Psychische Erkrankungen im Alter

Das Bild zeigt eine Frau, die auf ihrem Bett in ihrem Schlafzimmer sitzt
Kategorien: Krankheiten

Einleitung

Altersdepression ist eine komplexe Erkrankung, die durch vielfältige Ursachen hervorgerufen werden kann und oft gleichzeitig mit anderen Krankheiten auftritt. Typische Symptome sind ein anhaltendes Gefühl der Bedrücktheit und Antriebslosigkeit, begleitet von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.

Depressive Senior:innen leiden häufig unter starken Minderwertigkeitsgefühlen wie auch Schuldgefühlen. Mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Reizbarkeit und Suizidgedanken sind ebenfalls häufige Anzeichen. Betroffene beschreiben ihre Erkrankung mitunter als ein “Gefühl der Gleichgültigkeit” oder auch als ein “Gefühl der inneren Leere”.

Besonders im hohen Alter zeigen sich spezifische Merkmale von Depressionen. Psychische Störungen können bei älteren Menschen oft nicht isoliert von anderweitigen körperlichen Leiden betrachtet werden. Viele Senior:innen haben mit körperlichen Erkrankungen und Funktionseinschränkungen zu kämpfen. Dieser Umstand macht die Gesamtsituation komplexer. Ältere Menschen mit Altersdepressionen neigen dazu, bestehende Probleme als bedrohlicher wahrzunehmen, als jüngere Erkrankte. Es ist von großer Bedeutung, dass Depressionen im Alter ernst genommen und angemessen behandelt werden. Da die Symptome vielfältig sein können und sich auch in Verbindung mit anderen Krankheiten zeigen, ist eine umfassende Diagnostik und individuell angepasste Therapie unbedingt notwendig.

Das Bild zeigt eine Seniorin, der depressiv aussieht.

Risikofaktoren für psychische Erkrankungen im Alter

Das Alter bringt Faktoren mit sich, welche das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen können. Einerseits treten vermehrt körperliche Symptome auf, die das Wohlbefinden beeinträchtigen können und andererseits erleben Menschen in späteren Lebensjahren häufig den Verlust von nahestehenden Personen, was mit Trauer, Einsamkeit und Anpassungsschwierigkeiten einhergehen kann. Der Übergang zu neuen Lebensumständen erfordert oft eine große Anpassungsleistung, die schwer sein kann. Noch dazu fängt man an, sich in späteren Lebensjahren öfter mit Themen zu beschäftigen, mit denen man sich noch nie zuvor beschäftigen musste, wie zum Beispiel mit der Abhängigkeit von anderen Menschen, der Hilfsbedürftigkeit und der Konfrontation mit dem Lebensende.

Ursachen für psychische Erkrankungen im Alter

Die genauen Auslöser von Altersdepressionen sind noch nicht vollständig geklärt. Allerdings deuten wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass in der Regel zwei Hauptfaktoren eine Rolle bei der Entstehung von Depressionen im Alter spielen: psychosoziale und neurobiologische Faktoren. Häufig sind beide Faktoren gleichzeitig vorhanden und können sich gegenseitig beeinflussen. Im Hinblick auf mögliche Ursachen für eine Depression im Alter informiert pflege.de über folgende Aspekte:

Hormonelle Störungen

Veränderungen im Hormonhaushalt, die im Alter auftreten können, wurden mit der Entstehung von Depressionen in Verbindung gebracht. Besonders hormonelle Schwankungen während der Menopause oder bei Männern im Zusammenhang mit dem sogenannten Late-Onset Hypogonadismus könnten eine Rolle spielen [1].

Genetische Verfassung:

Eine familiäre Veranlagung kann das Risiko für Depressionen erhöhen. Genetische Faktoren spielen bei der Entwicklung der Erkrankung eine deutende Rolle [1].

Medikamente:

Nebenwirkungen bestimmter Medikamente können sich negativ auf die Stimmungslage auswirken und Depressionen begünstigen [1].

Traumatische Erlebnisse:

Belastende Lebensereignisse wie der Verlust eines geliebten Menschen, traumatische Erfahrungen oder schwere Erkrankungen können eine Altersdepression auslösen [1]. 

 Stress und Überlastung:

Die Bewältigung alltäglicher Herausforderungen und Stressfaktoren kann zunehmend belastend wirken und somit das Risiko einer Altersdepression erhöhen [1].

Altersdepression und Diagnose

Die Diagnose von Depressionen erfolgt ausschließlich durch Ärzt:innen oder Therapeut:innen. Besonders bei älteren Menschen, die häufig körperliche Begleiterkrankungen haben und regelmäßig Medikamente einnehmen, ist eine gründliche Diagnostik von großer Bedeutung [1].

