (Abgerufen 10.01.2024)

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