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Was ist Demenz?

Demenz ist ein Sammelbegriff für abnorme Veränderungen des Gehirns, die u.a. einen fortschreitenden Verlust von geistigen Funktionen zur Folge haben.

Zu Beginn der Erkrankung sind oft Kurzzeitgedächtnis und Merkfähigkeit vermindert, im weiteren Verlauf verschwinden auch Erinnerungen des Langzeitgedächtnisses. Dadurch verlieren Betroffene zunehmend die Fähigkeiten, die sie während ihres Lebens erworben haben.

Eine Demenz ist jedoch weitaus mehr als eine Gedächtnisstörung. Mit zunehmendem Verlauf kann es zu einer reduzierten Aufmerksamkeit kommen, sowie zu Problemen bei Auffassungsgabe- und Denkvermögen, geistiger Orientierung und beim Sprechen. Weiters sind Veränderungen in der Persönlichkeit, plötzliche Stimmungsschwankungen und Störungen des Verhaltens möglich.
Ebenso kann sich Demenz mit der Zeit auf motorische Fähigkeiten auswirken, wodurch die selbstständige Erledigung von Alltagsaufgaben zunehmend schwerer fällt.

Somit verändert eine Demenzerkrankung das ganze Sein des Menschen – seine Wahrnehmung, sein Verhalten und sein Erleben.

Die exakten Ursachen der Demenz sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausreichend geklärt. Die häufigste Form von dementiellen Erkrankungen ist die Alzheimer-Demenz.

Welche Formen der Demenz gibt es?

Prinzipiell kann zwischen der primären und sekundären Demenz unterschieden werden.

Da jedoch oftmals Mischformen aus primärer und sekundärer Demenz auftreten (z.B. Alzheimer-Demenz und vaskuläre Demenz), können die verschiedenen Formen meist nicht klar voneinander abgegrenzt werden.

Primäre Demenz

Hierunter fallen alle Demenzformen, die für sich alleinstehende Erkrankungen sind. Sie haben ihren Ursprung im Gehirn, wo immer mehr Nervenzellen verkümmern. Man spricht in diesem Fall von Neurodegeneration.

Formen primärer Demenz

  • Alzheimer-Demenz (häufigste Form; ca. 60-80%)
  • vaskuläre Demenz (ca. 10-20%) allein oder in einer Mischform mit Alzheimer-Demenz
  • Lewy-Body-Demenz (ca. 10-15%)
  • frontotemporale Demenz (ca. 5%)

Alzheimer-Demenz

Kurzübersicht:


  • Was ist Alzheimer? Häufigste Form von Demenz, betrifft etwa 20 Prozent aller Menschen über dem 80. Lebensjahr
  • Ursachen: Verkümmern von Nervenzellen im Gehirn durch Proteinablagerungen
  • Risikofaktoren: Alter, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Gefäßverkalkung, Diabetes Mellitus, Depression, Rauchen, wenig soziale Kontakte, genetische Faktoren
  • Diagnostik: durch Kombination mehrerer klinischer Tests, ärztliches Anamnesegespräch, bildgebende Verfahren mittels PET-CT oder MRT, Liquordiagnostik
  • Behandlung: keine Heilung möglich, symptomatische Therapie idR mit Tabletten; nicht-medikamentöse Therapie z.B. kognitives Training, Verhaltenstherapie
  • Frühe Symptome: vermindertes Kurzzeitgedächtnis, Orientierungslosigkeit, Wortfindungsstörungen, veränderte Persönlichkeit, geschwächtes Immunsystem
  • Vorbeugen: gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Gedächtnis fordern, viele soziale Kontakte


Frühe Symptome bei Alzheimer Demenz (und anderen Demenzformen) sind Verluste des Kurzzeitgedächtnisses: Betroffene werden zunehmend vergesslich, verlegen häufig Sachen und können sich nur schwer konzentrieren. Manchmal suchen sie nach bestimmten alltäglichen Wörtern, ohne dass es ihnen einfällt. Räumliche Orientierungsprobleme in unbekannter Umgebung können ebenfalls erste Anzeichen der Alzheimer-Demenz sein.

Im fortgeschrittenen Stadium ist das Langzeitgedächtnis betroffen. Patient:innen können sich immer schlechter an die Vergangenheit erinnern. Irgendwann werden selbst nahestehende Personen nicht mehr erkannt. In späten Stadien gehen sämtliche körperlichen Fähigkeiten verloren und Betroffene brauchen bei jeglichen Tätigkeiten Unterstützung.

Vaskuläre Demenz

Kurzübersicht:


  • Was ist eine vaskuläre Demenz? entsteht durch eine unausreichende Blutversorgung des Gehirns, verschiedene Formen sind möglich u.a. Multiinfarktdemenz, subkortikale vaskuläre Demenz und gemische vaskuläre Demenz, hämorrhagische Demenz nach Einblutungen ins Gehirn
  • Ursachen: Minderdurchblutung oder Einblutung des Hirngewebes, wodurch Nervenzellen verkümmern
  • Risikofaktoren: Alter, Bluthochdruck, Herzerkrankungen, erhöhte Cholesterinwerte, Übergewicht, Bewegungsmangel, Gefäßablagerungen, Diabetes mellitus, Rauchen
  • Symptome: schwindendes Kurzzeitgedächtnis, Orientierungslosigkeit, Wortfindungsstörungen, veränderte Persönlichkeit, geschwächtes Immunsystem
  • Diagnostik: ärztliches Anamnesegespräch, körperliche Untersuchung von Herz-Kreislauf-System und neurologischen Fertigkeiten, diverse klinische Testverfahren, bildgebende Verfahren (CT, MRT, Ultraschall der hirnversorgenden Blutgefäße), Blutabnahmen, Gentests
  • Behandlung: keine Ursachenbehandlung, symptomatische Therapie mit Medikamenten (meist in Tablettenform) je nach körperlichem Zustandsbild; nicht-medikamentöse Therapie z.B. Gedächtnistraining, Musik- und Tanztherapie, Mobilitäts- und Toilettentraining, Ernährungsumstellung

Die vaskuläre Demenz ist die Folge von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Es kann zu ähnlichen Symptomen wie bei einer Alzheimer Demenz kommen, jedoch sind die Symptome bei der vaskulären Demenz abhängig davon, in welcher Gehirnregion von Patient:innen die Durchblutungsstörungen auftreten und wie ausgeprägt diese sind.

Mögliche Symptome können sein: Probleme beim aufmerksamen Zuhören, zusammenhängenden Reden und bei der Orientierung. Diese dementiellen Anzeichen gibt es auch bei Alzheimer, sie treten aber bei der vaskulären Demenz oft früher und ausgeprägter auf. Im Unterschied zur Alzheimer-Demenz kann die Gedächtnisfunktion bei der vaskulären Demenz oft länger erhalten bleiben.

Weitere Symptome einer vaskulären Demenz sind zum Beispiel: Störungen der Blasenentleerung, Gangstörungen und Verlangsamung im Allgemeinen, Konzentrationsstörungen, Wesensveränderungen und psychiatrische Symptome wie Depressionen.


