Neuer Angehörigenbonus in Österreich – Alle Informationen auf einen Blick!

Kategorien: Pflege, Pflege und Betreuung

Der Angehörigenbonus (“Pflegebonus”) der Bundesregierung Österreichs wurde im Rahmen der umfangreichen Pflegegeldreform mit 1. Jänner 2023 eingeführt. Die Ausbezahlung erfolgt ab 1. Juli 2023 in Form monatlicher Teilbeträge an jene pflegende Angehörige, welche die Anspruchsvoraussetzungen erfüllen [1].

Die Ankündigung des neuen Angehörigenbonus wirft allerdings noch viele Fragen auf: Warum wurde der Angehörigenbonus ins Leben gerufen? Wer hat Anspruch auf den Bonus? Wie hoch fällt er aus? Was wird daran kritisiert? Diesen wichtigen Punkten gehen wir in diesem Beitrag für Sie auf den Grund.

Warum gibt es den Angehörigenbonus?

Pflegende Angehörige bilden in vielen Ländern nach wie vor die unverzichtbare Basis des Pflege- und Betreuungssystems. Allein in Österreich werden 80% der pflegebedürftigen Personen von deren Angehörigen daheim betreut [2]. Die Bevölkerung wird zudem immer älter, was das Thema Pflege – insbesondere in den eigenen vier Wänden – in den kommenden Jahren noch mehr Relevanz zumessen wird. Ein Großteil der Pflegearbeit zu Hause machen hierbei laut Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, Pensionist:innen aus [3]. Dabei ist die Pflege in der häuslichen Umgebung für viele Angehörige mit zahlreichen Herausforderungen in deren täglichen Leben verbunden.

Hoch oben in der Liste steht die zeitliche Belastung. Die Pflege eines bzw. einer Angehörigen erfordert in der Regel eine rund um die Uhr Betreuung, insbesondere bei schwerer Pflegebedürftigkeit. Die pflegende Person muss ihre eigene Zeit und eigenen Bedürfnisse oft hintenanstellen, um die Pflege des bzw. der Pflegebedürftigen sicherzustellen. Dies kann zu einem erheblichen Verlust an Freizeit, sozialen Kontakten und persönlicher Entlastung führen.

Zudem kann die emotionale Belastung der Pflege, wie der Umgang mit dem Leiden der pflegebedürftigen Person, das Zeugen von Veränderungen im Gesundheitszustand und mögliche Konflikte innerhalb der Familie, zu Stress, Angst und Depression bei pflegenden Angehörigen führen.

Eine weitere Herausforderung ist die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Viele pflegende Angehörige müssen ihre berufliche Tätigkeit reduzieren oder in schweren Fällen sogar aufgeben, um die Pflege eines Pflegebedürftigen zu übernehmen. Dies kann zu finanziellen Schwierigkeiten und Unsicherheiten führen. Zudem kann der Verlust des beruflichen Kontakts und der Karriereentwicklung auch langfristige Auswirkungen auf den pflegenden Angehörigen haben.

Zusätzlich können Schwierigkeiten bei der Organisation und Koordination der Pflegeleistungen auftreten. Der pflegende Angehörige muss möglicherweise verschiedene Dienstleister, medizinische Fachkräfte und Versicherungen koordinieren und die Pflegebedürfnisse der pflegebedürftigen Person verwalten. Dies erfordert Zeit, Kommunikation und Kenntnisse über das Pflegesystem, was für viele Angehörige eine neue und komplexe Aufgabe ist.

In Anbetracht dieser Herausforderungen dient die Einführung des Angehörigenbonus als ein (erster) Ansatz der Bundesregierung, betroffene Familien auf finanziellem Wege zu entlasten.

Wer hat Anspruch auf den Angehörigenbonus?

Der Angehörigenbonus in der Pflege, auch als Pflegebonus bezeichnet, konnte bis vor Kurzem von ca. 55.000 Personen beansprucht werden [4]. Bezugsberechtigt waren zunächst ausschließlich Personen, die nahe Angehörige, denen zumindest Pflegegeld der Stufe 4 gebührt, in häuslicher Umgebung pflegen.

Mit der Ausweitung des Empfänger:innenkreises des Bonus noch vor Beginn der ersten Auszahlung (01. Juli 2023) wurde – unabhängig von der Erhöhung des Erschwerniszuschlags – die Anzahl der Anspruchsberechtigten schlagartig auf 80.000 angehoben [5]. Grund für diesen starken Anstieg ist die neuerliche Miteinbeziehung pflegender Angehörige, die zwar nicht in einem gemeinsamen Haushalt mit der pflegebedürftigen Person leben (= getrennte Haushalte) aber bestimmte andere Voraussetzungen (z.B. geringes Durchschnittseinkommen) erfüllen.