Wenn Senior:innen zum ersten Mal in ihrem Leben an einer Depression erkranken, wird eine umfassende Untersuchung durchgeführt, um auch mögliche körperliche Leiden zu erfassen, die oft gemeinsam mit einer Depression auftreten. Diese eingehende Diagnostik umfasst organische Untersuchungen, wie z.B. Untersuchungen des Gehirns, sowie eine Analyse der Laborwerte. Dies dient unter anderem dazu, mögliche organische Ursachen der Depression auszuschließen, wie etwa eine Schilddrüsenerkrankung.

Eine sorgfältige Diagnosestellung ermöglicht es, die individuellen Bedürfnisse und Umstände des älteren Patienten angemessen zu berücksichtigen. Dadurch kann eine zielgerichtete und wirksame Behandlung der Altersdepression eingeleitet werden. Es ist wichtig, dass ältere Menschen offen über ihre Symptome und Gefühle sprechen, um eine genaue Diagnose zu ermöglichen und eine angemessene Behandlung zu erhalten. Die Zusammenarbeit zwischen Ärzt:innen, Therapeut:innen und Patient:innen sowie gegebenenfalls auch dem sozialen Umfeld ist dabei von großer Bedeutung, um eine ganzheitliche Betreuung sicherzustellen und die Lebensqualität des Betroffenen bestmöglich zu verbessern.

Checkliste für den Arztbesuch 

Für eine präzise Diagnose der Altersdepression ist es hilfreich, wenn Sie zu Ihrem ersten Termin bei Ihrem behandelnden Arzt, oder bei Ihrer behandelnden Ärztin, die folgenden Dokumente mitbringen: 

Aktueller Behandlungsbericht

Bitte bringen Sie alle relevanten Behandlungsberichte mit, die Sie von Ihrem Facharzt, Ihrer Fachärztin, oder Hausarzt beziehungsweise Ihrer Hausärztin erhalten haben. In diesen Berichten sollten Informationen zur psychiatrischen Diagnose, aktuellen und früheren Krankheitsverläufen sowie etwaigen körperlichen Vorerkrankungen enthalten sein. [1]

Liste Ihrer Medikamente

Erstellen Sie eine Liste mit allen aktuellen und früheren Medikamenten. Idealerweise sollten die Dosierungshöhe und die Dauer der Einnahme vermerkt sein [1].

Weitere Vorbefunde 

Falls Ihnen bereits Untersuchungsergebnisse vorliegen, wie beispielsweise aktuelle Laborwerte, ein EKG (Elektrokardiogramm) oder bildgebende Untersuchungen wie ein cerebrales CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie), nehmen Sie diese bitte ebenfalls mit [1]

Besonderheiten psychischer Erkrankungen im Alter 

Erfahrene Therapeut:Innen, welche spezialisiert auf den Umgang mit Menschen fortgeschrittenen Alters sind, sind rar. Zudem herrscht sowohl bei den Betroffenen selbst als auch bei vielen Psychotherapeut:innen die Annahme, dass eine Psychotherapie im höheren Lebensalter nur begrenzt wirksam ist, obwohl dies in den meisten Fällen nicht zutrifft. Für Betroffene ist es daher wichtig, Therapeut:innen zu finden, die mit Senior:innen vertraut sind. Diese sollten eine positive Erwartungshaltung gegenüber der Therapie im höheren Alter haben und dies auch den Patient:innen vermitteln. Bei einer Psychotherapie ist es wichtig, realistisch zu überprüfen, welche Veränderungen machbar sind und welche nicht. Die Therapeut:innen müssen akzeptieren, dass viele Dinge entweder nicht veränderbar sind oder die Betroffenen sie nicht ändern möchten.

Ein weiteres wichtiges Ziel in der Therapie ist die gemeinsame Suche nach Ressourcen und die Unterstützung bei der aktiven Bewältigung von Problemen. Dabei können Therapeut:innen immer wieder auf die große Lebenserfahrung von ihren Patient:innen verweisen, die eine wichtige Ressource darstellen. 