Lewy-Body-Demenz


Kurzübersicht:


  • Was ist Lewy Body Demenz? Die Lewy-Body-Demenz (auch Lewy-Körperchen-Demenz) ist eine Form von Demenz, die ähnliche Symptome wie Alzheimer-Demenz und Morbus Parkinson verursacht.
  • Ursachen: Verkümmern von Nervenzellen im Gehirn durch Proteinablagerungen, genetische Veränderungen wie bei Morbus Parkinson
  • Risikofaktoren: noch nicht genau erforscht, genetische Faktoren zählen in jedem Fall dazu
  • Frühe Symptome: optische Halluzinationen (Sinnestäuschungen), selten akustische Halluzinationen, stark schwankende geistige und körperliche Verfassung, Erinnerungsfähigkeit bleibt im Vergleich zu Alzheimer Demenz länger erhalten
  • Diagnostik: durch Kombination mehrerer klinischer Tests, ärztliches Anamnesegespräch, spezielle Formen der Computertomographie (PET, SPECT) können helfen, die Lewy Body Demenz von anderen Demenzformen zu unterscheiden
  • Behandlung: keine Heilung möglich, symptomatische Therapie mittels Medikamenten ist bei dieser Demenzform sehr schwierig; große Bedeutung hat die nicht-medikamentöse Therapie z.B. Gedächtnistraining, Verhaltenstherapie, Musik- und Kunsttherapie
  • Verlauf und Prognose: Symptome meist nach dem 65. Lebensjahr, nach Diagnosestellung meist sieben bis acht Jahre Krankheitsdauer

Auch die Lewy-Body-Demenz äußert sich mit ähnlichen Symptomen wie die Alzheimer-Demenz. Allerdings zeigen viele Patient:innen schon im Frühstadium der Erkrankung Halluzinationen (Sinnestäuschungen). Dafür bleibt die Gedächtnisfähigkeit meist länger erhalten als bei Alzheimer-Demenz.

Darüber hinaus kommt es bei Betroffenen von Lewy-Body-Demenz zu ähnlichen Symptomen wie bei Morbus Parkinson. Dazu zählen u.a. Steifigkeit in der Bewegung, ungewolltes Zittern der Arme und Hände sowie eine instabile Körperhaltung. Es kommt daher vermehrt zu Stürzen von Betroffenen.

Eine weitere Besonderheit bei dieser Demenz-Form ist, dass sowohl die körperliche als auch die geistige Verfassung von Betroffenen immer wieder stark schwanken kann. Von verwirrt, orientierungslos und eher in sich gekehrt bis zu unternehmungslustig und voller Antrieb ist alles möglich.


Frontotemporale Demenz

Kurzübersicht:

  • Was ist die frontotemporale Demenz? seltene Form, auch Morbus Pick genannt, Gedächtnisfähigkeit bleibt im Unterschied zu anderen Formen weitestgehend erhalten, stattdessen zeigen Betroffene auffälliges und unsoziales Verhalten, erst im weiteren Verlauf ähnelt diese Form zunehmend der Alzheimer-Demenz
  • Ursachen: Verkümmern von Nervenzellen im Gehirn, genauer gesagt im Stirn- und Schläfenlappen (Frontal- und Temporallappen - daher auch der Name), bei ca. 10% geschieht dies durch genetische Veränderungen
  • Risikofaktoren: bis auf genetische Veränderungen keine Risikofaktoren bekannt
  • Symptome: stark abhängig davon, in welcher Gehirnregion die Nervenzellen verkümmern. Zu Beginn meist Veränderungen in der Persönlichkeit und im Verhalten, später Sprach- und Gedächtnisstörungen, Inkontinenz sowie neurologische Symptome z.B.: Bewegungsstörungen und Schluckstörungen
  • Diagnostik: schwer zu diagnostizieren, wird häufig mit psychischen Störungen verwechselt aufgrund der Verhaltensauffälligkeiten Betroffener.
    ärztliches Anamnesegespräch, körperliche Untersuchungen und Demenztests sind übliche Verfahren, ebenso wie bildgebende Verfahren zB.: CT, MRT, PET; sowie Liquorpunktion, außerdem Gentests, falls bei Blutsverwandten FTD diagnostiziert wurde
  • Behandlung: keine Heilung möglich, medikamentöse Therapie: je nach psychischen Auffälligkeiten, nicht-medikamentöse Therapie sehr wichtig z.B.: Sport bei gesteigerter Aggressivität, Musik-, Tanz- und Kunsttherapie bei Rückzug und Teilnahmslosigkeit
  • Verlauf & Prognose: sehr unterschiedliche Krankheitsdauer - ca. zwei bis fünfzehn Jahre; durchschnittlich ca. acht Jahre vom Auftritt der ersten Symptome bis zum Tod.

Die Frontotemporale Demenz betrifft durchschnichttlich eher jüngere Patient:innen um das 50. Lebensjahr. Typische Symptome dieser Erkrankung sind v.a. eine Wesensveränderung sowie eine Störung in der Emotionsverarbeitung, wodurch es häufig zu seltsamem und auffälligem Verhalten kommt.
Typische Verhaltensweise sind: Reizbarkeit, teils Aggressivität, Taktlosigkeit und peinliches Verhalten. Auch zu maßlosem Essen und Apathie kann es kommen. Häufig wird aufgrund des auffälligen und meist asozialen Verhaltens zuerst eine psychische Störung vermutet. Erst mit fortschreitender Erkrankung treten schließlich typische Demenz-Symptome, wie z.B. Gedächtnisprobleme auf. In manchen Fällen kann es außerdem zu einem langsam voranschreitenden Verlust der Sprache (= Aphasie) kommen.


Sekundäre Demenz

Als sekundäre Demenz werden dementielle Erkrankungen bezeichnet, die durch andere Erkrankungen oder ggf. Medikamente verursacht werden.
Mögliche Ursachen sind bspw. Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, Schilddrüsenerkrankungen oder ausgeprägte Vitamin-Mangelzustände. Sekundäre Demenzformen machen ungefähr zehn Prozent aller Fälle von Demenz aus und sind daher eher selten.
Diese Form der Demenz ist meist behandelbar und zum Teil sogar heilbar, da durch die richtige Behandlung eine Rückbildung der Symptome möglich ist.


Welche Ursachen hat Demenz?


Genetische Faktoren als alleinige Krankheitsursache besteht bei weniger als 2% aller Fälle. Insgesamt betrachtet spielen sie daher bei der Entstehung von Demenz eine untergeordnete Rolle. Selbst eine dementielle Erkrankung bei Verwandten ersten Grades – also Eltern, Kindern oder Geschwistern – erhöht das individuelle Risiko nur gering. Das Risiko ist etwas höher nach schweren Kopfverletzungen.

Dafür wird das Risiko, an Demenz zu erkranken, umso größer, je älter die Menschen werden. Während in der Altersgruppe der 65- bis 70-Jährigen weniger als drei Prozent an Alzheimer-Demenz erkranken, ist im Alter von 85 Jahren bereits jede:r Fünfte und ab 90 Jahren sogar jede:r Dritte betroffen.


Ursachen bei Alzheimer-Demenz

Die Ursachen der Alzheimer-Demenz sind bis heute noch nicht zur Gänze erforscht. Man weiß jedoch, dass bei Alzheimer-Patient:innen einige Veränderungen im Gehirn im Zuge der Erkrankung auftreten. So kommt es bei der Krankheit zu einem Verkümmern von Nervenzellen und der Zerstörung ihrer Verbindung untereinander.

Damit geht eine Verminderung der Hirnmasse (Hirnatrophie) einher. Darüber hinaus werden bei Betroffenen sowohl Eiweißablagerungen (Plaques beziehungsweise Fibrillen) im Gehirn, als auch die Verminderung vom Botenstoff Acetylcholin beobachtet. Diese Veränderungen geben aber noch keine Auskunft darüber, warum die Krankheit entsteht. Ein wichtiger Forschungsansatz ist deshalb die Suche nach sogenannten Risikofaktoren.


Ursachen vaskuläre Demenz:


Bei der vaskulären (gefäßbedingten) Demenz führen Durchblutungsstörungen im Gehirn zum Verkümmern von Nervenzellen. Sie können zum Beispiel die Folge von mehreren kleinen Schlaganfällen (durch Gefäßverschluss) sein, die gleichzeitig oder nacheinander in derselben Hirnregion auftreten ("Multi-Infarkt-Demenz"). Eine andere Ursache für die Entstehung der vaskulären Demenz kann eine größere Einblutung in das Gehirn sein, etwa bei Bluthochdruck Patient:innen. Wie sich letztlich die dementielle Erkrankung symptomatisch zeigt, ist immer davon abhängig in welchem Ausmaß und in welchem Gehirnareal es zu einer Durchblutungsstörung kommt.

