Pflegeüberwachungssysteme: Verbesserung der Pflegequalität und Unterstützung von Pflegekräften

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In der modernen Gesellschaft spielt die Pflege von älteren und pflegebedürftigen Menschen eine immer wichtigere Rolle. Mit dem demografischen Wandel und der steigenden Zahl älterer Menschen innerhalb unserer Bevölkerung wächst auch der Bedarf an qualitativ hochwertiger Pflege. In diesem Zusammenhang gewinnen Pflegeüberwachungssysteme zunehmend an Bedeutung. Diese technologischen Lösungen bieten nicht nur die Möglichkeit, die Pflegequalität zu verbessern, sondern auch das Leben der Pflegebedürftigen sicherer und komfortabler zu gestalten. In diesem Artikel werden wir einen genaueren Blick auf Pflegeüberwachungssysteme werfen und ihre Funktionen und Vorteile diskutieren, um ein umfassendes Verständnis des Themas zu vermitteln. 

Definition und Funktionen von Pflegeüberwachungssystemen

Bei Pflegeüberwachungssysteme handelt es sich um technologische Lösungen, die entwickelt wurden, um verschiedene Pflegebedingungen zu überwachen, die Sicherheit der Pflegebedürftigen zu gewährleisten und Pflegekräfte bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Diese Systeme umfassen verschiedene Komponenten wie etwa Sensoren, Alarmsysteme, Kommunikationseinrichtungen und Datenanalysewerkzeuge. 

Arten von Pflegeüberwachungssystemen

Es gibt verschiedene Arten von Pflegeüberwachungssystemen, die je nach den individuellen Bedürfnissen der Pflegebedürftigen und den Anforderungen der Pflegeeinrichtungen eingesetzt werden können. Einige der gängigsten Arten sind: 

  • Sturzerkennungssysteme: Diese Systeme erfassen Stürze und senden sofortige Benachrichtigungen an das Pflegepersonal, um eine schnelle Reaktion zu ermöglichen. 
  • Vitalparameterüberwachungssysteme: Vorrichtungen wie diese messen und überwachen kontinuierlich Vitalparameter wie Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung, um potenzielle gesundheitliche Probleme frühzeitig erkennen zu können. 
  • Internet Protocol Kameras (IP-Kameras): IP-Kameras haben sich im Bereich der Pflegeüberwachung als äußerst nützlich erwiesen. Sie ermöglichen eine Fernüberwachung von Patient:innen oder älteren Menschen in Echtzeit, sodass Pflegepersonal oder Angehörige ihre Sicherheit und ihr Wohlbefinden gewährleisten können.

Sturzerkennungssysteme: Funktion, Vor- und Nachteile

Im Alter ist die Gefahr eines Sturzes bei Senior:innen weitaus höher als bei jüngeren Menschen, da Muskelkraft und Koordinationsfähigkeit im Laufe der Zeit abnehmen. Stürze können insbesondere im höheren Alter verheerende Auswirkungen und dauerhafte Einschränkungen der Mobilität zur Folge haben. Die Knochenstruktur älterer Menschen ist poröser, insbesondere wenn sie an Osteoporose leiden. Dies macht sie anfälliger für komplizierte Brüche wie einen Oberschenkelhalsbruch, wenn sie stürzen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit von offenen bzw. chronischen Wunden, die eine langfristige medizinische Versorgung erfordern können. Darüber hinaus regeneriert sich der Körper älterer Menschen langsamer und ist weniger widerstandsfähig. Der Heilungsprozess bei Verletzungen gestaltet sich aufgrund der körperlichen Verfassung von Senior:innen meist schwierig und langsam.

Eine weitere Herausforderung liegt in der Lebenssituation vieler älterer Menschen, da sie häufig alleine leben. Wenn sie zu Hause stürzen, sind sie nicht in der Lage, alleine wieder aufzustehen, und dies kann zu einer erheblichen Gefahr werden. Aufgrund der schwerwiegenden Folgen ist es daher äußerst wichtig, Stürze bestmöglich zu verhindern (Hinweis: In unserem Artikel können Sie sich bei Interesse noch weiterführend zum Thema “Einsamkeit im Seniorenalter” informieren).