Neben der eigentlichen psychotherapeutischen Behandlung ist es oft notwendig, andere unterstützende Maßnahmen (z. B. durch Angehörige oder Pflegedienste) gemeinsam mit den Erkrankten zu planen und umzusetzen. Bei der medikamentösen Behandlung müssen auch andere (körperliche) Erkrankungen und die eingenommenen Medikamente berücksichtigt werden. Wenn Psychopharmaka verschrieben werden, sollte mit einer niedrigen Dosierung begonnen und diese allmählich gesteigert werden. Die Wirkung und Nebenwirkungen der Medikation sollten regelmäßig kontrolliert werden. Ein Problem in der Praxis ist, dass Menschen in späteren Lebensjahren häufig die von Ärzt:innen verschriebenen Medikamente entweder nicht einnehmen möchten (z. B. aufgrund von Nebenwirkungen) oder mit der Einnahme überfordert sind (z. B. bei gleichzeitiger Einnahme vieler Medikamente oder mangelndem Verständnis der Verordnung).

Behandlung und Psychotherapie bei älteren Menschen

Die Behandlung von Depressionen ist bei älteren Menschen genauso essentiell wie bei jüngeren. Bedauerlicherweise herrscht heute immer noch die weitverbreitete Annahme, sowohl unter der Allgemeinbevölkerung als auch bei einigen Ärzt:innen und
Therapeut:innen, dass bestimmte Veränderungen im Alter normal sind. Dazu gehören beispielsweise der Rückzug aus sozialen Aktivitäten, Schlafstörungen, das Aufgeben von Hobbys oder eine verminderte Freude am Leben.

Das Bild zeigt einen Senior, der depressiv aussieht.

Jedoch zeigt die Forschung das Gegenteil: Lebenszufriedenheit steigt im Alter tatsächlich tendenziell an. Ältere Menschen besitzen eine bemerkenswerte Fähigkeit, trotz einiger Einschränkungen und Verluste im Leben Zufriedenheit zu empfinden. Mit einem reichen Erfahrungsschatz können sie auf ihr gesamtes Leben zurückblicken und Gefühle besser kontrollieren.

Medikamentöse Behandlung

Die Verabreichung von geeigneten Medikamenten kann die Symptome der Depression lindern und den Betroffenen helfen, besser mit ihren Emotionen umzugehen. Es ist wichtig, dass ältere Patient:innen sorgfältig von kompetenten Ärzt:innen
überwacht werden, um mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu vermeiden. 

Medikamente

Psychotherapeutische Verfahren

Therapeutische Ansätze wie kognitive Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie oder auch gerontopsychiatrische Therapien haben sich als äußerst wirkungsvoll erwiesen. Durch diese Therapieformen können ältere Menschen ihre Gedankenmuster
und Verhaltensweisen besser verstehen und anpassen, was zu einer Verbesserung ihres Wohlbefindens und ihrer Lebensqualität führen kann.

Praktische Tipps: Wie findet man Hilfe und Behandlung?

Die frühzeitige Erkennung von psychischen Erkrankungen bei Menschen im fortgeschrittenen Alter und die Weiterleitung an geeignete Spezialist:innen spielen eine entscheidende Rolle. In diesem Prozess kommen Hausärzt:innen eine wichtige Aufgabe zu. Sie haben die Möglichkeit, hinter körperlichen Symptomen eine mögliche psychische Erkrankung zu erkennen und beispielsweise zwischen Demenz und Depression zu unterscheiden. Durch seine ganzheitliche Betrachtung der Patient*Innen können Ärzt:innen Anzeichen einer psychischen Erkrankung frühzeitig erkennen. 

Tipps für den Umgang mit depressiven Senior:innen 

Behutsam ansprechen

Gehen Sie behutsam auf das Thema Depressionen ein und machen Sie die betroffene Person auf die guten Heilungschancen durch eine Behandlung aufmerksam [1].

Beschwerden ernst nehmen

Nehmen Sie die Beschwerden der betroffenen Person ernst und erkennen Sie diese als Erkrankung an. Aufforderungen, wie sich weiterhin “zusammenzufassen”, sind kontraproduktiv [1].

Aktivierung fördern

Unterstützen Sie Ihre Angehörigen dabei, passives Verhalten zu überwinden. Fördern Sie positive Erfahrungen, z.B. indem Sie gemeinsam Aktivitäten planen, die der Person Freude bereitet [1].  

Auf dem Bild sind eine junge Frau und eine ältere Frau, zu sehen. Sie sind in der Natur.

Tagesstruktur schaffen

Helfen Sie Ihren Angehörigen dabei, Struktur in den Tag zu bringen, z.B. indem Sie gemeinsam Aufgaben und Termine in einen Kalender eintragen [1]. 

Unterstützungssystem aufbauen

Etablieren Sie ein funktionierendes Versorgungs- und Unterstützungssystem für Ihren depressiven Angehörigen. Verbessern Sie den familiären und partnerschaftlichen Austausch und organisieren Sie regelmäßige Besuche oder Anrufe von Verwandten und Bekannten [1].