Wie kommt es überhaupt zu den Durchblutungsstörungen? Die Hauptursache ist eine Schädigung der Gefäße durch Arteriosklerose.
Faktoren, welche Arteriosklerose begünstigen, sind beispielsweise Diabetes mellitus, Bluthochdruck (Hypertonie), Herzerkrankungen und Nikotinkonsum.

Genetische Erkrankungen, sowie Gefäßentzündungen sind seltene Ursachen der vaskulären Demenz.

Ursachen bei Lewy Body

Bei der Lewy-Body-Demenz lagern sich in den Nervenzellen der Großhirnrinde Eiweißreste ab. Diese sogenannten Lewy-Körperchen stören die Kommunikation zwischen den einzelnen Nervenzellen. Warum sie sich bilden, ist überwiegend unbekannt. Ganz selten ist die Lewy Body Demenz genetisch bedingt.

Ursachen bei Frontotemporaler Demenz

Bei der frontotemporalen Demenz verkümmern nach und nach Nervenzellen in Stirn- und Schläfenlappen des Großhirns, was zu einer Verminderung der Gehirnmasse (Atrophie) führt. Auch hier ist die Ursache größtenteils unbekannt. Teilweise sind die Erkrankungsfälle genetisch bedingt.

Ursachen bei sekundärer Demenz

Die seltenen sekundären Formen der Demenz werden ausschließlich durch andere Erkrankungen oder Medikamente verursacht. Auslöser können sein: Schilddrüsenstörungen, Lebererkrankungen, Infektionen (z.B. HIV-Enzephalitis, Neuroborreliose), eine Vitamin-Unterversorgung oder aber auch durch Alkohol- und Medikamentenmissbrauch. Auch unerwünschte Medikamentenwirkungen sind mögliche Ursachen sekundärer Demenz.

Welche Symptome treten bei Demenz auf?

Die genauen Symptome bei einer dementiellen Erkrankung hängen von der Art der Erkrankung, der Ursache und teilweise auch vom betroffenen Gehirnareal ab.

Zu häufigen Symptomen zählen:

  • Gedächtnisprobleme (Verlust des Kurzzeitgedächtnisses und später auch Langzeitgedächtnis)
  • Beeinträchtigung und Verlust geistiger Funktionen, z.B. Aufmerksamkeit, Konzentration, Denkvermögen, Urteilsfähigkeit, örtliche, zeitliche, situative Orientierung sowie Orientierung zur eigenen Person, räumlich-konstruktive Leistung und Abrufleistung, Sprache
  • Bei bestimmten Demenzformen (z.B. Parkinson-Demenz) ist auch die Bewegungsfähigkeit zunehmend betroffen.
  • Beeinträchtigung bei Alltagsaktivitäten z.B. Bewegen bzw. Gehen, Waschen, Ankleiden, persönliche Hygiene, Nahrungsaufnahme.
  • zunehmende Verschlechterung (chronisch fortschreitender Verlauf) mit Persönlichkeitsveränderungen und Verhaltensauffälligkeiten.


Wie häufig kommt Demenz vor?

Weltweit sind fast 50 Millionen Menschen von Demenz betroffen (lt. einer Schätzung der WHO). In Österreich leben laut aktuellen Schätzungen 115.000 bis 130.000 Menschen mit einer Form von Demenz. Aufgrund des wachsenden Anteils alter Menschen wird sich in der Bevölkerung die Anzahl der an Demenz Erkrankten bis zum Jahr 2050 zumindest verdoppeln.

Häufigkeit ist altersabhängig

Die Häufigkeit (Prävalenz) von dementiellen Erkrankungen beginnt im fortgeschrittenen Alter deutlich anzusteigen. Das steigende Alter gilt daher als Nummer 1 Risikofaktor für Demenz.

  • In der Altersgruppe der 65-70-Jährigen sind fünf von 1.000 Personen von Demenz betroffen.
  • In der Altersgruppe der 85-Jährigen und Älteren sind bereits 60 bis 80 von 1.000 Personen von Demenz betroffen.
  • In der Altersgruppe der über 90-Jährigen sind 300 von 1.000 Menschen von Demenz betroffen.

Die meisten älteren Demenz-Patient:innen leiden an Alzheimer-Demenz (rund 60-80%).

Welche Personen sind für Demenz besonders anfällig?

Als Risikofaktoren für Demenz gelten u.a.


  • Bluthochdruck
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Herzrhythmusstörungen
  • hoher Cholesterinspiegel
  • Depressionen
  • Schädel-Hirnverletzungen
  • Rauchen
  • übermäßiger Alkoholkonsum sowie
  • Übergewicht
  • Hörstörungen

Auch Menschen mit geringer geistiger, sozialer und körperlicher Aktivität sind anfälliger für eine Demenzkrankheit.


Wie wird Demenz diagnostiziert?

Demenz bleibt sehr lange unerkannt. Dem geschuldet ist der schleichende Beginn der meisten dementiellen Erkrankungen, sodass Einschränkungen und auffällige Verhaltensweisen der Betroffenen oft erst sehr spät und im Rückblick als erste Symptome einer Demenz erkannt werden. Dies ist besonders problematisch, da es für Betroffene von Vorteil ist, wenn Demenz möglichst frühzeitig diagnostiziert wird.

Ein geringer Teil der dementiellen Erkrankungen („reversible Demenzen“) kann durch Behandlungen wesentlich verbessert werden.

Bei den primären Demenzen wie etwa der Alzheimer-Demenz besteht durch ein frühzeitiges Erkennen für Betroffene zumindest die Chance, sich mit der Krankheit und dessen Folgen auseinanderzusetzen, bevor sie dazu die Fähigkeit verlieren. Es ist daher äußerst wichtig, dass Angehörige mögliche Anzeichen nicht verdrängen, sondern sich bewusst und vor allem rechtzeitig damit befassen.


Woran erkennt man Demenz?

Nicht jede Beeinträchtigung von geistigen Fähigkeiten muss schon als Alarmsignal gedeutet werden. Ein verminderter Antrieb kann jedoch bereits vor dem Auftreten der „Vergesslichkeit“ da sein: Hat jemand immer gerne Sport getrieben und äußert jetzt wiederholt Unlust, sich zu bewegen, könnte dies bereits auf eine beginnende Demenz hinweisen.

Treten Erinnerungslücken regelmäßig und vor allem über einen längeren Zeitraum auf und kommen weitere Probleme wie Sprach- oder Orientierungsschwierigkeiten hinzu, sollte dies dringend medizinisch abgeklärt werden.


Oft ist es jedoch nicht so einfach, an Demenz erkrankte Menschen von einem Arztbesuch zu überzeugen. Gerade im Anfangsstadium der Krankheit versuchen viele Betroffene, ihre Beeinträchtigung vor anderen zu verbergen und Gedächtnislücken mithilfe von Merkzetteln zu überspielen. Ebenso kann es zu aggressiven oder ablehnenden Reaktionen kommen, wenn Angehörige sie direkt auf Probleme oder gar Missgeschicke ansprechen. In solchen Fällen hilft es zu Diagnosezwecken, das Verhalten der Betroffenen über einen längeren Zeitraum schriftlich zu dokumentieren. Dabei sollten für eine objektive Sichtweise möglichst viele Personen wie Verwandte, Nachbarn oder Freunde mit einbezogen werden. Mithilfe einer derartigen Liste lässt sich eine vorläufige Diagnose stellen, die hinsichtlich des weiteren Vorgehens Sicherheit gibt.


Auf keinen Fall sollte man den Verdacht einer Demenz bei Seite schieben: Je früher die Diagnose gestellt wid, desto mehr Chancen haben Betroffene und ihre Angehörige auf einen Zugang zu diversesten Hilfsangeboten.