Infolgedessen unterscheidet man somit ab sofort zwischen zwei Varianten der Ausbezahlung des Angehörigenbonus, bei denen unterschiedliche Voraussetzungen erfüllt sein müssen [6]:

Erste Variante der Ausbezahlung: Selbst- bzw. Weiterversicherung

  • Die Person pflegt eine:n nahe:n Angehörige:n in häuslicher Umgebung.
  • Der/die nahe Angehörige der pflegenden Person hat mindestens Anspruch auf Pflegegeld der Stufe 4.
  • Die Person hat sich aufgrund der Pflege in der Pensionsversicherung begünstigt selbst- bzw. weiterversichert.

Die Ausbezahlung des Angehörigenbonus erfolgt (unter Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen) ab 1. Juli 2023 von Amts wegen durch die für die Selbst- bzw. Weiterversicherung zuständige Pensionsversicherungsanstalt in monatlichen Teilbeträgen.

Zweite Variante der Ausbezahlung: Einkommen (z.B. Pensionist:innen)

  • Die Person pflegt eine:n nahe:n Angehörige:n seit mindestens einem Jahr überwiegend im gemeinsamen Haushalt.
  • Der/die nahe Angehörige der pflegenden Person hat mindestens Anspruch auf Pflegegeld der Stufe 4.
  • Die pflegende Person hat ein monatliches Netto-Jahresdurchschnittseinkommen von maximal 1.500 Euro.
  • Der Anspruch auf einen Angehörigenbonus aufgrund einer Selbst- oder Weiterversicherung liegt nicht vor.

Die Ausbezahlung des Angehörigenbonus erfolgt (unter Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen) ab 1. Juli 2023 auf Antrag in monatlichen Teilbeträgen.

Wie hoch fällt der Angehörigenbonus aus?

Laut der Pensionsversicherungsanstalt Österreich (PV) gebührt der Angehörigenbonus frühestens ab 1. Juli 2023 und beträgt monatlich 125,00 Euro. Die Auszahlung erfolgt seit Dezember 2023. 2024 verbleibt die Bonussumme in unveränderter Höhe. Eine erneute Anpassung soll erstmals ab 1. Jänner 2025 erfolgen [7].

Welche Kritikpunkte werden gegenüber dem Angehörigenbonus ausgesprochen?

Kritik am Ansatz

Abgelehnt wurde die Gesetzesnovelle von SPÖ und NEOS. Diese kritisierten den zugrunde liegenden Ansatz des Angehörigenbonus und plädierten stattdessen für den Ausbau der mobilen Pflege in Österreich. Diese sollte eine sinnvollere Entlastung der pflegenden Angehörigen darstellen [8].

Kritik am Bonusbetrag

Bricht man die festgesetzte Bonussumme von 1.500 Euro im Jahr auf die einzelnen Tage im Jahr auf, so erhält jeder pflegende Angehörige etwas über 4 Euro pro Tag. Dieser geringe Geldbetrag kann weder den täglichen Aufwand des Angehörigen noch die Kosten einer Ersatzpflege (z.B. in Form einer mobilen Pflege) tragen.

Kritik an den Anspruchsvoraussetzungen

Kritisiert werden vom Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) neben dem unzureichenden Bonusbetrag auch die Anspruchsvoraussetzungen zum Erhalt des Bonus. Der PVÖ fordert eine Abstufung der vorausgesetzten Pflegestufe der Pflegebedürftigen von Stufe 4 auf Stufe 3. Ab Stufe 4 befinden sich laut Aussagen der PVÖ viele Personen bereits in einer stationären Pflegeeinrichtung und nicht mehr im eigenen Haushalt.

Kritik am Beantragungsprozess

Auch bei der Beantragung des Angehörigenbonus gibt es noch zahlreiche Hürden. So kritisierte der PVÖ den Mangel an verfügbarer Information und Unterstützung bei der Beantragung des Bonus. Sinnvoll wäre laut PVÖ die Einleitung einer Informationsoffensive und die Einstellung einer Pflegetelefon-Hotline, die u.a. bei Fragen zum Bonus kontaktiert werden kann [9].


FAQ

1. Was ist der Angehörigenbonus in Österreich?

Der Angehörigenbonus in Österreich wurde im Zuge der Pflegereform 2023 eingeführt und ist eine finanzielle Unterstützung, um Familien zu fördern. Er soll es erleichtern, die finanzielle Belastung bei der Pflege von Angehörigen zu bewältigen.