Schätzungen zufolge stürzen etwa 30 Prozent der Menschen über 65 Jahre mindestens einmal im Jahr. Bei Senior:innen über 80 Jahren beträgt dieser Anteil sogar mehr als 40 Prozent. Bewohner:innen von Pflegeheimen sind besonders gefährdet, da mehr als die Hälfte von ihnen mindestens einmal im Jahr stürzt [1,2].

Oft verschweigen Senior:innen kleinere Stürze, die bereits Vorboten schwerwiegenderer Unfälle sein können. Um frühzeitig präventive Maßnahmen ergreifen zu können, sind zuverlässige Sturzerkennungssysteme von großer Bedeutung.  

Risikofaktoren für Stürze 

Ein Sturz ist das Ergebnis einer Vielzahl unglücklicher Einzelfaktoren. Im Allgemeinen lassen sich jedoch zwei Arten von Sturzursachen unterscheiden. Intrinsische oder innere Faktoren sind solche, die in der Person selbst begründet sind. Extrinsische oder äußere Faktoren hingegen bezeichnen solche, die durch die Umgebung bedingt sind. 

Intrinsische (innere) Faktoren: 

  • Muskelschwäche oder Gangstörung 
  • Sehbehinderung, zum Beispiel durch Seherkrankungen
  • Arthritis 
  • Dranginkontinenz
  • Schwindel
  • Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten, zum Beispiel Demenz  
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel  
  • Medikamente wie Diuretika, Antidepressiva oder Psychopharmaka

Extrinsische (äußere) Faktoren:  

  • Stolperfallen wie Stufen oder nasse Fußböden 
  • Schlechte Lichtverhältnisse 
  • Zu große oder zu lange Kleidung 
  • Schlechtsitzende Schuhe

Auf dem Markt sind bekannte Lösungen wie Sensormatten vor den Betten oder Notrufknöpfe bereits verbreitet, die eine Sturzprophylaxe (i.e. Verminderung oder Verhinderung des Sturzrisikos) als Ziel haben. Allerdings haben diese Lösungen ihre Nachteile. Sensormatten erkennen lediglich das Verlassen des Bettes und keine Stürze, während Notrufknöpfe nur dann effektiv sind, wenn sie von den Nutzer:innen aktiv betätigt werden können.

Im Folgenden finden Sie eine detaillierte Übersicht über die Funktionen sowie Vor- und Nachteile einiger technischer Systeme mit dem Ziel der Sturzvermeidung: 

Beschleunigungssensoren:

Diese Sensoren erfassen Bewegungen und Beschleunigungen und können erkennen, wenn eine abrupte Veränderung oder ein Sturz auftritt. Sie werden oft in tragbaren Geräten wie Armbändern oder Anhängern eingesetzt, die von der sturzgefährdeten Person getragen werden. Wenn ein Sturz erkannt wird, sendet das Gerät ein Signal oder einen Alarm an eine Basisstation oder ein Mobiltelefon.

Vorteile: 

  • Tragbare Geräte ermöglichen eine flexible Nutzung. 
  • Schnelle Bewegungen können erfasst werden und auch andere Aktivitäten werden überwacht.
  • Die Gadgets können in verschiedenen Formen mithilfe von Armbändern oder Anhängern integriert werden.

Nachteile: 

  • Kann Fehlalarme auslösen, wenn schnelle Bewegungen ohne Sturz auftreten. 
  • Abhängig von der Platzierung des Sensors kann es zu Fehlfunktionen kommen, wenn er nicht richtig positioniert ist. 
  • Die sturzgefährdete Person muss in der Lage sein, das Gerät zu tragen und möglicherweise den Alarmknopf zu betätigen.

Drucksensoren:

Drucksensoren werden häufig in Sensormatten oder Sensorböden eingesetzt. Sie erkennen Veränderungen im Druckmuster und können somit feststellen, wenn eine Person auf den Boden fällt oder gestürzt ist. Bei einer erkannten Veränderung löst das System einen Alarm aus, der an das Pflegepersonal oder einen Notrufdienst weitergeleitet wird [3]. 