Welche Warnsignale gibt es für Demenz?

Folgende Beschwerden können auf Demenz hindeuten:

  • für die Person untypische Stimmungsschwankungen
  • länger andauernde Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Misstrauen
  • Schwierigkeiten, gewohnte Tätigkeiten auszuführen
  • Sprachstörungen
  • vermindertes Interesse an Arbeit, Hobbys und Kontakten
  • vehementes Abstreiten von Fehlern, Irrtümern oder Verwechslungen
  • Vergessen von kurz zurückliegenden Ereignissen
  • fehlender Überblick über finanzielle Angelegenheiten
  • Fehleinschätzung von Gefahren
  • Schwierigkeiten, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden

Zu welchem Arzt geht man bei Verdacht auf Demenz?

Die Erstdiagnose wird oft von der Hausärztin oder vom Hausarzt gestellt. Sie sollte grundsätzlich die Einschätzung einer Fachärztin oder eines Facharztes für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie einbeziehen, die eine neurologische und psychiatrische Diagnostik durchführen. Denn eine eingehende Untersuchung des körperlichen und psychischen Gesundheitszustands sowie eine neuropsychologische Untersuchung sind nötig, um ein Demenz-Syndrom genauer zuzuordnen sowie die Ursache benennen und gegebenenfalls behandeln zu können.


Die Diagnose "Alzheimer-Demenz" lässt sich nur im Ausschlussverfahren stellen. Wenn bei einer Demenz keine andere Ursache herausgefunden werden kann, wird eine Demenz vom Alzheimer-Typ diagnostiziert. Neben einer körperlichen Untersuchung sind Blutproben erforderlich, um beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen auszuschließen. Hinzu kommt eine Aufnahme des Gehirns mit sogenannten bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie (CT) oder der Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT), um den Verdacht auf Tumore auszuschließen. Oftmals ist auch eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor Diagnostik) erforderlich, um eine entzündliche Erkrankung des Gehirns sicher auszuschließen.


Wie kann man testen, ob man Demenz hat?

Vergesslichkeit im Alter ist nicht sofort ein Grund zur Sorge. Wenn bei Ihnen die Vergesslichkeit jedoch über mehrere Monate anhält oder sogar zunimmt, sollten Sie sich an Ihren Hausarzt bzw. Ihre Hausärztin wenden. Diese:r kann Sie bei Verdacht auf eine dementielle Erkrankung an Spezialisten weiter überweisen.


Diagnoseverfahren bei Demenz

Körperliche Untersuchung

Eine körperliche Untersuchung ist wichtig, um andere Erkrankungen als Ursache für die vermuteten Demenz-Symptome auszuschließen. Außerdem lässt sich dadurch Ihre körperliche Verfassung feststellen.

Blutuntersuchungen

Zur Demenzdiagnostik gehören auch Blutuntersuchungen. Dabei wird ein Blutbild erstellt und verschiedene Blutwerte ermittelt. Damit lässt sich möglicherweise eine sekundäre Demenz ausschließen. Diese wird bspw. durch eine Schilddrüsenerkrankung oder einen Mangel an Vitamin B12 ausgelöst.

In manchen Fällen sind zusätzliche Blutuntersuchungen im Labor notwendig. Beispielsweise dann wenn sich Symptome sehr rasch verschlechtern oder Betroffene überdurchschnittlich jung sind.

Ergibt sich aus dem Arztgespräch und den bisherigen Untersuchungen der Verdacht auf eine entzündliche Hirnerkrankung, sollte eine Probe des Nervenwassers (Liquor) aus der Lendenwirbelsäule entnommen und im Labor analysiert werden. Dieser Vorgang wird auch Lumbalpunktion genannt. Der Liquor kann Hinweise auf eine Demenz geben: Charakteristische Veränderungen der Konzentration bestimmter Eiweiße (Amyloid-Protein und tau-Protein) im Nervenwasser deuten mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Alzheimer hin.

Bildgebende Verfahren

Bildgebende Untersuchungen des Gehirns dienen dazu, behandelbare Ursachen einer Demenz (wie z.B. der Befall eines Tumors) auszuschließen. Außerdem können sie bei der Unterscheidung der unterschiedlichen Demenzformen helfen.

Zum Einsatz kommen hier vor allem Computer-(CT) und Magnetresonanztomografie (MRT, auch Kernspintomografie genannt). Manchmal werden aber auch noch andere Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehört zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße bei Verdacht auf eine vaskuläre Demenz. In unklaren Fällen von Lewy-Body-Demenz kann eine nuklearmedizinische Untersuchung sinnvoll sein (Positronen-Emissions-Tomografie = PET, Single-Photon-Emissions-Computertomografie = SPECT).

Genetische Untersuchung

Besteht der Verdacht, dass die dementielle Erkrankung vererbt wurde, sollte Patient:innen eine genetische Beratung und Untersuchung angeboten werden. Das Ergebnis des Gentests hat zwar keinen Einfluss auf die Therapie und Prognose der Erkrankung, jedoch möchten einige Patient:innen verständlicherweise genau wissen, ob sie ein derartiges Gen in sich tragen oder nicht.

Anamnesegespräch

Ein Arzt bzw. eine Ärztin erfragt im Zuge eines Gespräches zunächst sämtliche Beschwerden und macht sich ein Bild von Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand.
Weitere Fragen können sein, ob und wenn ja, welche Medikamente bereits eingenommen werden, da manche negative Auswirkungen auf die Gehirnleistung nach sich ziehen können. Im Zuge dieses Gesprächs wird auch die Aufmerksamkeitsspanne und das Konzentrationsvermögen beurteilt.

Teilweise unterhalten sich Ärzte auch mit nahen Angehörigen und erfragen u.a. Veränderungen im Verhalten und der Emotionsregulation.

Kognitive Demenz-Tests

Mithilfe von diversen klinischen Tests ist es möglich festzustellen, ob eine dementielle Erkrankung besteht und wie ausgeprägt diese im Fall der Fälle bereits ist.


Typische Tests sind u.a. der Uhrentest, MMST und DemTect. Alle sind sehr einfach und benötigen wenig zeitlichen Aufwand in der Durchführung. Dennoch ist ihre Aussagekraft vor allem bei geringem Verdacht und beginnender Demenz eher begrenzt. Weiters kann mithilfe dieser Tests keine Unterscheidung der unterschiedlichen Demenzformen festgestellt werden.

Wie wird Demenz behandelt?

Heilbar ist die Erkrankung in den meisten Fällen nicht (Ausnahme: zum Teil sekundäre Demenzen), weshalb eine Behandlung in der Regel zum Ziel hat die geistigen Funktionen und Alltagsfertigkeiten so lange wie möglich zu erhalten. Außerdem zielt eine Behandlung darauf ab, jegliche Begleitsymptome zu lindern.

Neben Medikamenten helfen verschiedene nicht-medikamentöse Maßnahmen, wie das gezielte Training von Alltagsaktivitäten, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Vor allem bei der Wahl der nicht-medikamentösen Verfahren sollten die Persönlichkeit und Wünsche von Patient:innen berücksichtigt werden. Die Erfolgsaussichten der Behandlung sind umso größer, je früher mit der Therapie begonnen und je konsequenter und engmaschiger sie durchgeführt wird.

Um die ideale Behandlung zu finden, ist eine gute Zusammenarbeit mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt wichtig, bei der auch die nahen Angehörigen eine bedeutende Rolle spielen.

Zu den Aufgaben der behandelnden Ärztin/des behandelnden Arztes zählen (neben der Diagnose):

  • Auswahl der Medikation,
  • Vorschläge für nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen,
  • Information und Aufklärung über die Erkrankung, ihren Verlauf sowie über Unterstützungs- und Betreuungsmöglichkeiten,
  • Verlaufskontrolle und Anpassung der Therapie.