2. Wer ist berechtigt, den Angehörigenbonus zu beantragen?

Berechtigt sind Personen, die den größten Teil der Pflege zuhause leisten und selbst- oder weiterversichert sind. Ihre zu pflegende Angehörige müssen mindestens Anspruch auf Pflegegeld der Stufe 4 vorweisen. Dies können Eltern, Großeltern oder andere nahe Verwandte sein, die auf Unterstützung angewiesen sind. Auch anderen Angehörigen mit geringem Einkommen, beispielsweise Pensionist:innen, gebührt der Angehörigenbonus unter bestimmten Voraussetzungen.

3. Wie hoch ist der Angehörigenbonus?

Die Höhe des Angehörigenbonus beläuft sich auf eine monatliche Auszahlung von 125 Euro bzw. jährliche Summe von 1.500 Euro.

4. Wie wird der Neue Angehörigenbonus beantragt?

Befinden Sie sich seit mindestens einem Jahr überwiegend in häuslicher Umgebung und Ihr monatliches Netto-Einkommen betrug im vergangenen Kalenderjahr durchschnittlich nicht mehr als 1.500 Euro, stellen Sie bei jenem Versicherungsträger den Antrag auf den Angehörigenbonus, von dem Ihr naher Angehöriger bzw. ihre nahe Angehörige das Pflegegeld erhält.

Sollten Sie in der Pensionsversicherung wegen der Pflege eines nahen Angehörigen bzw. einer nahen Angehörigen oder eines behinderten Kindes selbst- oder weiterversichert sein, erhalten Sie den Angehörigenbonus automatisch von dem Pensionsversicherungsträger, bei dem Sie selbst- oder weiterversichert sind [10].

5. Gibt es eine Einkommensgrenze für die Beantragung des Angehörigenbonus?

Derzeit liegt die Einkommensgrenze bei einem Netto-Einkommen von 1.500 Euro pro Monat.


Quellen

[1] Vgl. Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, “Betroffene und Angehörige in der Pflege.”, sozialministerium.at, 25. 04.2023, https://www.sozialministerium.at/Themen/Pflege/Pflegereform/Betroffene-und-Angehoerige-in-der-Pflege.html, 25.05.2023.

[2] Vgl. AK Tirol, “Angehörigenbonus für Pflege daheim wird ab 1. Juli in 2 Varianten ausbezahlt.”, tirol.arbeiterkammer.at, 10.05.2023, https://tirol.arbeiterkammer.at/angehoerigenbonus, 25.05.2023.

[3] Vgl. Korosec, Ingrid “Ab 1.7.2023. Bis zu 1.500 Euro Pflegebonus auch für pflegende Angehörige in Pension.”, seniorenbund.at, 11.07.2022, https://www.seniorenbund.at/thema-der-woche/pflege/angehoerigenbonus/page, 25.05.2023.

[4] Vgl. APA-OTS, “50 Millionen Euro zusätzlich für Angehörigenbonus in der Pflege “, ots.at, 11.05.2023, https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20230511_OTS0164/50-millionen-euro-zusaetzlich-fuer-angehoerigenbonus-in-der-pflege, 25.05.2023.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. AK Tirol, “Angehörigenbonus für Pflege daheim wird ab 1. Juli in 2 Varianten ausbezahlt.”25.05.2023.

[7] Vgl. Pensionsversicherungsanstalt (PV),”Angehörigenbonus”, pv.at, 08.01.2024, https://www.pv.at/cdscontent/?contentid=10007.892887&portal=pvaportal, 30.01.2024.

[8] Vgl. Parlament Österreich, “Geplanter Pflegebonus wird pflegenden Angehörigen auch bei getrennten Haushalten zustehen. Parlamentskorrespondenz Nr. 520.”, parlament.gv.at, 11.05.2023, https://www.parlament.gv.at/aktuelles/pk/jahr_2023/pk0520, 25.05.2023.

[9] Vgl. Pensionistenverband Österreichs (PVÖ), “Angehörigenbonus. Fakten, Fragen, Kritikpunkte.”, pvoe.at, 15.02.203, https://pvoe.at/salzburg/themen/aktuelles/news/detail/angehoerigenbonus-die-wichtigsten-fragen/, 25.05.2023.

[10] Vgl. Pensionsversicherungsanstalt (PV), “Angehörigenbonus für pflegende Angehörige”, pv.at, n.d., https://www.pv.at/cdscontent/load?contentid=10008.777976&version=1689848635, S. 1-2, hier: S.1, 30.01.2024.

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