 Vorteile: 

  • Erkennt Stürze durch den Kontakt mit dem Boden zuverlässig. 
  • Kann in Matratzen, Kissen oder speziellen Sensorböden eingebettet werden. 
  • Geeignet für den Einsatz im Bett, auf dem Boden oder in anderen bestimmten Bereichen. 

Nachteile: 

  • Kann falsche Alarmsignale auslösen, wenn die Person sich auf den Sensor setzt oder legt, ohne zu stürzen. 
  • Benötigt eine sorgfältige Kalibrierung und Anpassung an das individuelle Gewicht und die Bewegungsmuster der Person. 
  • Begrenzte Erfassungsfähigkeit außerhalb des Bereichs des Sensors. 

Infrarot-Sensoren:

Diese Sensoren arbeiten mit Infrarotstrahlen, die ein unsichtbares Netz über den Raum bilden. Wenn eine Person stürzt oder das Strahlenmuster unterbricht, erkennt der Sensor den Vorfall und löst einen Alarm aus. Solche Sensoren können in Fußleisten oder an anderen strategischen Stellen im Raum installiert werden. 

 Vorteile: 

  • Erfasst Stürze durch die Unterbrechung des Infrarotstrahlenmusters im Raum. 
  • Kann diskret in die Umgebung integriert werden, z. B. in Fußleisten oder an strategischen Stellen. 
  • Einfache Installation und Wartung. 

Nachteile: 

  • Erfasst möglicherweise nicht alle Stürze, insbesondere wenn sie außerhalb des Bereichs des Sensors auftreten. 
  • Kann durch andere Objekte oder Personen im Raum gestört werden. 
  • Die Positionierung der Sensoren erfordert sorgfältige Planung, um eine zuverlässige Sturzerkennung sicherzustellen. 

Kombinierte Sensoren:

Manche Sturzmeldungssysteme nutzen eine Kombination mehrerer Sensoren, um eine zuverlässigere Sturzerkennung zu gewährleisten. Zum Beispiel können Beschleunigungs- und Drucksensoren gemeinsam eingesetzt werden, um sowohl schnelle Bewegungen als auch den Kontakt mit dem Boden zu erfassen. 

 Vorteile: 

  • Verbesserte Genauigkeit: Mithilfe der Kombination mehrerer Sensoren können Stürze präziser erkannt und Fehlalarme reduziert werden. 
  • Vielseitigkeit: Durch den Einsatz verschiedener Sensoren kann das System eine breite Palette von Sturzarten und -situationen abdecken, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich. 
  • Redundanz: Falls ein Sensor fehlerhaft ist oder ausfällt, können die anderen Sensoren die Sturzerkennung weiterhin gewährleisten, was die Zuverlässigkeit erhöht. 
  • Anpassungsfähigkeit: Kombinierte Sensoren können an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Nutzer:innen angepasst werden, um eine optimale Sturzerkennung zu gewährleisten. 

Nachteile: 

  • Komplexität: Die Integration mehrerer Sensoren erfordert eine sorgfältige Planung und Konfiguration, was zu einer erhöhten Komplexität des Systems führen kann. 
  • Kosten: Der Einsatz mehrerer Sensoren und die Integrationstechnik können zu höheren Anschaffungs- und Installationskosten führen. 
  • Wartungsaufwand: Da kombinierte Sensoren aus mehreren Komponenten bestehen, erfordern sie möglicherweise eine regelmäßige Überprüfung und Wartung, um eine korrekte Funktionsweise sicherzustellen. 
  • Integration: Die Integration verschiedener Sensoren in ein System erfordert möglicherweise die Zusammenarbeit mehrerer Hersteller oder Anbieter, um eine nahtlose Funktionalität zu gewährleisten.

Können diese Sturzerkennungssysteme auch der Prävention von Stürzen dienen?