Für die Mehrzahl der dementiellen Erkrankungen gibt es derzeit noch keine Möglichkeit auf Heilung. Deshalb liegt das Hauptziel der Behandlung darin, die Lebensqualität von Betroffenen und ihren Angehörigen zu verbessern.

Die medizinische Behandlung von Patient:innen der Alzheimer-Demenz setzt unter anderem beim Botenstoff Acetylcholin im Gehirn an. Es kommen Arzneimittel zum Einsatz, die das Enzym hemmen, das für den natürlichen Abbau von Acetylcholin verantwortlich ist. Ein weiterer medikamentöser Ansatzpunkt ist die Blockierung der Wirkung des Botenstoffs Glutamat, dem ebenfalls eine schädliche Rolle im Krankheitsprozess zugeschrieben wird. Bei manchen Betroffenen führen diese Medikamente zu einer Verbesserung des Gedächtnisses und der Konzentrationsfähigkeit. Mitunter verzögern sie auch das Fortschreiten der Symptome. Den im Gehirn stattfindenden Abbau der Hirnmasse können sie aber nicht verzögern oder stoppen.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Medikamenten, welche die Begleitsymptome einer dementiellen Erkrankung lindern können. Typische Symptome wären u.a. innerliche Unruhe, Angst, Schlafstörungen, bis hin zu Sinnestäuschungen.
Die Anordnung jeglicher Medikamente sollte immer durch Ärzt:innen erfolgen, die mit neurologischen Erkrankungen vertraut sind.

Zur Linderung von Beschwerden sowie zur Verbesserung der Lebensqualität spielen nicht nur medikamentöse Therapieverfahren eine wichtige Rolle. So kann besonders im Anfangsstadium der Krankheit eine Psychotherapie sinnvoll sein, um mit der Diagnose umzugehen.

Äußerst viele Behandlungen zielen darauf ab, verbliebene Fähigkeiten von Betroffenen zu trainieren sowie ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Dazu gehören etwa Musik- und Kunsttherapie, Bewegungsübungen oder Sinnes- und Wahrnehmungsübungen wie beispielsweise „Kim-Spiele“, bei denen die Mitspielenden mit verbundenen Augen durch Tasten oder Riechen Gegenstände erraten müssen. Wichtig dabei ist, sich an den vorhanden Fähigkeiten und persönlichen Bedürfnissen der Betroffenen zu orientieren. Es gilt in jedem Fall Leistungsdruck zu vermeiden. Ergotherapie ist außerdem eine Möglichkeit, um den Erhalt von Alltagsfunktionen zu gewährleisten.

Menschen im frühen und mittleren Stadium einer Demenz können ebenfalls von einem Reha-Aufenthalt profitieren, welches gezielt auf deren Symptome eingeht und Unterstützung bietet. Dies gilt unabhängig davon, ob eine Reha-Maßnahme wegen der Demenz selbst oder wegen einer anderen Erkrankung notwendig wird.

Betroffene sind aufgrund ihrer Erkrankung immer weniger in der Lage, sich an die Umgebung anzupassen und ihren Alltag bewusst zu gestalten. Für deren persönliches Wohlbefinden ist es daher entscheidend, wie sich die Umwelt auf ihre Beeinträchtigung einstellt. Die Anpassung der äußeren Umstände an die Erlebenswelt von Betroffenen wird als "Milieutherapie" bezeichnet.


Medikamentöse Behandlung bei Demenz

Demenz-Medikamente (Antidementiva)

In der medikamentösen Demenz-Therapie werden vor allem sogenannte Antidementiva eingesetzt. Sie beeinflussen verschiedene Botenstoffe im Gehirn mit dem Ziel, die geistige Leistungsfähigkeit der Patient:innen zu erhalten. Leider wirken Antidementiva meist nur eine begrenzte Zeit.
Antidementiva wurden vor allem bei der Behandlung der Alzheimer-Demenz erprobt.

Andere Medikamente bei Demenz

Depressive Verstimmungen treten häufig auf, wenn Menschen erfahren, dass sie dement sind. Auch das Verkümmern von Gehirnzellen selbst kann für eine Depression verantwortlich sein. In solchen Fällen können Antidepressiva unterstützen. Sie wirken stimmungsaufhellend und antriebssteigernd.

Weiters kann es zu Aggressionen, Unruhe, Sinnestäuschungen oder Verfolgungswahn kommen. Derartige Symptome lassen sich mit Neuroleptika lindern.

Im Falle von vaskulärer Demenz sollten Risikofaktoren und Grunderkrankungen, die zu weiteren Gefäßschäden führen können, mitbehandelt werden. Dazu gehört u.a. die Gabe von Antihypertensiva bei Bluthochdruck und von Lipidsenkern bei erhöhten Blutfettwerten (wie erhöhtem Cholesterinspiegel).

Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Demenz

Verhaltenstherapie

Bei vielen Menschen löst die Diagnose Unsicherheit, Ängste, Depressionen oder gar Aggressivität aus. Im Zuge einer Verhaltenstherapie bei einem Psychotherapeuten kann Betroffenen geholfen werden, mit ihrer Krankheit besser umzugehen. Somit eignet sich eine Verhaltenstherapie besonders für Patient:innen in frühen Demenz-Stadien.

Kognitives Training

Ein kognitives Training kann vor allem in frühen und mittleren Krankheitsstadien das Fortschreiten der Demenz aufhalten. Im Zuge dessen werden geistige (kognitive) Fähigkeiten trainiert, also zum Beispiel das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und die Orientierung. Weitere Übungen sind zum Beispiel Begriffe erraten, Farben benennen und Reime ergänzen. Das kognitive Training soll für jeden Betroffenen so gestaltet sein, dass es weder eine Unter- noch eine Überforderung darstellt.

Autobiografische Arbeit

In frühen bis mittleren Demenz-Stadien kann eine autobiografische Arbeit sinnvoll sein: In Gesprächen (Einzel- oder Gruppentherapie) soll der Betroffene mithilfe von Fotos, Büchern und persönlichen Gegenständen an frühere positive Erlebnisse anknüpfen und von ihnen erzählen. Diese autobiografische Arbeit hält die Erinnerungen eines Demenz-Patienten an sein früheres Leben wach und stärkt das Gefühl für die eigene Identität.

Realitätsorientierung

In der Realitätsorientierung trainieren Patient:innen, sich räumlich und zeitlich zu orientieren und Personen und Situationen besser einzuordnen. Die zeitliche Orientierung kann man mit Uhren, Kalendern und Bildern von Jahreszeiten unterstützen. Um ein räumliches Zurechtfinden zu unterstützen, können zum Beispiel die verschiedenen Wohnräume (Bad, Küche, Schlafzimmer etc.) mit unterschiedlichen Farben gekennzeichnet werden.

Die Realitätsorientierung ist in allen Krankheitsstadien sinnvoll. Sie kann einzeln oder in Gruppen trainiert werden.

Musiktherapie

Der Sinn der Musiktherapie bei einer dementiellen Erkrankung beruht auf der Tatsache, dass Musik positive Erinnerungen und Gefühle hervorrufen kann. In frühen Demenz-Stadien können Betroffene – einzeln oder gemeinsam – selbst ein Instrument spielen (Trommel, Triangel, Glockenspiel etc.) oder singen. Das Hören vertrauter Melodien kann bei fortgeschrittener Demenz zumindest beruhigen oder Schmerzen lindern und demnach die Lebensqualität positiv beeinflussen.

Ergotherapie

Alltägliche Tätigkeiten wie Einkaufen, Kochen oder Zeitunglesen können in einem ergotherapeutischen Setting regelmäßig geübt werden, damit derartige Fähigkeiten möglichst lange erhalten bleiben.

In mittleren bis schweren Krankheitsstadien können Tanzen, Massagen und Berührungsreize zu körperlicher Aktivität ermuntern. Das kann Betroffenen Freude bereiten und das Wohlbefinden verbessern.