Soziale Kontakte fördern

Ermutigen Sie Ihre Angehörigen, soziale Kontakte aufzubauen, z.B. durch den Beitritt zu einem Verein oder einem Chor [1]. 

Fertigkeit Defizite überwinden

Unterstützen Sie Ihre Angehörigen dabei, Fertigkeit Defizite zu überwinden und positive Verhaltensweisen zu erlernen [1]. 

Bewältigung von Vergangenem

Helfen Sie der Person dabei, Vergangenes besser zu bewältigen, indem Sie auf Erfolge und Veränderungen hinweisen, die ohne ihr eigenes Zutun stattgefunden haben [1].

Sensibles Zuhören:

Vermeiden Sie Phrasen wie “Du musst positiv denken” und versuchen Sie nicht zwanghaft, die Stimmung aufzuhellen. Stattdessen ist es wichtig, der Person zuzuhören und geduldig zu sein [2]. 

Therapeut:innen Kontakte bereitstellen

Suchen Sie Therapeut*Innen Adressen in der Nähe heraus und stellen Sie sie Ihren Angehörigen zur Verfügung, um behutsam an das Thema heranzuführen. Geben Sie der betroffenen Person Zeit, sich mit dem Gedanken an eine Behandlung anzufreunden [1]. 

Informieren Sie sich

Informieren Sie sich über das Krankheitsbild der Altersdepression, z.B. durch Ratgeberliteratur, um ein besseres Verständnis für die Situation zu entwickeln [1].

Auf dem Bild sind zwei Personen zu sehen, von denen eine die Hand der anderen hält.

FAQ

1. Was sind typische Symptome einer Altersdepression?

Typische Symptome umfassen anhaltende Bedrücktheit, Antriebslosigkeit, Minderwertigkeitsgefühle, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, und in schweren Fällen auch Suizidgedanken.

2. Welche Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine Altersdepression?

Risikofaktoren schließen körperliche Symptome, den Verlust nahestehender Personen, Trauer und Anpassungsschwierigkeiten an neue Lebensumstände ein.

3. Wie wird Altersdepression diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt durch Fachpersonal wie Ärzt:innen oder Therapeut:innen und beinhaltet eine umfassende Untersuchung, um auch mögliche körperliche Leiden zu erfassen, die mit einer Depression einhergehen können.

4. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Altersdepression?

Behandlungsoptionen umfassen psychotherapeutische Verfahren, medikamentöse Behandlung und unterstützende Maßnahmen, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden.

5. Wie kann man ältere Menschen mit Depressionen unterstützen?

Wichtig ist, die Beschwerden ernst zu nehmen, aktivierende Maßnahmen zu fördern, eine Tagesstruktur zu schaffen, soziale Kontakte zu fördern und sensibel zuzuhören. Zudem sollten Therapeut:innen-Kontakte bereitgestellt und sich über das Krankheitsbild informiert werden.

6. Warum ist die frühzeitige Erkennung von Altersdepression wichtig?

Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend, um rechtzeitig eine angemessene Behandlung einzuleiten und die Lebensqualität des Betroffenen zu verbessern. Hausärzt:innen spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie körperliche Symptome erkennen und zwischen Demenz und Depression unterscheiden können.

Zusammenfassung

Altersdepression ist eine ernsthafte Erkrankung, die durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet ist, darunter anhaltende Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Gefühle der Wertlosigkeit und in schweren Fällen Suizidgedanken. Diese Form der Depression tritt oft im Zusammenhang mit anderen körperlichen Erkrankungen und Lebensveränderungen im Alter auf. Risikofaktoren beinhalten physische Beschwerden, den Verlust von Angehörigen, hormonelle Störungen, genetische Veranlagung und traumatische Erlebnisse. Die Diagnose und Behandlung von Altersdepression erfordert eine gründliche Untersuchung durch Fachpersonal, um eine individuell angepasste Therapie zu ermöglichen. Behandlungsoptionen umfassen Psychotherapie, medikamentöse Therapie und unterstützende Maßnahmen. Frühzeitige Erkennung und Behandlung sind entscheidend, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Ältere Menschen sollten ermutigt werden, offen über ihre Gefühle zu sprechen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um eine angemessene Unterstützung zu erhalten.

Quelle:

[1] Krach, J. & Dafsari, F. (2023). Altersdepressionen: Symptome, Diagnose & Behandlung. https://www.pflege.de/krankheiten/altersdepression/ (Abgerufen: 06.02.2024)

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