In vielen Fällen treten vor einem schwerwiegenden Sturz mit gesundheitlichen Folgen bereits einzelne kleinere Stürze auf. Leider werden diese oft von den Senior:innen selbst nicht erkannt oder sogar verschwiegen. Sensorbasierte Lösungen bieten jedoch eine zuverlässige Erkennung selbst solcher kleinerer Stürze. Dadurch können frühzeitig individuelle Maßnahmen zur Prävention eingeleitet werden. Eine mögliche Maßnahme besteht beispielsweise darin, ein Nachtlicht zu installieren, welches sich bei Bewegung automatisch einschaltet und den Senior:innen bei Dunkelheit Orientierung bietet. Ein Alarm für das Verlassen des Bettes kann ebenfalls helfen, Stürze zu vermeiden. Dadurch kann das Pflegepersonal diskret und sofort alarmiert werden, wenn ein:e Bewohner:in das Bett verlässt. Auf diese Weise können Pflegekräfte schnell eingreifen, falls dies erforderlich ist. 

Diese Lösung beinhaltet zudem eine Software, in die statistische Daten integriert werden können. Diese Daten können beispielsweise die nächtlichen Laufwege oder Aktivitäten der sturzgefährdeten Person erfassen. Anhand dieser Daten können gezielte Maßnahmen zur Sturzprävention ergriffen werden.

Vitalparameterüberwachungssysteme: Funktion, Vor- und Nachteile

In der medizinischen Versorgung spielen Vitalparameter eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands von Patient:innen. Traditionell wurden diese Parameter manuell von medizinischem Fachpersonal erfasst. Mit dem Fortschritt der Technologie wurden jedoch immer effizientere und präzisere Methoden zur Überwachung der Vitalparameter entwickelt. Vitalparameterüberwachungssysteme ermöglichen eine kontinuierliche und genaue Erfassung von wichtigen physiologischen Parametern, um den Patientenstatus zu überwachen und medizinisches Personal frühzeitig auf mögliche Veränderungen oder Probleme hinzuweisen. 

Wie funktionieren Vitalparameterüberwachungssysteme?

Vitalparameterüberwachungssysteme basieren in der Regel auf nicht-invasiven oder minimal-invasiven Sensoren, die an den Körper der Patient:innen angebracht werden. Diese Sensoren erfassen kontinuierlich bestimmte Vitalparameter und übertragen die Daten drahtlos an ein zentrales Überwachungsgerät oder eine Plattform. Die häufigsten Vitalparameter, die überwacht werden, umfassen: 

  1. Herzfrequenz: Die Herzfrequenz gibt Auskunft über die Anzahl der Herzschläge pro Minute und ermöglicht eine Überwachung des Herzrhythmus. 
  2. Blutdruck: Die Überwachung des Blutdrucks hilft, potenzielle Hypertonie oder Hypotonie zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren. 
  3. Sauerstoffsättigung: Dieser Parameter gibt Aufschluss über den Grad der Sauerstoffversorgung im Blut und wird häufig über eine Pulsoximetrie gemessen. 
  4. Atmungsfrequenz: Die Überwachung der Atemfrequenz hilft, Veränderungen in der Atmung zu erkennen und eventuelle Atemprobleme frühzeitig zu identifizieren. 
  5. Körpertemperatur: Die kontinuierliche Messung der Körpertemperatur kann auf Fieber oder andere mögliche Abweichungen hinweisen.

Nutzen der Vitalparameterüberwachungssysteme:

  1. Früherkennung von gesundheitlichen Problemen: Durch die kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter können Abweichungen vom Normalzustand frühzeitig erkannt werden, was eine frühere Intervention ermöglicht. 
  2. Verbesserte Patientensicherheit: Vitalparameterüberwachungssysteme helfen, das Risiko von Komplikationen zu verringern, indem sie kritische Veränderungen im Gesundheitszustand der Patient:innen sofort erfassen und medizinisches Personal alarmieren. 
  3. Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen: Durch die Automatisierung der Vitalparameterüberwachung können medizinische Fachkräfte entlastet und Ressourcen effizienter eingesetzt werden. 
  4. Kontinuierliches Monitoring: Anstatt einzelne Messungen in Intervallen durchzuführen, ermöglichen Vitalparameterüberwachungssysteme eine kontinuierliche Überwachung rund um die Uhr, was ein genaueres Bild des Patientenzustands liefert.