Milieutherapie

Bei der Milieutherapie geht es darum, die Umwelt von Patient:innen demenzgerecht zu gestalten. Oberstes Ziel dabei ist, dass sich Betroffene in ihren Wohnräumen sicher und wohl fühlen. Die Räume sollten daher möglichst passend gestaltet sein. Glattes Holz und weiche Stoffe werden z.B. von den meisten als sehr angenehm empfunden. Weitere Möglichkeiten sind bekannte Düfte (etwa als Raumduft) und Lieblingsblumen, die Betroffene beruhigen oder aufmuntern und schöne Erinnerungen wecken können.

Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?

"Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer & Demenz?" Diese Frage stellen sich manche Betroffene und ihre Angehörigen in der Annahme, es würde sich dabei um zwei verschiedene Erkrankungen handeln. Tatsächlich ist Alzheimer – wie bereits weiter oben erwähnt – nur eine Form von Demenz, und zwar die überdurchschnittlich häufigste. Demnach müsste die Frage also lauten, was der Unterschied zwischen Alzheimer und anderen Demenzformen ist – wie etwa der vaskulären Demenz.

Ein typischer Unterschied zwischen diesen beiden häufigsten Demenzformen betrifft den Krankheitsbeginn und Verlauf: Alzheimer beginnt meist schleichend, und die Symptome verschlechtern sich langsam. Dagegen setzt die vaskuläre Demenz oft plötzlich ein, und die Symptome nehmen schubweise zu.

So viel zur Theorie - die Praxis sieht aber oft etwas anders aus. Jede Demenz kann von Patient zu Patient unterschiedlich verlaufen, was die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Krankheitsformen erschwert. Zudem sind dementielle Mischformen möglich, etwa von Alzheimer und vaskulärer Demenz. Betroffene zeigen Merkmale beider Demenzformen, weshalb eine Diagnose oft schwierig zu stellen ist.


Was erhöht das Risiko an Demenz zu erkranken?

Genetische Faktoren birgen ein eher geringeres Risiko. Hingegen steigt das Risiko an Demenz zu erkranken mit zunehmendem Alter exponentiell an. Weitere Risikofaktoren sind zum Beispiel Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Herzrhythmusstörungen, hoher Cholesterinspiegel, Depressionen, Schädelhirnverletzungen, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und Übergewicht.

Auch Menschen mit geringer geistiger, sozialer und körperlicher Aktivität oder Betroffene von Hörstörungen sind anfälliger für Demenz.

Risikofaktoren Alter und Geschlecht

Obwohl eine Demenz auch in jungen Jahren auftreten kann, ist Demenz vor allem eine Erkrankung des Alters. Ab dem 65. Lebensjahr steigt das Risiko an Demenz zu erkranken mit jedem weiteren Jahr deutlich an. In der Altersgruppe 90+ erkrankt jeder Dritte.

Auffällig ist ebenso, dass Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Dieser Unterschied wird im hohen Alter sogar immer größer, denn Frauen haben nicht nur ein höheres Erkrankungsrisiko, sondern auch eine höhere Lebenserwartung, was die Zahlen noch verstärkt. Zusätzlich leben Frauen leben mit einer dementiellen Erkrankung länger als Männer.

Gesundheitliche Risikofaktoren

Folgende Risikofaktoren konnten in unterschiedlichen Langzeitstudien festgestellt werden:

• Schwerhörigkeit (Hörminderung)

• Alkoholmissbrauch

• Kopfverletzungen (Schädel-Hirn-Trauma)

• Depressionen

• Bluthochdruck

• Übergewicht

• Diabetes Mellitus

• Geringe geistige Aktivität und fehlende Bildung

• Wenig soziale Aktivität

• Bewegungsmangel

• Rauchen

• Luftverschmutzung (Feinstaub)


Was verschlimmert Demenz?

Demenz ist nicht heilbar. Mit Aktivierung, Beschäftigung und menschlicher Zuwendung lässt sich aber die Lebensqualität von Demenzkranken deutlich verbessern. Weiters kann die richtige Therapie (eine Kombination aus medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapie) helfen, den Demenzverlauf vorübergehend aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen.

Was senkt das Risiko an Demenz zu erkranken?

Viele Faktoren begünstigen das Ausbrechen einer dementiellen Erkrankung. Wenn es gelingt, diese Risikofaktoren zu meiden oder zumindest zu reduzieren, hilft dies einer Demenz vorzubeugen.

So sollte man zum Beispiel Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Übergewicht behandeln – nicht nur mit Medikamenten, sondern auch mit dem richtigen Lebensstil. Zum Beispiel scheint eine mediterrane Ernährung vor Demenz zu schützen: Hier wird vor allem auf viel Obst und Gemüse, Fisch, Olivenöl und Vollkornbrot gesetzt. Dagegen sollten Schweinefleisch und Milchprodukte nur in geringen Maßen konsumiert werden.

Von regelmäßiger Bewegung profitieren das Gehirn und der restliche Körper in jedem Alter. So regt körperliche Aktivität die Durchblutung und den Stoffwechsel im Gehirn an. Die Nervenzellen sind dadurch aktiver und vernetzen sich besser. Sport und Bewegung im Alltag senken außerdem den Blutdruck und den Cholesterinspiegel und beugen Übergewicht, Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall und Depressionen vor - allesamt Risikofaktoren für Demenz. Darüber hinaus hält regelmäßige Bewegung die Gefäße gesund, was vor vaskulärer Demenz schützt. Doch nicht nur zur Vorbeugung eignet sich körperliche Aktivierung: Demenz-Betroffene profitieren ebenfalls davon.

Empfehlenswert ist auch "Gedächtnistraining": Wie die Muskeln sollte auch das Gehirn regelmäßig gefordert werden. Dafür eignen sich zum Beispiel mathematische Rätsel oder kreative Hobbies, aber auch kulturelle Aktivitäten.

Will man einer Demenz vorbeugen, sollte man außerdem regelmäßig soziale Kontakte pflegen. Je mehr man sich unter Leute begibt und mit anderen Menschen in Kontakt ist, desto wahrscheinlicher ist man auch im hohen Alter noch geistig fit – ein wichtiger Schutz vor Demenz.


Wie sieht der Krankheitsverlauf bei Demenz aus?

Der Verlauf von Demenz lässt sich grob in drei Stadien unterteilen:

  1. Beginnende Demenz
  2. Mittelschwere Demenz
  3. Fortgeschrittene Demenz

Jede Demenz-Erkrankung verläuft unterschiedlich schnell und bringt individuelle Einschränkungen mit sich. Die Einteilung in Demenz Stadien dient lediglich der Übersicht über Phasen, die irgendwann im Krankheitsverlauf zu erwarten sind. Es ist nicht möglich, vorherzusagen, wann genau die jeweiligen Phasen eintreten. Und es werden auch nicht immer alle Symptome einer Phase gleichzeitig eintreten.


Der Krankheitsverlauf ist sehr individuell von Person zu Person. Von den ersten Symptomen bis zum Tod dauert es je nach Diagnosestellung zwischen drei und zehn Jahre. Dabei wird die zu erwartende Krankheitsdauer immer geringer, je später im Leben die Erkrankung eintritt.

Charakteristisch ist der schleichende, nahezu unmerkliche Beginn. Anfangs treten leichte Gedächtnislücken und Stimmungsschwankungen auf, die Lern- und Reaktionsfähigkeit, sowie die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab. Hinzu kommen erste Sprachschwierigkeiten. Die Erkrankten benutzen einfachere Wörter und kürzere Sätze oder stocken mitten im Satz und können ihren Gedanken nicht mehr zu Ende bringen bzw. bestimmte Dinge benennen. Örtliche und zeitliche Orientierungsstörungen machen sich bemerkbar. Die Betroffenen werden vermehrt antriebslos und ziehen sich zurück.