Vorteile: 

  • Frühzeitige Erkennung von kritischen Zuständen und rechtzeitige Intervention. 
  • Kontinuierliche Überwachung ermöglicht eine individuellere Behandlung und Anpassung der Therapie. 
  • Effizientere Nutzung von medizinischem Personal und Ressourcen. 
  • Reduzierung von Komplikationen und Verbesserung der Patientensicherheit. 

Nachteile: 

  • Hohe Anschaffungskosten für die Überwachungsgeräte und Sensoren. 
  • Einige Patient:innen können sich durch die kontinuierliche Überwachung in ihrer Privatsphäre beeinträchtigt fühlen. 
  • Datenmanagement und Interpretation der gesammelten Daten erfordern spezialisiertes Fachwissen. 
  • Potenzielle Fehlerquellen und Fehlalarme können auftreten, die ärztliche Überprüfung erfordern.

Insgesamt bieten Vitalparameterüberwachungssysteme eine Vielzahl von Vorteilen für die medizinische Versorgung. Durch die kontinuierliche Überwachung wichtiger physiologischer Parameter können potenzielle gesundheitliche Probleme frühzeitig erkannt und behandelt werden. Dennoch sollten die Vor- und Nachteile dieser Systeme sorgfältig abgewogen werden, um eine angemessene Anwendung und Nutzung sicherzustellen. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Technologie wird voraussichtlich zu verbesserten Lösungen und einer breiteren Verfügbarkeit von Vitalparameterüberwachungssystemen führen, die eine optimale medizinische Betreuung gewährleisten. 

Internet-Protocol-Kameras: Funktion, Vor- und Nachteile

Möglichst lange selbstbestimmt zu Hause wohnen zu können ist der Wunsch vieler pflegebedürftiger und älterer Menschen. In diesem Kontext sind vor allem Lösungen gefragt, die einfach zu bedienen sind. Aus diesem Grund haben Unternehmen wie Smartfrog eine Lösung für die Überwachung zu Hause entwickelt. Im Pflegebereich steht nicht die Überwachung im Vordergrund, sondern vielmehr die Beobachtung, erklären offizielle Quellen des Überwachungskameraanbieters Smartfrog. Der Einsatz von Überwachungskameras sei daher insbesondere nachts empfehlenswert, beispielsweise bei Menschen, die dazu neigen wegzulaufen oder sturzgefährdet sind [4].

Eine IP-Kamera (“Internet Protocol” Kamera) kann das Pflegepersonal unterstützen und besorgten Angehörigen beruhigende Informationen liefern. Neben einem Nachtsichtmodus mittels Infrarot können Internetkameras über Bewegungsmelder sowie ein Mikrofon und einen Lautsprecher verfügen.  

Die Kameralinse kann zum Beispiel auf eine Pillendose gerichtet werden, um zu überprüfen, ob die Einnahme von Medikamenten vergessen wurde, und gegebenenfalls daran erinnern. Die Komplettlösung von IP-Kameras ermöglicht es zudem, dass Nutzer:innen einen Alarm erhalten, sobald die Kamera eine Bewegung registriert. Dies kann bei Alzheimer-Patient:innen sinnvoll sein, die ihre gewohnten Räume verlassen und sich außerhalb dieser Schutzbereiche orientierungslos wären, erklärt Wild, Mitglied der Geschäftsführung bei Smartfrog [5].

Vorteile:

  • Hohe Bildqualität: IP-Kameras bieten in der Regel eine hohe Auflösung und Bildqualität. Dadurch können detaillierte Bilder erfasst werden, die es dem Pflegepersonal ermöglichen, genaue Beobachtungen durchzuführen und potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen. 
  • Flexibilität und Skalierbarkeit: IP-Kameras können einfach installiert und in vorhandene Netzwerke integriert werden. Sie bieten Flexibilität bei der Platzierung und können je nach den Bedürfnissen der Einrichtung erweitert oder angepasst werden. 
  • Fernzugriff und Echtzeitüberwachung: Mit IP-Kameras können Pflegekräfte die Überwachungsbilder in Echtzeit über das Internet oder mobile Anwendungen anzeigen. Dadurch können sie die Sicherheit der Bewohner:innen auch aus der Ferne überwachen und bei Bedarf schnell reagieren. 
  • Aufzeichnung und Wiedergabe: IP-Kameras ermöglichen die Aufzeichnung von Videomaterial, das später zur Überprüfung von Ereignissen oder zur Analyse verwendet werden kann. Dies kann bei der Untersuchung von Vorfällen oder bei der Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen hilfreich sein. 

Nachteile: 

  • Datenschutzbedenken: Der Einsatz von IP-Kameras in Pflegeeinrichtungen kann Datenschutzbedenken aufwerfen. Es ist wichtig sicherzustellen, dass die Aufnahmen und Überwachungsdaten gemäß den geltenden Datenschutzbestimmungen geschützt und verwendet werden. Wenn die Sicherheit einer pflegebedürftigen oder älteren Person zu Hause gewährleistet werden soll, ist eine klare Kommunikation über die installierten Systeme essenziell, um Verletzungen der Privatsphäre vermeiden zu können. 
  • Kosten: IP-Kameras und die damit verbundene Infrastruktur können mit Kosten verbunden sein, insbesondere wenn eine größere Anzahl von Kameras benötigt wird. Die Installation, Wartung und der Betrieb der Kameras erfordern möglicherweise zusätzliche Ressourcen und Investitionen. 
  • Technische Anforderungen: Der Einsatz von IP-Kameras erfordert ein geeignetes Netzwerk und eine entsprechende Infrastruktur. Die Einrichtung und Konfiguration der Kameras erfordern möglicherweise technisches Know-how oder die Unterstützung von Fachleuten. 
  • Potenzielle Störungen: IP-Kameras sind abhängig von der Netzwerkverbindung und können durch Netzwerkstörungen oder Ausfälle beeinträchtigt werden. Eine zuverlässige Netzwerkverbindung ist daher wichtig, um eine kontinuierliche Überwachung sichern zu können.  

Zukünftige Entwicklungen und Trends in der Pflegeüberwachung 

Die Entwicklung von Pflegeüberwachungssystemen steht nicht still. Es gibt verschiedene Trends und Aussichten auf zukünftige Entwicklungen, die das Potenzial haben, die Pflegequalität weiter zu verbessern. Einige dieser Trends sind: 

  • Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen: Die Integration von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen ermöglicht fortschrittliche Analysen von Daten und eine genauere Vorhersage von Gesundheitszuständen. Dies kann zu einer verbesserten Früherkennung von gesundheitlichen Problemen und einer personalisierteren Pflege verhelfen. 
  • Wearables und mobile Lösungen: Die Verwendung von Wearables, wie zum Beispiel intelligenten Armbändern oder Smartwatches, ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter und Aktivitäten der Pflegebedürftigen. Mobile Lösungen bieten die Möglichkeit, Daten in Echtzeit zu übertragen und eine direkte Kommunikation zwischen Pflegebedürftigen und Pflegekräften zu ermöglichen. 
  • Kombination mit anderen Gesundheits- und Pflegesystemen: Die reibungslose Integration von Pflegeüberwachungssystemen mit anderen Gesundheits- und Pflegesystemen, wie elektronischen Patientenakten oder Telemedizinplattformen, kann eine ganzheitliche und koordinierte Pflege ermöglichen.

Fazit 

Pflegeüberwachungssysteme bieten eine Vielzahl an Vorteilen für die Pflegebedürftigen, das Pflegepersonal und die Pflegeeinrichtungen. Durch die Verbesserung der Pflegequalität, die Früherkennung von gesundheitlichen Problemen und die Unterstützung der Pflegekräfte tragen diese Systeme dazu bei, die Pflege effektiver und sicherer zu gestalten. Ersetzen können Pflegeüberwachungssysteme die wertvolle Arbeit von Pfleger:innen jedoch natürlich nicht. Bei der Implementierung technologischer Hilfsmittel sind verschiedene Herausforderungen, wie Datenschutz, Akzeptanz neuer Technologien und finanzielle Ressourcen zu beachten. Dennoch eröffnen die kontinuierliche Weiterentwicklung und Integration fortschrittlicher Technologien wie künstlicher Intelligenz und Wearables vielversprechende Perspektiven. 