In diesem Stadium nehmen die Erkrankten bewusst die Veränderungen wahr, die in ihnen vorgehen. Viele reagieren mit Wut, Scham, Angst und Niedergeschlagenheit.

Im weiteren Krankheitsverlauf werden die Symptome unübersehbar, spätestens jetzt müssen Beruf, Autofahren und Co. aufgegeben werden. Bei alltäglichen Tätigkeiten wie Körperpflege, WC Gänge oder Essen und Trinken sind Betroffene zunehmend auf die Hilfe von anderen Menschen angewiesen. Kennzeichnend für dieses Stadium ist eine hochgradige Störung des Gedächtnisses – die Namen von nahen Verwandten gehen verloren, ebenso wie das Zeit- und Ortsgefühl. Die Sprache wird undeutlich und inhaltsleer.

Später kommt es zum Verlust der Gefühlskontrolle, was sich in plötzlichen Stimmungsschwankungen, Aggressionen und Depressionen zeigt.

Im Spätstadium sind Demenz-Patientinnen und -Patienten vollkommen auf Pflege und Betreuung durch andere Personen angewiesen. Familienmitglieder werden nicht mehr erkannt, eine Verständigung mit Worten ist unmöglich geworden. Es kommen nun körperliche Symptome wie Bewegungsstörungen und Schluckstörungen hinzu, wodurch die Nahrungsaufnahme zunehmend beeinträchtigt wird. Die Kontrolle über Blase und Darm nimmt ab. Vereinzelt kann es auch zu epileptischen Anfällen kommen. Bettlägerigkeit erhöht die Gefahr von Infektionen und Hautschäden. Betroffene sterben letztlich häufig an Komplikationen, wie zum Beispiel einer Lungenentzündung.


Phase 1: Beginnende Demenz

Die Frühphase von Demenz bringt erste Symptome mit sich, die allerdings noch keine besonderen Auswirkungen haben und meist unerkannt bleiben. Die erkrankte Person ist noch weitgehend selbständig und kann oft noch allein leben. Je nach Demenzform manifestiert sich die Erkrankung durch Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, Stimmungsschwankungen oder eine allgemeine Verlangsamung.

In dieser Phase können und sollten die betroffenen Personen noch möglichst viel am sozialen Leben teilnehmen und sich auf keinen Fall zurückziehen. Auch Sport und gezielte Physio- und Ergotherapie spielen eine wichtige Rolle im Erhalt von Alltagsfertigkeiten. Oft ist zu Beginn der Demenz noch viel mehr möglich, als man denkt. Komplexe und besonders verantwortungsvolle Aufgaben sollten jedoch schrittweise abgegeben werden, um Überforderung oder gar Gefahren zu vermeiden.

Sowohl Betroffene als auch ihre Angehörigen sollten sich mit der Erkrankung und deren Verlauf auseinandersetzen und darauf vorbereiten, was in Zukunft auf sie zukommt. Das erleichtert den Umgang mit der fortschreitenden Demenz für alle Beteiligten, weil sie nicht von den Veränderungen überrollt und dadurch überfordert werden.

Phase 2: Mittelschwere Demenz

Wenn die Symptome bereits deutlich ausgeprägt und kaum mehr zu übersehen sind, spricht man von einer mittelschweren Demenz. Betroffene können ihren Alltag nicht mehr ohne Unterstützung meistern und sind auf regelmäßige bis dauerhafte Betreuung angewiesen. Vielleicht sogar durch spezielles Pflegepersonal.

Hinsichtlich räumlicher und zeitlicher Orientierung haben Betroffene spätestens jetzt erhebliche Schwierigkeiten. Außerdem können Wesensveränderungen stark ausgeprägt sein und die Sprach- und Bewegungsfähigkeit ist spürbar eingeschränkt. Das Kurzzeitgedächtnis ist derart verändert, dass Betroffene sich kaum noch neue Dinge merken können.

Soziale Kontakte und gezielte Therapieangebote sind auch in dieser Phase wichtig, müssen jedoch immer an die aktuellen Fähigkeiten und Umstände angepasst werden. Im Falle von Beschäftigung und Betätigung für Betroffene führt meist kein Weg daran vorbei, dass dies von anderen Personen angeleitet werden muss.

Phase 3: Fortgeschrittene Demenz

Bei einer fortgeschrittenen Demenz führen die ausgeprägten Symptome dazu, dass die Person auf intensive Betreuung und Pflege angewiesen ist. Ohne Hilfe ist die betroffene Person nicht mehr in der Lage, sich selbst ausreichend zu pflegen und zu ernähren.

Die verschiedenen Symptome können so stark ausgeprägt sein, dass Betroffene bettlägerig werden. Eine dauerhafte Wesensveränderung von Betroffenen oder die Tatsache, dass selbst engste Vertraute nicht mehr erkannt werden ist besonders belastend für Angehörige. Das führt bei vielen zum Gefühl, man hätte den Kontakt zu der „eigentlichen“ Person verloren. In manchen Fällen leidet die erkrankte Person außerdem an Halluzinationen oder Wahnvorstellungen, die nur mit zusätzlichen Medikamenten behandelt werden können.

Wichtig zu erwähnen ist, dass Angehörige, die in dieser Phase weiterhin einen Großteil der Betreuung und Pflege übernehmen, unbedingt ihre eigenen Belastungsgrenzen und Ressourcen im Blick behalten müssen.

Zumindest sollten sie ambulante Pflegedienste in Anspruch nehmen und regelmäßig Auszeiten von der Pflege nehmen, um sich ausreichend erholen zu können. Wir von HeldYn beraten Sie gerne über mögliche Unterstützungsleistungen.


Wie kann man Demenz vorbeugen?

Vorbeugen Alzheimer-Demenz:


Auch wenn die Ursachen der Alzheimer-Demenz noch nicht hinreichend bekannt sind, wird in der Literatur vielfach zitiert, dass etwa durch körperliche Bewegung und ausgewogene Ernährung, geistige Aktivität und soziale Teilhabe das Risiko abnimmt, im Alter an Demenz zu erkranken. Neuere Untersuchungen weisen zudem auf ein erhöhtes Erkrankungsrisiko bei Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum, Diabetes, Depression sowie das Vorliegen einer Hörminderung hin. Da der neurobiologische Krankheitsprozess bereits fünfzehn bis dreißig Jahre vor dem Auftreten erster Symptome beginnt, ist die Vorbeugung vor allem ab dem mittleren Lebensalter entscheidend.


Vorbeugen vaskuläre Demenz:


Auch in diesem Fall kommt es auf ausreichende körperliche Bewegung, ausgewogene Ernährung, Verzicht auf Rauchen und die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankungen an, um vaskulärer Demenz vorzubeugen.


So können Sie einer Demenz vorbeugen

Nicht alle, aber einige der Risikofaktoren für Demenz können Sie positiv beeinflussen.

9 Tipps, um Demenz vorzubeugen:

  • Achten Sie auf Ihren Blutdruck, falls Sie zu Bluthochdruck neigen.
  • Versuchen Sie, sich viel zu bewegen und ein normales Gewicht zu halten.
  • Bleiben Sie interessiert, bilden Sie sich fort und halten Sie sich geistig fit.
  • Ergreifen Sie wirksame Maßnahmen, wenn Ihre Hörfähigkeit sinkt.
  • Tragen Sie einen Helm bei für Ihren Kopf gefährlichen Handlungen.
  • Suchen Sie sich Hilfe, falls Sie an Depressionen leiden.
  • Pflegen Sie soziale Kontakte und bleiben Sie aktiv.
  • Trinken Sie Alkohol nur in Maßen.
  • Vermeiden Sie Zigarettenrauch.