FAQ

1. Was ist ein Pflegeüberwachungssystem und wie funktioniert es?

Ein Pflegeüberwachungssystem ist eine technologische Lösung, die entwickelt wurde, um die Pflegequalität zu verbessern und Pflegekräfte zu unterstützen. Es besteht in der Regel aus Sensoren, Software und Kommunikationseinrichtungen. Diese Systeme überwachen den Gesundheitszustand von Patient:innen in Echtzeit und ermöglichen eine effektive Pflege.

2. Wie trägt ein Pflegeüberwachungssystem zur Verbesserung der Pflegequalität bei?

Pflegeüberwachungssysteme heldfen dabei, den Gesundheitszustand der Patient:innen genau zu erfassen, frühzeitig Probleme zu erkennen und schnelle Interventionen zu ermöglichen. Durch kontinuierliches Monitoring können Pflegekräfte somit bereits präventive Maßnahmen ergreifen und die Pflegepersonal-Ressourcen effizienter nutzen.

3. Welche Art von Daten werden von Pflegeüberwachungssystemen erfasst?

Sie können eine Vielzahl von Daten erfassen, darunter Vitalparameter wie Herzfrequenz, Blutdruck, Temperatur und Sauerstoffsättigung. Darüber hinaus können solche Systeme auch Bewegungsmuster, Schlafqualität und andere relevante Gesundheitsinformationen aufzeichnen.

4. Wie werden Pflegekräfte durch Pflegeüberwachungssysteme unterstützt?

Diese Systeme ermöglichen eine effiziente Ressourcennutzung, da Pflegekräfte frühzeitig auf kritische Situationen aufmerksam gemacht werden. Durch die automatisierte Datenerfassung können sie zudem mehr Zeit direkt mit den Patient:innen verbringen und eine personalisierte Pflege bieten.

Durch die Bereitstellung präziser Echtzeitdaten ermöglichen Pflegeüberwachungssysteme darüber hinaus eine fundierte Entscheidungsfindung. Pflegekräfte können so schneller auf sich ändernde Bedingungen reagieren und geeignete Maßnahmen ergreifen.

5. Welche Trends zeichnen sich in der Weiterentwicklung von Pflegeüberwachungssystemen ab?

Zukünftige Entwicklungen könnten sich insbesondere auf die Integration von Wearables, die Nutzung fortschrittlicher Sensortechnologien und die Erweiterung der KI-Fähigkeiten konzentrieren. Zudem dürfte die Interoperabilität zwischen verschiedenen Gesundheitssystemen und -geräten weiter an Bedeutung gewinnen.


Quellen

[1] Vgl. Kind, C. “Technische Hilfen für die Sturzerkennung- und prophylaxe”, mitpflegeleben.de, 2021, https://mitpflegeleben.de/themen-des-monats/technische-hilfen-fuer-die-sturzerkennung/, 29.01.2024.

[2] Vgl. Vatareck, E., “Sturzprophylaxe: Risikofaktoren, Maßnahmen & Ziele”, pflegebox.de, n.d., https://pflegebox.de/ratgeber/pflege/sturzprophylaxe/, 29.01.2024.

[3] Vgl. reha team Oberland, “Intelligente Assistenz-Systeme Hilfsmittel zur Pflegeunterstützung und Sturzprophylaxe”, rehateamoberland.de., n.d., https://www.rehateamoberland.de/dnl/demenz2017.assistenz.pdf , 29.01.2024.

[4] Vgl. Golla, M., “DE: Wie Internetkameras pflegebedürftige Menschen und die Arbeit von Pflegekräften unterstützen können”, pflege-professionell.at, 06.04.2019, https://pflege-professionell.at/de-wie-internetkameras-pflegebeduerftige-menschen-und-die-arbeit-von-pflegekraeften-unterstuetzen-koennen, 29.01.2024.

[5] Vgl. ebd.

ÜBER DIE AUTORIN:
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