Die meisten dieser Tipps sind vielleicht nicht unbedingt neu. Viel Bewegung, mäßiger Alkoholkonsum und Verzicht auf Rauchen – diese Tipps liest man beinahe jedem Gesundheits-Ratgeber. Besondere Aufmerksamkeit sollte allerdings dem Thema Hörminderung entgegen gebracht werden. Tatsächlich ist eine verminderte Hörfähigkeit, ohne dass sie behandelt wird, einer der stärksten Risikofaktoren für eine Demenz.


Wie hoch ist die Lebenserwartung bei Demenz?

Aussagen zur Lebenserwartung und wie schnell eine Demenz fortschreitet, sind nicht einfach zu treffen. Die Lebenserwartung hängt sehr stark vom Zeitpunkt der Diagnosestellung, dem Alter bei Diagnosestellung, dem Schweregrad der Demenz, ihrer Form und weiteren individuellen Faktoren wie Begleiterkrankungen ab.

Was man definitiv sagen kann ist, dass Menschen, die an Demenz erkranken, in jedem Fall eine verkürzte Lebenserwartung haben. Das liegt zum einen daran, dass es den Betroffenen im späteren Verlauf der Krankheit immer schwerer fällt, selbst auf ihre Gesundheit zu achten, Frühwarnzeichen für Erkrankungen wahrzunehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. So bleiben oftmals Begleiterkrankungen, die man sonst gut therapieren könnte, lange unbehandelt und führen letzlich zum Tod.

Die häufigste Todesursache bei Menschen mit Demenz ist die Lungenentzündung (Pneumonie). Das hat zwei Ursachen: Zum einen schwächt eine fortgeschrittene Demenz das Immunsystem. Man ist dadurch anfälliger für Infekte. Zum anderen bereitet Betroffenen das Kauen und Schlucken zunehmend Probleme, wodurch es zu Schluckstörungen kommt. Das hat zur Folge, dass oftmals Nahrung in die Luftröhre und in die Lunge gelangt, die sich folglich entzündet.

Durchschnittliche Lebenserwartung bei Demenz:

Alzheimer: 1,5 bis 8,5 Jahre ab der Diagnose

Vaskuläre Demenz: 1,4 bis 6 Jahre ab der Diagnose

Lewy-Körper-Demenz: 6 bis 12 Jahre ab den ersten Symptomen

Frontotemporale Demenz: 8 Jahre ab den ersten Symptomen

Bitte beachten Sie, dass die Lebenserwartung im Einzelfall stark von den Durchschnittswerten abweichen kann und dies daher nur grobe Richtwerte sind. Manche Menschen leben mehr als 20 Jahre mit einer Demenzerkrankung.


Wie sieht der Alltag eines Demenzerkrankten aus?

Wenn die eigenen geistigen Fähigkeiten zusehends abnehmen, ist das für viele Betroffene frustrierend und beängstigend. Auch die Angehörigen kommen oft nur schwer mit der dementiellen Erkrankung und ihren Folgen zurecht.

Dabei erfordert der Umgang mit Demenz vor allem Geduld und Verständnis - und zwar von Seiten der Angehörigen und Betreuern, aber auch von den Betroffenen selbst. Darüber hinaus gibt es mittlerweile viele Therapiemöglichkeiten, um den geistigen Abbau zu verlangsamen. Dazu gehört einerseits Gedächtnistraining, etwa durch Lesen oder das Lösen von Kreuzworträtseln. Auch andere Hobbies, die bisher immer Spaß gemacht haben wie Stricken, Tanzen oder das Bauen von Modellflugzeugen sollte man weiterführen - gegebenenfalls mit notwendigen Anpassungen.

Nicht zuletzt profitieren Demenz-Patient:innen auch von einer ausgewogenen Ernährung, regelmäßiger Bewegung und einem strukturierten Tagesablauf, der Anhaltspunkte und Orientierung bietet.


Welchen Einfluss kann Demenz auf die Pflegebedürftigkeit haben?

Mit Fortschreiten der Erkrankung wird die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz zunehmend intensiver. Zu Beginn der Erkrankung reicht oft ein wenig Unterstützung im Alltag aus, doch im weiteren Verlauf wird der Bedarf an Hilfe immer größer. Im fortgeschrittenen Stadium benötigen Betroffene dauerhafte Betreuung und intensive Pflege in Form von tatkräftiger Unterstützung beim Essen, Trinken, Kleiden und bei der Körperhygiene.


Im späten Stadium der Erkrankung kommt es überwiegend zu Bettlägerigkeit und Betroffene sind vollkommen abhängig von der Unterstützung anderer Menschen bzw. fachlich geschultem Pflegepersonal.


Welche Pflegeformen eignen sich bei Demenz?

Je nach Demenzstadium ist das Ausmaß von Unterstützungsbedarf unterschiedlich.
Meist können Betroffene zu Beginn der Erkrankung noch relativ gut selbstständig im Alltag für sich sorgen.
Nehmen Gedächtnisleistung und die Orientierung ab oder kommt es zu vermehrten Vorfällen, wo die Sicherheit von Betroffenen gefährdet ist - beispielsweise, wenn vergessen wird, den Herd abzudrehen - wird es unumgänglich, dass Demenz-Patient:innen adäquate Unterstützung im Alltag erhalten.

Besonders aufgrund des zunehmend verminderten Orientierungsvermögens empfiehlt es sich, Demenz-Betroffene in gewohnter Umgebung, nämlich im eigenen Zuhause, wo sie sich am sichersten fühlen - zu betreuen.

Ambulante Pflegedienste machen dies möglich. HeldYn berät Sie gerne, wie eine adäquate Versorgung aussehen könnte.

Was kann man als Angehöriger von Demenzkranken tun?

Eine Demenz allgemein verändert den Menschen mit dem Fortschreiten der Erkrankung. Dies mitzuerleben kann neben dem Betroffenen auch für die Angehörigen und das weitere Umfeld sehr belastend sein. Die Veränderung kann viele Gesichter haben und für nahestehende Personen ist es wichtig, sich möglichst früh mit dem Erkrankungsbild und dessen Prognose auseinanderzusetzen, um nicht von den Entwicklungen überrollt  zu werden.

Um das Miteinander möglichst harmonisch zu gestalten und Missverständnissen vorzubeugen, ist eine umfangreiche Aufklärung in dieser Situation sehr hilfreich. Wichtig ist, dass das nähere Umfeld lernt zu verstehen, was in dementen Menschen vorgeht, was sie brauchen und wie sie in den jeweiligen Situationen richtig reagieren. Dadurch lassen sich Konflikte und Belastungen zumindest teilweise vermeiden.

Angehörige sollten lernen, die Erkrankung zu akzeptieren und mit ihr umzugehen. Wichtig ist zudem die eigenen Belastungsgrenzen im Blick zu haben und sich Hilfe und Unterstützung zu holen, wenn man sie braucht. Insbesondere pflegende Angehörige sollten sich ausführlich über Hilfsangebote beraten lassen. Über entsprechende Unterstützungsangebote beraten wir von HeldYn natürlich sehr gerne.


Wer übernimmt die Kosten für die Behandlung einer Demenz?

Österreich

Eine ärztliche Versorgung ist im Sinne der Krankenversicherung abgedeckt.
Je nach Stadium der dementiellen Erkrankung und Unterstützungs- bzw. Pflegebedarf gewährt der Staat Österreich finanzielle Unterstützung in Form von Pflegegeld.

Über die Autorin:

Autorin

Sabine Niedermüller

Co-Founderin @ HeldYn
Sabine weiß ganz genau, was es braucht, um die Zukunft der Pflege- und Therapiedienstleistungen auf neue Beine zu stellen. Seit 2007 ist sie als absoluter Profi im Gesundheitswesen unterwegs und dabei ständig auf der Suche nach neuen Wegen, um die Versorgung der Menschen und die Arbeitsbedingungen aller Expert:innen besser und lebenswerter zu gestalten.

Weiterführende Links

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